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Sie spult an der WM mehr Kilometer ab als die Profis an der Tour de France

Dieses Menü hat es in sich: Auf Isabelle Pulver warten in Polen 3600 Kilometer und 30'000 Höhenmeter.

Isabelle Pulver hat im Frühling den EM-Titel geholt, nun soll der WM-Titel im Ultracycling folgen.

Foto: PD

Sie spult an der WM mehr Kilometer ab als die Profis an der Tour de France

Wetziker Ultraradfahrerin Isabelle Pulver

Das Nonstopp-Rennen Race Around Poland ist die offizielle Ultracycling-WM. Isabelle Pulvers Ziel ist hoch – dafür überlässt sie nichts dem Zufall.

Einmal rund um Polen. Was andere vielleicht zur Erholung in den Sommerferien mit dem Camper oder einem Mietwagen machen, bringt Isabelle Pulver im Sattel hinter sich. Mit dem Anspruch, möglichst schnell zu sein. Am 6. Juli packt die Wetziker Ultracyclerin das Nonstopp-Rennen Race Around Poland an – als Favoritin.

Auf ihrem Speisezettel: 3600 Kilometer und 30 000 Höhenmeter. Nur um die Dimensionen besser einordnen zu können: An der Tour de France 2024 absolvieren die Radprofis 3498 km. Allerdings in 21 Etappen. Wobei man dazu auch noch sagen muss, dass sie dafür erheblich mehr Höhenmetern sammeln müssen – über 52 000.

Weniger Höhenmeter, dafür auch weniger Pausen: Auf Isabelle Pulver wartet in Polen als Solofahrerin eine happige Aufgabe. Allein die Belastung für ihre zwei jeweils nach Unfällen operierten Schultern dürfte durch die bisweilen schlechten Strassenbeläge und Passagen auf Kopfsteinpflaster gross sein.

Doch die seit langem im Bernbiet wohnende Oberländerin ist guter Dinge. Die Vorbereitung ist nach Plan verlaufen, Pulver bezeichnet ihre Form als «stark».

Die WM ist fünfmal länger als die EM

Drei weitere Solofahrerinnen stehen am Start, allesamt Polinnen. Der Sieg wird aber sowieso über Pulver führen, die im Ultraradsport in den letzten Jahren zahlreiche Erfolge vorweisen kann. 2023 gewann sie beispielsweise das prestigeträchtige Race Across America. Sie war damals die erst zweite Frau, der das Kunststück gelang, auch alle Männer hinter sich zu lassen.

Im Mai schnappte sich die 53-jährige Ausdauerathletin mit dem Sieg am Race Across Italy den EM-Titel. In Polen soll nun WM-Gold folgen – das Rennen gilt als offizielle Ultracycling-WM. Es ist gleich fünfmal länger als die EM in Italien, rund dreimal mehr Höhenmeter muss Pulver absolvieren.

Wie immer hat sich die Oberländerin akribisch auf die Strapazen vorbereitet. Mit drei verschiedenen Rädern will sie die Herausforderung meistern – einem Zeitfahrvelo für die Fläche, einem Rad für die Berge – die schwierigsten Steigungen auf der im Uhrzeigersinn zu absolvierenden Strecke stehen in der ersten Rennhälfte an – sowie einem Allroundvelo.

Strecke des Race Around Poland
Start und Ziel des Race Around Poland sind in der Hauptstadt Warschau.

Zwei polnische Guides ergänzen Pulvers Begleitteam. Um allfällige Verständigungsprobleme aus dem Weg zu räumen. In den ländlichen Gegenden ist Englisch in der Bevölkerung nicht wirklich verbreitet.

Am 3. Juli fliegt Pulver nach Warschau, wo Start und Ziel des Rennens sind. Rund 72 Stunden vor dem Wettkampf beginnt sie, nur noch Flüssignahrung zu sich zu nehmen. Um den Körper anzugewöhnen

Gewinnt Pulver, folgt auf die eine Oberländer Siegerin die nächste. 2023 setzte sich in Polen nämlich die Fehraltorferin Nicole Reist durch, die unlängst ihre Karriere am Race Across America auf bittere Art beendete.

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