Die Biathlon-Brüder aus Wald beissen sich am Favoriten die Zähne aus
Oberländer Laufserie, 1. Etappe
Sebastian und Gion Stalder laufen am 5-Tage-Berglaufcup im ersten Teilstück von Wald zur Farneralp zwar aufs Podest. Jens-Michael Gossauer aber ist zu stark für sie.
Ihr Element ist eigentlich der Schnee. Doch da Sebastian und Gion Stalder längst in den Vorbereitungen auf den Weltcup-Winter sind, nützten die Biathlon-Brüder aus Wald die Gelegenheit in der früheren Heimat, ihren Puls mal hochzujagen. Die beiden mittlerweile gemeinsam im bündnerischen Alvaneu Bad lebenden Spitzensportler standen am Montagabend zum Auftakt des 5-Tage-Berglauf-Cups am Start.
Die erste und zugleich wohl härteste Etappe der Laufserie konnte allerdings keiner der Profibiathleten für sich entscheiden. Die 5,4 Kilometer lange Strecke mit den über 500 Höhenmetern am schnellsten absolvierte Jens-Michael Gossauer. Einmal mehr, kann man sagen. Der Duathlet ist nicht nur zweifacher Vizeweltmeister über die Langdistanz. Er ist auch ein bekanntes Gesicht am Berglauf-Cup, hat er diesem zuletzt mit drei Gesamtsiegen doch den Stempel aufgedrückt.
Gossauer musste im Ziel auf der Farneralp etwas warten, ehe sein erster Verfolger die Strapazen ebenfalls hinter sich hatte. Er knüpfte dem zweitklassierten Sebastian Stalder mehr als eineinhalb Minuten ab. Wobei der grösste Favorit auf den Gesamtsieg etwas langsamer ins Rennen gestiegen war als üblich. Der Grund dieser Taktik? «Es war sehr heiss», sagte Gossauer. Als der Titelverteidiger im Verlauf des Aufstiegs aber spürte, dass er sich trotzdem wohl fühlte, beschleunigte er.
Die Zäsur führte der spätere Gewinner auf der zweiten Hälfte der Strecke herbei. Gion Stalder wollte dem Führenden in einer ersten Reaktion folgen, merkte aber sehr schnell: Das klappt nicht. In der Folge teilten sich die Stalders ihre Kräfte gut ein. Sebastian Stalder legte bis zum Schluss dann doch noch 17 Sekunden zwischen sich und seinen jüngeren Bruder, der auf Rang 3 lief. «Das war ein ideales Training», freute sich Sebastian Stalder hinterher, «es war eine erste richtig harte Einheit.»
Nicht nur bei den Männern schlug der Vorjahressieger der ersten Etappe erneut zu, sondern auch bei den Frauen. Lisa Gubler vom LC Uster war eine Klasse für sich und mehr als zwei Minuten schneller als die zweitklassierte Tatiana von Allmen, die extra den weiten Weg von Steffisburg auf sich genommen hatte. 32:52 Minuten brauchte die konstant laufende Gubler für die Strecke. Und war damit nicht ganz zufrieden.
«Ich hatte erwartet, etwas schneller zu sein», zeigte sie sich selbstkritisch und sagte zugleich: «Aber hinten hinaus zieht es sich dann immer noch länger hin als eigentlich gedacht.» Ob Gubler die mindestens vier Etappen absolvieren kann, die es für die Gesamtwertung braucht, weiss sie noch nicht. Sie sagt aber: «Es würde mich sehr freuen.»
Olympiastarter als Spontanbesucher
Nicht in den Kampf um den Titel eingreifen wird derweil Nadja Kessler, die den 5-Tage-Berglauf-Cup ebenfalls schon gewonnen hat. Kessler komplettierte am Montag als Dritte das Frauen-Podest. Und bedauerte danach, dass sie keine weitere Etappe mehr laufen kann.
Spannend dürfte derweil auch sein, ob der einstige Spitzenmarathonläufer Christian Kreienbühl nach seinem überraschenden Start vom Montagabend im Verlauf der Woche nochmals antreten wird. Der Rütner Olympiateilnehmer von 2016 tauchte spontan auf und erweiterte das Feld an prominenten Startern um einen Namen. Den Lauf beendete der 43-Jährige auf Rang 12.