Zornige Fans in Indonesien – Goalie aus Hinwil muss einen neuen Klub suchen
Hinwiler Fussballprofi
Der Hinwiler Torhüter Anthony Pinthus sucht nach einer unbedachten Geste einen neuen Klub in Südostasien. Doch seine Zuversicht war auch schon mal grösser.
Nach jeder Einheit fühlt er sich kurzzeitig besser. Aber Anthony Pinthus macht kein Geheimnis daraus: Die Motivation fürs Training zu behalten, ist kein Selbstläufer.
Seit einem halben Jahr ist der Profi-Torhüter aus Hinwil vereinslos. Und bevor das Transferfenster im Dezember öffnet, dürfte der 26-Jährige, der die letzten vier Saisons in Südostasien tätig war und es auf den Philippinen, dem Heimatland seiner Mutter, zum Nationalspieler brachte, kaum ein Angebot erhalten.
Sein Alltag momentan? Am Morgen schwitzt Pinthus im Gym, am Nachmittag steht er auf dem Fussballplatz, wo er bisweilen mit einem Goalietrainer arbeitet. «Ich bin diszipliniert und bleibe dran. Es ist mein Job», sagt Pinthus. Was ihm zugutekommt – er hat diese Situation schon einmal erlebt.
Anfang 2023 löste Pinthus den Vertrag beim philippinischen Klub United City FC auf, mit dem er in der asiatischen Champions League gespielt hatte. Weil der Klub finanzielle Probleme hatte. Aber vor allem aber, weil er fand, die Zeit sei reif für den nächsten Schritt. Danach blieb der Oberländer rund vier Monate ohne Klub, ehe er in die indonesische Liga zu PSS Sleman wechselte.
Zu hoch gepokert
Warum aber ist Pinthus nach dem Auslaufen seines Vertrags bei PSS Sleman erneut in der Warteschlaufe gefangen? Der Fussballer lacht, obwohl die Situation eigentlich nicht zu lachen ist. Dann gibt er zu: «Ich habe zu hoch gepokert.»
Pinthus lehnte einige Angebote aus den Philippinen ab. Im Glauben, es würde schon noch die eine oder andere Anfrage aus einer attraktiveren Liga folgen. Doch da kam nichts mehr, nicht einmal aus Indonesien. Das hat den Torhüter dann doch erstaunt, wie er sagt. Schliesslich war der Hinwiler Stammgoalie bei PSS Sleman, stand insgesamt 26-mal in der Startelf.
Er reklamiert für sich, die nötigen Leistungen gezeigt zu haben. Klar habe er den einen oder anderen Fehler gemacht, sagt Pinthus, der einen mutigen Stil pflegt und keiner ist, der immer auf der Linie klebt.
Aber Fehler unterlaufen allen Torhütern.
Plötzlich alle gegen sich
Letztlich ist Pinthus eine unbedachte Geste gegenüber den Fans zum Verhängnis geworden. Mit dem Zeigefinger vor dem Mund deutete er ihnen an, sie sollten ruhig sein, nachdem er sich nach einem matchentscheidenden Patzer ihren Zorn zugezogen hatte.
Pinthus sagt, eigentlich habe er eine bestimmte kleine Gruppe damit gemeint, «doch die Situation ist eskaliert». Die Anhänger stellten sich gegen ihn, verlangten von der sportlichen Führung, auf den Torhüter zu verzichten. Diese gab dem Druck nach.
«Der Einfluss der Kurve ist enorm», weiss Pinthus. Die letzten fünf Meisterschaftsspiele stand er nicht einmal mehr im Kader, eine Begründung dafür erhielt er weder vom damaligen Trainer Risto Vidakovic noch von sonst jemanden aus dem Klub.
«Das ist die asiatische Mentalität im Fussball, damit habe ich mich abgefunden», ist er niemandem böse. Und wie sehr hadert er mit sich? «Klar würde ich dasselbe nicht mehr machen», zeigt er sich einsichtig. «Ich muss in einer schlechten Situation besser mit meinen Emotionen umgehen.»
Dem bitteren Ende zum Trotz – Pinthus hat die Zeit bei PSS Sleman in guter Erinnerung. Erstmals war er bei einem Verein unter Vertrag, der die Massen bewegt. Nur zwei indonesische Klubs wiesen letzte Saison einen höheren Zuschauerschnitt auf als Sleman mit seinen 11’600 Fans.
«Vor einer solch lauten Kulisse zu spielen, diese Erfahrung ist unbezahlbar», sagt Pinthus. Und schwärmt: «Für mich war es die beste Zeit des Lebens.»
Der frühere Nachwuchsgoalie von GC, der nie in den zwei höchsten Schweizer Ligen spielte, musste erst lernen, mit dem hohen Druck umzugehen. Und auch den Auswüchsen, die der sportliche Kriechgang seines Teams mit sich brachte, das den Ligaerhalt nur knapp schaffte.
Nach Niederlagen beispielsweise tobten Fans auf dem Platz. Mehrfach stürmten sie gar in die Kabine. «Das war wie im Film», sagt Pinthus, der verneint, in diesen Situationen Angst gehabt zu haben. «Sie kamen uns Spielern zwar immer sehr nahe. Berührt aber haben sie nie jemanden.»
Der Kriterienkatalog
Die Leidenschaft der Fans hat Pinthus beeindruckt. Auch sein nächster Verein soll darum in einem südostasiatischen Land sein, in dem der Fussball hohes Ansehen geniesst. Welche Kriterien sind ihm bei der Klubwahl sonst wichtig? «Was man mir anbietet, muss finanziell stimmen», sagt er.
«Es muss auch ein Klub mit Ambitionen sein, der seriös geführt ist.» Nach Thailand würde Pinthus noch immer gerne wechseln, wo er dank seinen Länderspielen für das philippinische Nationalteam das Ausländerkontingent nicht belasten würde. Er weiss aber – realistisch ist das nicht.
Malaysia, Indonesien und Singapur, in diesen Ländern rechnet er sich Chancen aus. «Meine Zuversicht, etwas zu finden, war im Sommer sicher grösser», sagt Pinthus. Er ist sich bewusst, vielleicht neigt sich seine Zeit als Fussballprofi, der hierzulande keine Chance erhielt, dem Ende entgegen.
«Ich bin schon 26. Wenn es im Winter nicht klappt, muss ich mir einen Plan B erstellen.»
