Das sind die Oberländer EM-Starter
Drei Routiniers und zwei Neulinge
An der Leichtathletik-EM in Rom ist Tadesse Abraham vom LC Uster jener Athlet mit Bezug zur Region, der die besten Medaillenchancen hat.
Ein halbes Jahrhundert nach der letzten EM in Rom finden die kontinentalen Titelkämpfe ab Freitag erneut in der italienischen Hauptstadt statt. 1574 Athletinnen und Athleten aus 48 verschiedenen Nationen sind für die sechstägigen Meisterschaften gemeldet, wobei etwas mehr Männer als Frauen antreten werden.
Das Schweizer Team ist so gross wie noch nie an einer EM. Swiss Athletics toppt mit der Delegation sein bisheriges Rekordaufgebot von der Heim-EM in Zürich 2014, das 53 Personen umfasste. Aus 60 Athletinnen und Athleten besteht die Equipe in Italien. Ein Quintett stammt dabei aus dem Zürcher Oberland. Oder hat wie im Fall des früher in Uster lebenden Tadesse Abraham, der weiterhin für den LC Uster antritt, noch immer einen starken Bezug zur Region.
Fabienne Schlumpf (33)
Halbmarathon
Sonntag, 9. Juni: 9.30 Uhr
2014 an der Heim-EM in Zürich und damit bereits vor zehn Jahren feierte Fabienne Schlumpf ihre Premiere an kontinentalen Meisterschaften. Damals trat die heute 33-Jährige aber noch über 3000 m Steeple an. Also in jener Disziplin, in der die Wetzikerin 2018 dann EM-Silber holte. Seit mehreren Jahren ist die Athletin der TG Hütten nun aber auf der Langstrecke unterwegs. Und hat auch hier zahlreiche Erfolge gesammelt. Wie etwa den 9. Platz im EM-Marathon von München 2022.
Zuletzt hat Schlumpf im Engadin an der Form gefeilt. Was in Rom für die Schweizer Rekordhalterin drin liegt? «Mega schwierig zu sagen», findet sie. Klar ist: Die Konkurrenz ist gross. 30 Läuferinnen sind heuer schon schneller gelaufen als Schlumpf (1:12,21 Stunden). Der EM-Halbmarathon ist für die Wetzikerin vor allem ein wichtiger Prüfstein auf dem Weg an ihre dritten Olympischen Spiele. Interessantes Detail: Erstmals seit der EM 2006 endet wieder einmal ein Strassenrennen an kontinentalen Meisterschaften im Stadion.
Tadesse Abraham (40)
Halbmarathon
Sonntag, 9. Juni: 9.00 Uhr
Für Tadesse Abraham sind es definitiv die letzten Europameisterschaften der Karriere. Der Läufer des LC Uster macht nach dieser Saison Schluss – er wird im August ja auch schon 41. Wobei ihn die Frage nach dem Alter durchaus amüsiert. «Ihr Journalisten sagt, ich sei alt, ich fühle mich noch jung und voll leistungsfähig.» Wie leistungsfähig er ist, zeigte Abraham im Frühjahr, als er einen Schweizer Marathonrekord aufstellte.
Auf der EM-Meldeliste im Halbmarathon ist Abraham die Nummer 21. Mit Julien Wanders und OL-Läufer Matthias Kyburz rangieren zwei Schweizer vor ihm. Auch dank diesem Duo könnte Abraham, der 2016 Halbmarathon-Europameister wurde, seine EM-Medaillensammlung in Italien erweitern. Das Schweizer Quartett rechnet sich in Rom in der Teamwertung Podestchancen aus. Die Schweizer treten nach ihrer Goldmedaille 2016 gar als Titelverteidiger an, denn seither gab es keinen EM-Halbmarathon mehr.
Dany Brand (28)
400 m Hürden
Sonntag, 9. Juni: 1. Runde (13.20 Uhr)
ev. Montag, 10. Juni: Halbfinal (12.40 Uhr)
ev. Dienstag, 11. Juni: Final (21.05 Uhr)
4x400 m
Dienstag, 11. Juni: Halbfinal (10.45 Uhr)
ev. Mittwoch, 12. Juni: Final (21.19 Uhr)
Viermal ist Dany Brand heuer erst an Meetings in seiner Spezialdisziplin über 400 m Hürden angetreten. Das hat auch mit dem frühen Zeitpunkt der EM zu tun, die aus seiner Sicht «etwas im Schatten von Olympia» steht. Nach Paris will selbstredend auch der Rütner – es wäre der grösste Erfolg seiner Karriere. Brands Ziel für Rom lautet derweil: «Ich will das Bestmögliche zu diesem Zeitpunkt abrufen.»
An Ambitionen mangelt es dem Oberländer jedenfalls nicht, der einst 2016 als Zwanzigjähriger sein EM-Debüt feierte. Er hat schon vor Wochen gesagt: «Ich liebäugle mit einer Finalqualifikation.» Dafür muss Brand ein Exploit gelingen. 17 der EM-Starter liefen heuer schon schneller Brand, dessen Saisonbestleistung 49,48 Sekunden beträgt. Der Rütner bestreitet seine bereits vierten Europameisterschaften. Bisher kam er über 400 m Hürden jedoch noch nie über die 1. Runde hinaus. Brand ist einer von drei Schweizer Langhürdlern in Rom. Und einer von sieben Läufern, die für die Schweizer 4x400-m-Staffel gemeldet sind.
Lena Wernli (23)
4x400-m-Staffel
Dienstag, 11. Juni: Halbfinals (11.15 Uhr)
ev. Mittwoch, 12. Juni: Final (21.06 Uhr)
Es geht vorwärts in ihrer Paradedisziplin. Ende Mai hat Lena Wernli über 400 m Hürden ihre persönliche Bestzeit auf 57,06 Sekunden verbessert. Von der EM-Limite ist sie damit allerdings noch immer ein beträchtliches Stück entfernt. Diese lag bei 55,70 Sekunden. Die Laupnerin konnte dennoch nach Rom reisen – mit der 4x400-m-Staffel. In dieser spielte sie zuletzt eine massgebende Rolle.
Im Frühjahr an der Staffel-WM auf den Bahamas half die Oberländerin mit, den Schweizer Quotenplatz für die Sommerspiele zu sichern. Wernli stand an beiden Renntagen im Einsatz – und darf sich nun auch Olympiahoffnungen machen. Ob sie in Paris dabei ist, wird sich allerdings erst noch weisen. Genau so, ob die Oberländerbei ihrer EM-Premiere auf Elitestufe einen der vier Plätze im Rennen vom Dienstag erhält. Die Konkurrenz im Team ist mit sieben Läuferinnen schliesslich gross.
Catia Gubelmann (22)
4x400-m Staffel
Dienstag, 11. Juni: Halbfinals (11.15 Uhr)
ev. Mittwoch, 12. Juni: Final (21.06 Uhr)
Mit 22 ist Catia Gubelmann die jüngste EM-Teilnehmerin aus der Region. Für Gubelmann sind es die ersten Europameisterschaften in der Elite. Ihr WM-Debüt hat sie derweil bereits letzte Saison gefeiert – mit der 4x400-m-Staffel in Budapest. Gubelmann war damals die Schlussläuferin des Quartetts mit Giulia Senn, Julia Niederberger und Rachel Pellaud, das den Finaleinzug verpasste.
Die vier WM-Starterinnen von 2023 gehören auch dem Schweizer Staffel-Aufgebot für die EM an, das aus insgesamt sieben Läuferinnen besteht. Die Trainer haben also die Qual der Wahl. Was heisst, das Gubelmanns Einsatz in Rom alles andere als in Stein gemeisselt ist. Die Ustermerin hofft natürlich, in Italien zum Handkuss zu kommen. Nicht so wie an der Staffel-WM auf den Bahamas im Frühling. Hinterher fand Gubelmann, sie habe dennoch Erfahrungen sammeln könne und meldete für den weiteren Verlauf der Saison auf ihrem Instagram-Profil schon mal angriffig: «Ich bin bereit.»