Schlumpf legt einen eindrücklichen Steigerungslauf hin
Marathonläuferin aus Wetzikon
Fabienne Schlumpf teilt sich im selektiven Olympiamarathon die Kräfte perfekt ein. Sie dreht in der zweiten Hälfte des Rennens auf und wird 16.
Ihren Plan, taktisch clever zu laufen, hat Fabienne Schlumpf im Olympiamarathon von Paris hervorragend umgesetzt. Die Wetzikerin lieferte einmal mehr in einem Meisterschaftsrennen eine starke Leistung ab. Mit einer Zeit von 2:28:10 Stunden belohnte sie sich dafür mit Rang 16 – und blieb nur knapp vier Minuten über ihrem Schweizer Rekord.
An den letzten Olympischen Spielen war Schlumpf als Zwölfte in der Rangliste zwar weiter vorne klassiert gewesen. Das Ergebnis von Paris ist dennoch höher einzuschätzen. Allein aus dem Grund, dass noch nie ein Olympiamarathon besser besetzt gewesen war als dieser.
Die niederländische Siegerin Sifan Hassan lief in 2:22:55 Stunden gar Olympiarekord. Und das auf dieser coupierten Strecke nach Versailles und zurück, auf denen die Läuferinnen mehr als 400 Höhenmeter zu absolvieren hatten.
Schlumpf hatte vor ihrem zweiten Olympiarennen über 42,195 km gespürt, dass sie mit Rang 12 an den Spielen in Tokio Erwartungen geschürt hatte. «Das war schon fast ein kleiner Exploit», hatte sie im Vorfeld gesagt. Sie freute sich nach ihrem Lauf am Sonntagmorgen entsprechend, erneut überzeugt zu haben.
Schlumpf war «überglücklich», wie sie sagte und glaubt: «Das war wohl eines der besten Rennen meiner Karriere.»
Vor allem den Umstand wertete sie hoch, dass sie einmal mehr abliefern konnte, als es zählte. Dabei begleiteten sie zu Beginn durchaus Zweifel. Sie habe sich am Anfang nicht besonders gut gefühlt, gab die 33-Jährige zu. «Je länger das Rennen aber ging, desto besser fühlte ich mich.»
Ganz am Schluss kommt der Genuss
Schlumpf behielt in der Hitze von Paris stets kühlen Kopf und teilte sich ihr Rennen klug ein. So verzichtete sie darauf, sich mit allen Mitteln in der grossen Spitzengruppe halten zu wollen, die nach rund 15 Kilometer das Tempo abrupt verschärfte und eine Zäsur herbeiführte. Stattdessen lief die Schweizer Rekordhalterin ihren eigenen Rhythmus und rollte das Feld von hinten auf.
Mit zunehmender Dauer stiess Schlumpf immer weiter nach vorne. Die 35-km-Marke passierte sie schon auf Rang 18, nachdem sie nach rund einem Viertel der Strecke noch deutlich weiter hinten auf Platz 49 gelegen hatte. Bis zum Schluss machte die Athletin des TG Hütten zwei weitere Plätze gut. Allein konnte sie auf die finale Gerade einbiegen und die letzten Meter des strapaziösen Wettkampfs so richtig geniessen. Jubelnd lief Schlumpf über die Ziellinie.
Für die Wetzikerin waren es die bereits dritten Olympischen Spiele. Es ist ein Umstand, der er ihr viel bedeutet, wie sie sagt: «Für Leichtathleten ist es das grösste Sportereignis. Dass ich zum dritten Mal dabei bin, ist schon speziell.»
Besonders ist dabei auch, dass Schlumpf dies in zwei Disziplinen schaffte. In Rio de Janeiro 2016 war sie noch im Steeple über 3000 m gestartet, ehe sie später auf die Langdistanz wechselte und in Asien vor drei Jahren dann ihr Olympia-Marathondebüt gefeiert hatte.