Für seine neue Aufgabe fährt er quer durch die Schweiz
Von Martigny nach Wetzikon
Profitrainer Albert Malgin soll den verjüngten Aufsteiger EHC Wetzikon in der höchsten Amateurliga etablieren. Seine zwei wichtigsten Trümpfe: Er kennt die MHL und hat viel Erfahrung.
Einmal hin, einmal zurück – ergibt zusammen über 500 Kilometer. Bei dieser Zahl kann man sich nur schwer vorstellen, dass ein anderer Trainer hierzulande weiter entfernt von seinem Verein lebt als Albert Malgin.
Auf diese Saison hat der 58-Jährige beim EHC Wetzikon das MHL-Team als Headcoach übernommen, wohnt aber weiterhin in Martigny. Nicht allein der Weg dürfte eine Herausforderung sein – auch die Aufgabe mit dem EHCW ist es.
Die Oberländer sind erstmals in die höchste Amateurliga MHL aufgestiegen. Doch vom Erfolgsteam ist nicht viel übrig geblieben. Nach einer Runderneuerung ist noch ein halbes Dutzend Stammspieler der letzten Saison dabei. Die vielen jungen Zuzüge haben das Durchschnittsalter des Teams gedrückt, jenes in der komplett neu formierten Abwehr beträgt beispielsweise lediglich 21 Jahre.
«Es wird nicht einfach», ist sich Malgin bewusst. Er sagt aber auch: «Ich bin froh, Wetzikon trainieren zu können. Ich habe das Interesse und die Kraft, alles zu probieren, um das Beste herauszuholen.»
Der legendäre Skorer
Die Wetziker haben mit der Verpflichtung von Malgin auf dem Trainerposten eine neue Richtung eingeschlagen. Mit Christian Modes und Roger Keller setzten sie zuletzt auf Headcoaches, die «regulären» Berufen nachgingen. Malgin hingegen ist ein Profitrainer, wenn auch sein Engagement im EHC Wetzikon klar weniger als ein 50-Prozent-Pensum ausmacht.
Erstmals seit dem gescheiterten Versuch mit Ex-Profispieler Thomas Nüssli steht zudem wieder jemand hinter der Wetziker Bande mit einem im Eishockey schweizweit bekannten Namen.
Mittlerweile schreibt zwar Sohn Denis Malgin bei den ZSC Lions die grossen Schlagzeilen, bei dem der Vater nach Trainings mit dem EHCW übernachten kann. Aber auch Albert Malgin hat hierzulande Spuren hinterlassen. Erst als Spieler. Die NZZ bezeichnete ihn einst als «einer der legendärsten NLB-Skorer».
Nun blickt der frühere Stürmer auf eine fast 20 Jahre lange Trainerkarriere auf verschiedenen Stufen zurück. Malgin ist ein ruhiger, aber konsequenter Coach, der von sich selber sagt, er habe sich über all die Jahre verändert.
«Man muss die Spieler heute anders ansprechen und motivieren», sagt er. Zwischenzeitlich arbeitete er auch als Sportchef, ehe Malgin an die Bande zurückkehrte. Zuletzt war er Assistenzcoach beim Swiss-League-Klub EHC Visp. Nun ist Malgin wieder zurück bei den Amateuren. «Hier muss man flexibel sein», ist er sich im Klaren und sagt, psychologische Aspekte würden bei seiner Arbeit mehr Gewicht erhalten.
Malgin ist ein überaus erfahrener Trainer, was der EHCW in seiner Situation gut brauchen kann. «Er hat ein enormes Hockeywissen», sagt Luzi Schneider von der Wetziker Sportkommission und ist überzeugt: «Er wird uns weiterbringen.»
Malgin erkenne, was die einzelnen Spieler brauchen würden, «er kann jeden individuell fördern», sagt Schneider. Ein Vorteil ist mit Sicherheit, dass der schweizerisch-russische Doppelbürger die MHL aus seiner Zeit in Seewen und Basel gut kennt.
Malgin lobt die Qualität der dritthöchsten Stufe. «Das ist eine sehr interessante Liga», findet er und sagt: «Sie wird Jahr für Jahr besser.»
Das Beispiel Frauenfeld
Der Cheftrainer hofft, dass auch seine Mannschaft zügig besser wird. Denn Malgin macht keinen Hehl daraus, dass das Team aus seiner Sicht noch nicht da ist, wo er es sich zu diesem Zeitpunkt so kurz vor Meisterschaftsbeginn gewünscht hätte.
Die Anzahl der Eistrainings war in der Vorbereitung nicht so hoch, wie er gerne gehabt hätte. Eine Folge davon ist aus seiner Sicht: «Die Mannschaft hat sich entwickelt, aber nicht so schnell, wie ich wollte.»
Im ersten Test gegen einen Ligakonkurrenten (2:7 gegen Seewen) war der Aufsteiger noch überfordert, danach steigerte er sich. «Wir sind in einem Prozess», sagt Malgin. Dasselbe sagt aber auch Schneider, der findet: «Es gibt einige Gegner, die in unserer Reichweite sind. Man muss aber realistisch sein: Wir sind der Newcomer.»
Was braucht es, um aufs Niveau der höchsten Amateurliga zu kommen? Malgin sagt: «Viel Geduld». Als Beispiel führt er den EHC Frauenfeld an. Die Thurgauer verloren in ihrer MHL-Premierensaison 15 der ersten 20 Spiele – und retteten sich trotzdem.
Das Wetziker Mindestziel ist selbsterklärend – es ist der Ligaerhalt. Die Mittel zum Erfolg dürften indes anders sein als in den vergangenen Jahren, in denen der EHCW sich häufig auf seine Offensivstärke verlassen konnte. «Ein gutes, strukturiertes Defensivspiel ist unser Rezept, um zu gewinnen», sagt Malgin.
Dazu zählt für ihn nicht nur die Arbeit im eigenen Drittel, «der Job beginnt schon mit einem aggressiven Forechecking in der gegnerischen Zone». Angewiesen sind die Oberländer in jedem Fall auf starke Leistungen ihrer Goalies. Jan Rutz und Jari Stacher heissen sie, beide sind neu im EHCW, und Malgin ist von ihrer Qualität überzeugt. Er sagt: «Wir haben ein gutes Duo.»
Zu den Leadern zählen derweil Neuzuzüge wie Jerome Portmann (27) und Yannic Noll (26) ebenso wie Rubio Schir (27) und Gian-Andrea Thöny (32), die schon beim Aufstieg dabei waren. Malgins Erwartungen an seine Routiniers? «Die sollen die Jungen ziehen, ziehen, ziehen. Und Vorbild sein – auch neben dem Eis.»
