Er setzt auf seine Angriffslust
Junger Schwinger aus Steg
Auf den ersten Kranz bei den Aktiven muss Fabio Eicher zwar noch warten. Der 16-jährige Tösstaler aber ist mit seinem Einstieg bei den «Grossen» zufrieden.
Einsam? Nein, das wird sich Fabio Eicher in Sion nicht fühlen. Auch wenn der Steger am Eidgenössischen Nachwuchsschwingertag im 150-köpfigen Feld der einzige Teilnehmer aus dem Schwingklub Zürcher Oberland (SKZO) ist. Er findet das Ganze jedenfalls «nicht gross speziell».
Eicher folgt auf Klubkollege Gian Maria Odermatt, der beim letzten Eidgenössischen Nachwuchsfest vor drei Jahren ebenfalls der einzige SKZO-Schwinger gewesen war. Der Ustermer stiess damals im ältesten der drei Jahrgänge in den Schlussgang vor und wurde letztlich Zweiter.
Mittlerweile hat sich Odermatt bei den Aktiven etabliert. Und damit da, wo Eicher seit dieser Saison ebenfalls schwingt. 16 ist der Tösstaler erst, wobei Daniel Spörri sagt: «Er ist sehr reif für sein Alter.» Der SKZO-Präsident beschreibt Eicher als willensstarken und anpassungsfähigen Schwinger, «der während eines Gangs umdenken kann».
In seinem ersten Jahr bei den Aktiven legte Eicher viele gute Auftritte ins Sägemehl und sicherte sich auch Auszeichnungen. Mit Rang 4 beim Eschenberg-Schwinget etwa. Der Kranzgewinn aber, den ihm viele zugetraut hatten, blieb dem Metzgerlehrling bisher verwehrt.
Enttäuscht ist Eicher deswegen nicht. «Ich bin mit meinen Leistungen zufrieden», sagt er und zählt auf, was er alles als Erfolg wertet. Die Teilnahme am Nordostschweizerischen Schwingfest in Meilen gehört ebenso dazu wie Siege gegen Kranzer sowie Teilverbandskranzer. Ebenfalls der Umstand, dass er sich gleich beständig im Ranglistenmittelfeld einreihen konnte.
Es braucht nur drei Finger
Die Erwartungen an den Jungspund waren hoch. Kein Wunder – im letzten Jahr räumte der gross gewachsene Schwinger in der Kategorie mit Jahrgang 2008 ab. Er sammelte Festsiege, wie notorische Schnellfahrer Bussen anhäufen.
Mehr als zehn waren es schliesslich. Nur viermal konnte er 2023 sich an Festen nicht als Sieger feiern lassen. Um seine verlorenen Kämpfe zu zählen, braucht man nicht mal alle Finger einer Hand, drei reichen schon.
Es ist fraglos eindrücklich, was Eicher letztes Jahr zeigte. Und Präsident Spörri ist überzeugt: «Es kommt gut.» Der Übertritt zu den Aktiven aber ist grundsätzlich kein Selbstläufer – auch für jene nicht, die im Nachwuchs den Takt angaben und erfolgsverwöhnt sind.
Allein wegen der bisweilen grossen körperlichen Unterschiede. Oder wie Spörri sich ausdrückt: «Da kommen dann schon ganz andere Posturen.» Eicher ist schlank und sehr athletisch. Dadurch musste er früh lernen, technisch zu schwingen. Davon profitiert er nun.
Eine Ausnahme gibt es
An der Grundhaltung des Tösstalers hat sich in dieser Saison nichts geändert. Er ist nicht wie viele andere in seinem Alter im ersten Jahr bei den Aktiven defensiv eingestellt. Ganz im Gegenteil: Eicher ist einer jener Neulinge, die auch bei den «Grossen» den Gang bestimmen wollen.
«Ich habe bessere Chancen, wenn ich angreife», argumentiert er. Und sagt darum: «Ich versuche, möglichst offensiv zu schwingen.» Seinen Drang zügelt er nur bei Konkurrenten, die ihm körperlich überlegen sind, um nicht blindlings ins Verderben zu stürzen. «Da ziehe ich häufig nicht, da der Gegner kontern kann.»
Eichers Unbeschwertheit hat sich in den letzten Monaten ausbezahlt. Wobei auch er das eine oder andere «Aha»-Erlebnis hatte, was zum Lernprozess dazugehört. Wo kann er noch zulegen?
Ich habe sicher nicht allzu schlechte Chancen, den Zweig zu gewinnen.
Fabio Eicher
Der Steger muss nicht überlegen. Im Verteidigen könne er besser werden, findet Eicher. Sein Ziel ist zudem, im Training eine Schippe draufzulegen. Offen sagt er: «Ich bin momentan nicht der Trainingsfleissigste.»
Irgendwann im Herbst wird sich Eicher dann mit seinen Zukunftsplänen beschäftigen. Jetzt gilt seine Konzentration ausschliesslich dem Eidgenössischen Nachwuchsschwingertag. Es ist sein Saisonhöhepunkt. In diesem Zusammenhang ist er auch ganz froh, noch keinen Kranz gewonnen zu haben. Sonst wäre er im Wallis einer der Gejagten gewesen. So aber kann der Tösstaler den Wettkampf gelassen angehen.
Und was liegt drin? Eicher gibt sich zurückhaltend. Aber er weiss: «Ich habe sicher nicht allzu schlechte Chancen, den Zweig zu gewinnen.»
