Dieses Ende ist bitter: Reist stürzt kurz vor dem Ziel und muss aufgeben
Fehraltorfer Ultracyclerin
Knapp 5000 Kilometer hat Nicole Reist am Race Across America schon hinter sich gebracht, als sie zu Fall kommt. Es ist ein dramatischer Schlusspunkt hinter ihre Karriere.
Das letzte Rennen ihrer Karriere endet für Nicole Reist auf dramatische Art und Weise. Fast 5000 Kilometer und 66 000 Höhenmeter hat die Fehraltorfer Ultracyclerin am Race Across America (RAAM) bis am Samstagnachmittag schon absolviert, als sie rund 70 Kilometer vor dem Ziel stürzt.
Die 39-Jährige bleibt kurz bewusstlos liegen. Bald ist sie zwar wieder ansprechbar, muss aber für weitere Abklärungen ins Spital gebracht werden. Das RAAM ist für Reist damit natürlich vorbei. Es ist das erste Mal in den letzten 14 Jahren, dass sie ein Rennen nicht zu Ende fährt. Und das zum Abschluss ihrer Karriere, in der sie seit 2012 jedes Nonstopp-Rennen für sich entschieden hatte, an dem sie gestartet war.
Eigentlich hatte Reist ihre Laufbahn schon für beendet erklärt. Um dann für dieses eine letzte Projekt in den USA in den Sattel zurückzukehren. Die Oberländerin wollte am RAAM, das sie zuvor schon dreimal gewonnen hatte, den Geschwindigkeitsrekord von 1995 brechen.
Dass sie in ihrem Abschiedsrennen den Rekord der Amerikanerin Seana Hogen – aufgestellt auf einer damals allerdings noch deutlich kürzeren Strecke – nicht knacken würde, war aber schon bald einmal klar.
Hohe Temperaturen, zu viel Wind und zu viele Baustellen
Um die Distanz von der West- an die Ostküste in maximal neun Tagen und 15 Stunden (oder in anderen Worten mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von über 21,3 Kilometer pro Stunde) absolvieren zu können, hätte alles perfekt zusammenpassen müssen. Temperaturen von über 40 Grad über weite Teile der Strecke, überdurchschnittlich viele Baustellen mit Wartezeiten von bis zu 20 Minuten und viel Seiten- und Gegenwind – die äusseren Einflüsse waren nicht auf der Seite von Reist.
Es lag aber nicht nur daran, wie sie eingestand. «Nebst der grossen Hitze kam ich mit dem Schlafentzug und der Müdigkeit diesmal definitiv weniger gut klar als in meinen drei früheren Teilnahmen. Ich konnte den vorab erarbeiteten Zeitplan von Beginn weg nicht einhalten.»
Ja, nun ist definitiv Schluss.
Nicole Reist
Schon am dritten Tag zeichnete sich darum ab, dass die Fehraltorferin ihr Ziel verfehlen würde. Man habe darüber diskutiert, das Unterfangen abzubrechen, sagt Teamchefin Christine Wylenmann. Aufgeben aber sei für Reist nicht in Frage gekommen, «auch wenn es rückblickend vielleicht besser gewesen wäre».
Bleibt Reist trotz dem bitteren letzten Rennen bei ihrer Entscheidung, die Karriere jetzt zu beenden? Die Oberländerin lässt keine Zweifel. Sie sagt bestimmt: «Ja, nun ist definitiv Schluss.»