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Der tiefe Blick ins Herz von «Pfanni»

Ob in der Garderobe oder im Bus zu den Auswärtsspielen – in der wichtigsten Phase der letzten Saison war beim UHC Pfannenstiel die Kamera immer dabei.

Wer will, kann sich den Weg zum NLB-Aufstieg immer und immer wieder ansehen – im Film «Ufe ischs Ziel». (Archiv)

Foto: Roger Hofstetter/Montage: zueriost.ch

Der tiefe Blick ins Herz von «Pfanni»

Oberländer Unihockeyklub

Der Film «Ufe ischs Ziel» zeigt das Innenleben des UHC Pfannenstiel in den Playoffs. Dass das Team am Schluss aufstieg, spielte den Machern in die Hände.

Das Ritual ist immer wieder im Bild: Nach jedem Sieg bringt ein Teammitglied einen weiteren Kleber auf dem Plakat an. «Pfanni brännt» steht drauf. Es ist kein leerer Spruch, wenn man die Emotionen sieht, die jeder neue Sticker in der Garderobe auslöst.

Die leeren Felder werden immer weniger, bis nur noch ein letztes übrig bleibt. Es ist der 13. April, als auch dieses verschwindet. Das heisst: Der UHC Pfannenstiel hat das letzte Spiel der Saison 2023/2024 gewonnen und steigt in die Nationalliga B auf.

Es ist ein perfektes Ende. Aus sportlicher Sicht, aber auch für ein Projekt, das jüngst vereinsintern präsentiert wurde und später auch auf dem Videoportal Youtube veröffentlicht werden wird. «Ufe ischs Ziel» heisst der rund einstündige Film, den die Spieler Florian Hafner und Florian Nideröst produzierten.

Er zeigt in ausdrucksstarken Bildern die wichtigste Phase der Saison des Oberländer Teams. Der sportliche Ausgang hat den Machern natürlich in die Hände gespielt. «Es hätte ja sein können, dass wir in der ersten Runde rausfliegen», sagt Hafner und grinst: «Dann wäre es wohl kein Superfilm geworden.»

Erste Eindrücke: Der Teaser für die Vorführung vor den Vereinsmitgliedern. Quelle: Florian Hafner

So aber stimmt die Dramaturgie. Hafner und Nideröst haben aus 50 Stunden Videomaterial ein Werk geschaffen, das einen tiefen Blick ins Innenleben von «Pfanni» gibt. Das Duo arbeitete mit zwei Kameras, wovon eine fix auf der Tribüne installiert war.

«Mit der zweiten Kamera haben wir die Insights generiert», sagt Nideröst. Zu den besten Szenen gehören dabei die zahlreichen Momente aus der Garderobe.

Die Enttäuschung ist fast mit Händen greifbar, wenn die Spieler nach einer Niederlage verschwitzt und abgekämpft dahocken. Nach einer feurigen Rede von Trainer Marc Werner spürt man die elektrisierende Stimmung. Und erlebt seinen Ärger hautnah, wenn er wettert: «Da fühl ich mich verarscht. Da fühlen sich ganz, ganz viele hier drin verarscht. Ganz ehrlich, das können wir uns nicht noch einmal leisten.»

Die Kamera ist immer dabei

Ob im Auto beim Warten auf den ständig zu spät kommenden Teamkollegen, beim gemeinsamen Kochen vor einer Partie, im Bus oder beim Tribünen-Aufräumen nach einem Heimspiel in Egg – stets ist die Kamera dabei.

Dazu haben die Macher an den passenden Stellen immer wieder Sequenzen eingebaut, in denen einzelne Spieler, jemand aus dem Staff oder Vorstand zu Wort kommen. Immer weiter rückt «Pfanni» im Verlauf des Films in die knapp zwei Monate dauernden Playoffs vor. Immer näher kommt das grosse Ziel fürs Team, das in der Szene den Ruf einer «Spasstruppe» geniesst.

Die Dokumentation zeigt indes, dass die Erfolge des UHC Pfannenstiel nicht einfach das Zufallsprodukt einer Mannschaft ist, die auf viele individuell starke Spieler zählen kann. Es mag eine Lockerheit herrschen, die in anderen Mannschaften fehlt. Und die Exponenten haben keine Mühe, über sich selber zu lachen. Der Film zeigt aber halt auch sehr schön, dass da eine Equipe am Werk ist, die ihr Vorhaben ernsthaft und mit viel Akribie vorantreibt.

Dieselben Mittel wie auf Instagram

«Ufe ischs Ziel» ist nicht der erste Film, der einen Blick ins Innenleben eines Unihockey-Teams gewährt. SRF produzierte beispielsweise vor der Heim-WM 2022 eine Dokumentation über die Nationalmannschaft mit dem Titel «Wir – Weltmeister?». Hinter jenem Stück verstecken muss sich «Ufe ischs Ziel» aber keineswegs.

Der Film mit englischen Untertiteln ist professionell gemacht. Das ist kein Zufall. Der beim Projekt federführende Florian Hafner ist Polygraf mit eigener Firma.

Dass Hafner sein Handwerk beherrscht, weiss man schon länger. Unter seiner Regie ist der Instagram-Kanal von «Pfanni» zur Schweizer Nummer 1 geworden. Mit authentischem Material, viel Nähe und Beiträgen mit einem Augenzwinkern. Es sind im Prinzip die gleichen Mittel, die Hafner und Nideröst nun auch in ihrem Film angewendet haben.

Der Aufsteiger würde den bequemen Weg bevorzugen

Nach zuletzt fünf Jahren in der 1. Liga ist der UHC Pfannenstiel zurück in der Nationalliga B. Für die Oberländer ist es der zweite «Besuch» in der zweithöchsten Liga. Der erste dauerte von 2017 bis 2019. Als primäres Ziel hat sich «Pfanni», wenig überraschend, den Ligaerhalt vorgenommen. Allenfalls kann die Mannschaft von Trainer Marc Werner, der schon beim letzten NLB-Abstecher an der Bande stand, diesen mit dem Einzug in die Playoffs auch auf bequeme Art erreichen.

Pfannenstiel kann auf ein eingespieltes Team mit einigen starken Einzelspielern zählen. Das Kader wurde etwas verbreitert. Mit Markus Kulmala und Tim Bartenstein (beide Rücktritt) hat man zwar ein wichtiges Duo verloren, dafür kann das Team mit Marco Klauenbosch und Jan Kreienbühl künftig auf zwei ehemalige Ustermer NLA-Akteure zählen. Zudem spielt neu der von Konkurrent Davos-Klosters gekommene Luca Rizzi für den Aufsteiger. Der Bündner Routinier bringt die eindrückliche Zahl von 465 Skorerpunkten in 244 Nationalliga-Partien ins Oberland mit.

«Pfanni» hat schon vor Meisterschaftsbeginn ein Ausrufezeichen gesetzt, indem das Team im Cup den A-Ligisten Basel mit einem 6:5-Sieg aus dem Wettbewerb warf. Trainer Marc Werner sagt: «Wie in der Vergangenheit ist auch diese Saison mit einer ausgeglichenen Liga zu rechnen.» Ein grosser Faktor sind die ausländischen Verstärkungsspieler. Einzig Limmattal hat nicht mehr Ausländer im Team als der UHC Pfannenstiel, bei dem mit dem Polen Lukasz Chlebda lediglich ein einziger spielt. (zo)

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