Diese Fakten sollten Sie übers Zürcher Kantonalschwingfest kennen
Fest in Horgen
Wer gehört zu den Sieganwärtern? Wie viele Kränze wollen die Oberländer gewinnen? Und was hat der begehrteste Preis mit einem Luftschiff zu tun? Das sind die Antworten dazu.
Die Favoriten:
Viel Raum für Mutmassungen
Innerhalb eines Monats finden in den Seebezirken mit dem Zürcher Kantonalen in Horgen und dem Nordostschweizer Schwingfest (30. Juni) in Meilen zwei Grossanlässe statt. Zuerst ist am Sonntag das 114. Zürcher Kantonale an der Reihe. Rund 180 Teilnehmer aus den Kantonen Zürich, Glarus, Graubünden, Thurgau und St. Gallen sowie einige Innerschweizer sind im Einsatz. Titelverteidiger ist der Thurgauer Domenic Schneider, der unlängst am Glarner-Bündner Schwingfest triumphierte. Doch ob der 145-Kilogramm-Brocken in Horgen überhaupt in die Zwilchhosen steigt? Glaubt man Schneiders im Internet publiziertem Kalender, greift er erst am 9. Juni am Stoos-Schwinget wieder ein.
Rund zehn Eidgenossen haben derweil ihr Kommen angekündigt. Oder führen das Zürcher Kantonale auf ihren Websites in den Agenden – wie der Winterthurer Samir Leuppi, der Bündner Armon Orlik oder der Glarner Roger Rychen. Treten sie an, zählen diese Schwinger alle zu den Festsieganwärtern. Eine offizielle Schwingerliste ist aber noch nicht publiziert – das lässt Raum für Mutmassungen.
Klar ist: Der letzte Sieg eines Zürcher Schwingers liegt schon fünf Jahre zurück. 2019 liess sich Leuppi in Fehraltorf feiern. Es war zugleich das bisher letzte Mal, dass das Zürcher Kantonale im Oberland stattfand. Seit Leuppis Sieg hiessen die Gewinner zweimal Domenic Schneider (2021 und 2023) und einmal Roger Rychen (2022). Das Fest 2020 fiel pandemiebedingt aus.

Die Oberländer:
Alles unter vier wäre eine Enttäuschung
Für die Athleten des Schwingklubs Zürcher Oberland (SKZO) ist der Anlass in Horgen ein erster Saisonhöhepunkt. Um die 20 Schwinger umfasst die Delegation. SKZO-Präsident Daniel Spörri formuliert das Ziel wie folgt: «Mit fünf Kränzen sind wir sehr zufrieden, mit vier zufrieden.» Im Umkehrschluss heisst dies: Werden es weniger, haben die Oberländer ihr Ziel verpasst. Ein Blick in die Statistik zeigt: In den letzten zehn Jahren gingen sie am Zürcher Kantonalen nie leer aus. In dieser Zeitspanne gewannen die Oberländer 2015 am meisten Kränze (6), die schwächste Ausbeute resultierte 2018, als einzig Nicola Funk reüssierte.
Funk war damals Neukranzer. Überhaupt scheint das Zürcher Kantonale ein gutes Fest für Oberländer zu sein, um den ersten Kranz zu gewinnen. Im Vorjahr beispielsweise durften sich der für den Schwingklub Winterthur antretende Janos Bachmann (19) aus Wildberg sowie Roman Bucher (20) feiern lassen. Der Wetziker vom Schwingklub Zürcher Oberland holte damit gar Verpasstes nach – er hatte 2022 in Ossingen die Premiere um das berühmte «Vierteli» verpasst. Das Fest im Weinland war zugleich das einzige Zürcher Kantonale in den letzten zehn Jahren, in dem kein Neukranzer aus der Region zu verzeichnen war. Zwei mögliche Kandidaten am Sonntag sind der Walder Roland Bucher (24), der seinem ersten Kranz seit Längerem nachjagt, und Fabio Eicher. Der Steger ist indes erst 16 – und bestreitet seine erste Saison bei den Aktiven.

Dies und das:
Was es mit dem Zeppelin auf sich hat
Schwinger gelten als bodenständig. Abheben aber können auch sie kurzzeitig – zumindest jedenfalls der Festgewinner, wenn er jeweils von seinen Teamkollegen geschultert wird. Was das alles mit dem Anlass in Horgen zu tun hat? Der Siegermuni heisst Zeppelin. Und ein Luftschiff ist nun mal dafür gemacht, um abzuheben. Z wie Zufall ist derweil, dass der Siegermuni am Kantonalfest 2023 in Zürich ebenfalls Zeppelin hiess. Rund 3500 Zuschauerinnen und Zuschauer verfolgten im Vorjahr das Fest in der Stadt, in Horgen dürfte der Zuspruch nun wieder grösser sein. Um die 5000 Schwingfans werden erwartet. Wenn sie wollen, können sie erneut auf nicht alltägliche Weise anreisen. Konnten sie letztes Jahr mit dem Tram das letzte Stück des Wegs absolvieren, ist heuer die Fähre von Meilen aus eine Option. Die kurze Überfahrt dürfte bei dem einen oder anderen ein Feriengefühl auslösen. Wer ein Eintrittsticket fürs Zürcher Kantonale hat, fährt gratis über den See. Bargeld müssen die Schwingfans dennoch im Hosensack haben, weil am Fest ohne Noten und Münz nichts geht. Immerhin: Auf dem Gelände hat es einen Bankomaten.
Anschwingen ist um 8 Uhr, um 16.30 Uhr steht dann der Schlussgang auf dem Programm. Wer auch immer diesen bestreitet: Das Publikum dürfte nichts dagegen haben, wenn der wichtigste Kampf des Tages länger als am Zürcher Kantonalen 2023 dauert. Damals machte Domenic Schneider nämlich kurzen Prozess. Der Thurgauer brauchte lediglich 35 Sekunden, um sich im Duell gegen Shane Dändliker (Feldbach) durchzusetzen.
