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Die Tour de Suisse liegt auf seinem Silbertablett

Er hat Respekt, aber keine Angst: Auf Felix Stehli wartet an der Landesrundfahrt eine happige Aufgabe.

Davon träumen junge Velofahrer: Felix Stehli kann mit dem Nationalteam an der Schweizer Landesrundfahrt starten.

Foto: Keystone

Die Tour de Suisse liegt auf seinem Silbertablett

Oberländer Radfahrer Felix Stehli

Felix Stehli erhält an der Landesrundfahrt die Chance, sich in einem Weltklassefeld zu beweisen. Der 23-Jährige weiss schon jetzt, wo er «All in» gehen möchte.

Jetzt ist alles wieder bestens bei ihm. Der für das auf der dritthöchsten Stufe angesiedelte Team Vorarlberg fahrende Felix Stehli kämpfte im Frühling mehrmals mit gesundheitlichen Problemen. Die Tour de Romandie, seinen vorläufigen Karrierehöhepunkt, den er im Trikot des Schweizer Nationalteams bestritt, nahm er in keiner idealen körperlichen Verfassung in Angriff. Und zollte im World-Tour-Rennen prompt Tribut.

Der gebürtige Bäretswiler, der bis vor Kurzem in Gibswil wohnte, wurde 123. und liess nur drei Konkurrenten hinter sich. Nun erhält der 23-Jährige an der am Sonntag beginnenden Tour de Suisse eine zweite Möglichkeit mit dem Schweizer Nationalteam, sich an einem Anlass der höchsten Stufe zu beweisen. Und dieses Mal sind die Voraussetzungen erheblich besser.

Stehli ist fit, fühlt sich gut vorbereitet und freut sich insbesondere auf die 177 km lange zweite Etappe von Vaduz nach Regensdorf, die kurz durchs Tösstal und Zürcher Oberland führt. Stehli kennt da das Terrain sehr gut – und würde auf dem Teilstück am Montag gerne ein Ausrufezeichen setzen.

Nach der Tour de Romandie bestreiten Sie mit dem Schweizer Nationalteam auch die Tour de Suisse. Wie hoch oben stand diese auf Ihrer Wunschliste?

Felix Stehli: Wenn man die Tour de Suisse fahren kann, gäbe es wohl nicht manchen, der sagen würde: Danke, ich verzichte. Ich gewichte sie hoch. Es ist ein neues Schaufenster, mich zu präsentieren. Ich freue mich riesig.

Das Rennen geniesst einen hohen Stellenwert und weist viel Medienpräsenz auf. Fühlen Sie sich dadurch stärker unter Druck als in anderen Rennen?

Nein. Die Teilnahme ist wie ein Geschenk, das man mir auf dem Silbertablett serviert. Jetzt ist es an mir, diese Chance zu nutzen.

Das Streckenprofil der acht Etappen über 950 Kilometer und 19’000 Höhenmeter ist anspruchsvoll. Wie sehr entspricht es Ihren Fähigkeiten?

Man muss schon ehrlich mit sich selber sein bei der Einschätzung. Ich lege ein besonderes Augenmerk auf die ersten zwei Etappen. Auch wenn der Prolog ein Zeitfahren ist und ich in dieser Disziplin kein Spezialist bin. Ab Etappe drei geht es für mich wohl vor allem ums Durchkommen. Ich bin nicht der ultimative Bergfahrer, der in diesen Etappen etwas reissen kann.

Was wird grösser sein: der Genuss oder das Leiden?

Die ersten Tage bis zum Gotthard wird es purer Genuss sein. Danach gehts härter zur Sache. Das Level an der Tour de Suisse ist schliesslich noch mal ein anderes, als ich es gewohnt bin.

Radprofi Felix Stehli (Gibswil) posiert oberhalb von Bäretswil beim Bergpreis der SM 2023, bei der er auch OK-Mitglied ist.

Man sollte sich nicht einschüchtern lassen und fahren, als wäre es ein normales Rennen.

Felix Stehli

Sie müssen sich in einem Weltklassefeld behaupten. Welche Gefühle weckt das?

Ich habe keine Angst, aber Respekt. Man sollte sich aber nicht einschüchtern lassen und fahren, als wäre es ein normales Rennen. Auch wenn ich weiss, dass die World-Tour-Fahrer es nicht gerne haben, wenn Leute in Nationaltrikots im Feld «rumturnen».

Was haben Sie sich generell vorgenommen?

Mein Fokus liegt auf den ersten drei Tagen. An diesen kenne ich die Strecken mit ihren Steigungen gut. Gibt es irgendwie die Möglichkeit, will ich versuchen, in einer Fluchtgruppe Unterschlupf zu finden.

Die zweite Teilstrecke führt ein paar Kilometer durchs Tösstal. Es wäre der perfekte Ort für Sie, um sich zu zeigen.

Es ist die ultimative Etappe. Ich fuhr sie kürzlich ab. Hier würde ich gerne «All in» gehen.

Sind Sie denn in der Verfassung dafür?

Ich war jetzt drei Wochen lang im Höhentrainingslager. Es war tipptopp, ich fühle mich quasi doppelt so gut wie vor der Tour de Romandie. Die Voraussetzungen sind jetzt also ganz anders als im Frühling.

Etappenplan 87. Tour de Suisse

Sonntag, 9. Juni: 1. Etappe, Einzelzeitfahren in Vaduz (4,8 km).
Montag, 10. Juni: 2. Etappe, Vaduz - Regensdorf (176,9 km).
Dienstag, 11. Juni: 3. Etappe, Steinmaur - Rüschlikon (161,7 km).
Mittwoch, 12. Juni: 4. Etappe, Rüschlikon - Gotthardpass (170,9 km).
Donnerstag, 13. Juni: 5. Etappe, Ambri - Cari (148,6 km). -
Freitag, 14. Juni: 6. Etappe, Locarno - Blatten-Belalp (151,1 km).
Samstag, 15. Juni: 7. Etappe, Villars-sur-Ollon - Villars-sur-Ollon (118,1 km).
Sonntag, 16. Juni: 8. Etappe, Einzelzeitfahren Aigle - Villars-sur-Ollon (15,7 km).

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