Wetzikon, Pfäffikon oder Wald – einer aus dem Trio muss es doch schaffen
«Oberländer» Drittliga-Gruppe
Aufstiegsambitionen meldet zwar kein Team aus der Region mit Nachdruck an. Fakt aber ist – es mangelt nicht an Anwärtern.
Stäfa, Kloten, Herrliberg und Meilen – das ist keine beliebige Aufzählung. Es sind die letzten vier Aufsteiger aus der Gruppe 6. Was in dieser Reihe auffällt? Ein Team aus dem Zürcher Oberland fehlt. Und das, obwohl man die Gruppe 6 in all den Jahren problemlos als Oberländer Gruppe hätte bezeichnen können.
Dass daraus mit dem FC Wetzikon eine Mannschaft aus der Region den Aufstieg schaffte, ist schon fünf Jahre her. Die Wetziker aber sind längst wieder zurück in der Drittliga-Gruppe 6.
Diese besteht neu aus 13 Mannschaften, nachdem der sportlich abgestiegene FC Hinwil vom Rückzug von Seefeld 3 profitierte. Mehr als die Hälfte der Teams ist aus dem Oberland. Und man darf sich darum zurecht fragen: Klappt es dieses Mal mit einem Aufsteiger?
Verbales Pressing? Fehlanzeige!
Hört man sich um, stehen die Chancen so gut wie wohl lange nicht mehr. Der FC Wetzikon, Pfäffikon und Wald gehören neben dem SC Zollikon zu den meistgenannten Favoriten. Was Sinn macht, reihte sich dieses Quartett in der letzten Saison doch unmittelbar hinter dem souveränen Aufsteiger Stäfa ein.
Die Abstände der Verfolger waren indes mehrheitlich gross. Im Fall des FC Wetzikon, der Fünfter wurde, betrug der Rückstand auf Stäfa satte 16 Punkte. Das ist mehr als eine kleine Reise. Dass man im FCW in Sachen Aufstieg vor der neuen Saison auf verbales Pressing verzichtet, ist darum nicht erstaunlich.
Kommt hinzu, dass auf den Meierwiesen mit Adrian Nikci nun einer die Führung des Fanionteams übernommen hat, der schon als Spieler nicht zu den Lautsprechern gehörte.
Der ehemalige Profi, der mit dem FC Zürich einst Meister wurde und danach unter anderem auch in der Bundesliga unter Vertrag stand, ist vom FC Fehraltorf gekommen. Beim Dorfklub lancierte der erst 34-jährige Ustermer vor rund zwei Jahren seine Trainerkarriere erfolgreich. Nikci führte die Fehraltorfer zurück in die 3. Liga und bewerkstelligte daraufhin mit ihnen den Ligaerhalt souverän.
Mit dem Wechsel nach Wetzikon macht er den nächsten Schritt in seiner jungen Trainerlaufbahn – obwohl er in derselben Liga bleibt. Jetzt aber steht er bei einem Verein unter Vertrag, der von der Grösse und Infrastruktur her sowie mit seiner Geschichte als einstiger Erst- und Zweitligist eigentlich eine Spielklasse höher am richtigen Ort wäre.
Beim FCW beerbte Adrian Nikci an der Seitenlinie Antonio Convertito. Der neue Trainer kann mit einer Equipe arbeiten, die grösstenteils zusammengeblieben und eingespielt ist. «Die Mannschaft hat Qualität», lobt Nikci nach den ersten Wochen der Zusammenarbeit. Er findet aber auch: «Taktisch müssen wir eine Schippe drauflegen.»
Zurückhaltend äussert sich der FCW-Coach bei der Frage nach dem Ziel. «Wir wollen in der oberen Tabellenhälfte mitspielen», sagt er. Es ist eine Aussage, die definitiv nicht zur Sektion «Attacke» zählt.
Er weiss, wie aufsteigen geht
Laute Töne sind auch beim FC Pfäffikon keine zu vernehmen. Dabei hätten die Pfäffiker durchaus Argumente, um selbstbewusst anzumelden: «Jetzt sind wir dran!» Seit dem Abstieg 2015 zählt der FCP regelmässig zu den Aufstiegskandidaten. Regelmässig sind die Pfäffiker oben dabei, mehr aber auch nicht. Dreimal hintereinander klassierten sie sich zuletzt auf Rang drei.
Von den Spitzenmannschaften schoss der FC Pfäffikon letzte Saison indes am wenigsten Tore – wobei man fairerweise sagen muss, dass der zweitklassierte SC Zollikon genau einen Treffer mehr erzielte. Der Pfäffiker Coach Kurt Kobel hält in diesem Bereich dennoch den Finger drauf und fordert: «Wir müssen mehr Tore schiessen. Eine schlagkräftige Offensive ist der Schlüssel zum Erfolg.»
Was seine Mannschaft dafür tun muss? Kobel sagt: «Entschlossener und konkreter agieren.» Der Vorteil der Pfäffiker ist – das Kader ist zu grossen Teilen zusammengeblieben. Kobel steht derweil schon in der dritten Saison beim FCP.
Wie man aufsteigt, weiss er. Als Trainer führte er zweimal Männedorf und einmal Meilen in die 2. Liga. Der Maschineningenieur ist überzeugt: «Pfäffikon hat definitiv das Potenzial, bis zum Schluss um den Aufstieg mitzuspielen.»
Wenn der Sack offen bleibt
Ambitioniert tritt nach zwei starken Saisons (4. und 2.) der FC Wald an. Er visiert einen Rang in den Top 3 an – mit einem neuen Trainer. Auf Axel Kleinefinke folgt Boris Juric. Die Walder beklagten letzte Saison Verletzungspech. Und nisteten sich trotzdem oben ein. Für Juric zeigt das Folgendes: «Wir haben uns in den vergangenen Jahren eine gewisse Stabilität erarbeitet.»
Darauf lässt sich aufbauen. Ebenso auf dem Umstand, dass es im Kader nur zu wenigen Veränderungen kam. Vom Trio Patrik, Chris und Stefan Juric, das zusammen fast die Hälfte der Walder Tore erzielte, sind alle noch da. Positiv für den FCW ist sicher, dass in der Mannschaft dank zahlreichen jungen Spielern weiteres Entwicklungspotenzial vorhanden sein dürfte.
In welchen Bereichen sich sein Team steigern kann, weiss Juric. Er hofft auf mehr Kaltblütigkeit in der Chancenauswertung und will, dass das Team bis zum Abpfiff die Konzentration hochhält. «Wir haben oft den Sack nicht zugemacht und in den Schlussminuten viele Punkte vergeben», sagt Juric.
Im Gegensatz zu anderen Protagonisten erwartet der FC-Wald-Trainer auch von Zweitliga-Absteiger FC Rüti eine prominente Rolle. Ob die Rütner aber tatsächlich in eine solche schlüpfen können?
Mit Taulant Syla (zu Weesen) haben sie nicht nur ihren langjährigen Torgaranten verloren, sondern werden nach einem Umbruch mit einem stark verjüngten Team antreten. Der neue Trainer Denis Ciardo sagt, man wolle in der oberen Tabellenhälfte mitspielen. Zugleich ist er sich bewusst: «Es wird Zeit brauchen, um kompetitiv zu werden.»
Volketswil winkt ab
Auf Platz 4 beendete der FC Volketswil letzte Saison in der Gruppe 3, was Trainer Antonio Limata «etwas enttäuschend» findet. Er sagt: «Wir sind genug ehrgeizig, um die Resultate toppen zu wollen.» Gleich als Aufstiegsanwärter aber sieht er sein Team nicht. Weil die Trainingsbedingungen nicht ideal sind durch die Sanierung der Kunstrasenplätze. Aber auch wegen Absenzen, die schon letzte Saison ein Thema waren. Neben Volketswil spielt mit dem FC Fällanden ein weiteres Team aus der Region in der Gruppe 3. Beim Aufsteiger hat der frühere Fussballprofi Giuseppe Mazzarelli als Trainer übernommen. Er sagt: «Wir möchten uns weiterentwickeln und in der Meisterschaft eine Rolle spielen.» Das Ziel ist klar – es ist der Ligaerhalt. Weiterhin das einzige Oberländer Team in der Gruppe 4 ist der FC Effretikon. Fünfter wurde er zuletzt – und hat darum sicher Luft nach oben. (zo)
