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«Nie usenand gah» – der FCZ-Slogan gilt für ihn nicht mehr

Über Jahre war er federführend beim Nachwuchs des FC Zürich Jetzt verlässt Heinz Russheim den Verein. Der nahende Abschied bewegt ihn.

Noch geht Heinz Russheim im «Home of FCZ» auf dem Zürcher Heerenschürli ein und aus.

Roger Hofstetter

«Nie usenand gah» – der FCZ-Slogan gilt für ihn nicht mehr

Dürntner Juniorenchef verlässt FCZ

Heinz Russheim aus Dürnten leitet seit 2013 die Nachwuchsabteilung des FC Zürich. Nun hat der 61-Jährige gekündigt und hofft auf ein neues Projekt.

Peter M. Birrer

Das Thema bewegt ihn, das ist hör- und spürbar. Heinz Russheim spricht über einen Schritt, den er jüngst gemacht hat: Er hat seine Kündigung beim FC Zürich eingereicht. Nach über elf Jahren als Nachwuchschef hört er auf.

Bald 62 ist der gebürtige Aargauer, der seit vier Jahrzehnten in Dürnten lebt. Und am liebsten wäre ihm gewesen, wenn er gar nicht erst in die Situation geraten wäre, die ihn zu diesem drastischen Schritt zwang.

Was aktuell passiert, verurteile ich nicht. Aber es ist nicht mein Weg.

Heinz Russheim

Aber seit Anfang Oktober 2023 hat sich vieles im Klub geändert, mit der Einsetzung von Milos Malenovic hat der FCZ einen neuen Kurs eingeschlagen.

Russheim verliert kein schlechtes Wort, weder über den Sportchef noch über die Philosophie. Er sagt einfach: «Es gibt verschiedene Vorstellungen von Führung und Entwicklung. Veränderungen und Anpassungen braucht es oft, damit man nicht stehen bleibt. Was aktuell passiert, verurteile ich nicht. Aber es ist nicht mein Weg.» Darum geht er nun freiwillig.

Konsequent in seiner Haltung

Die Konsequenz in seiner Haltung gehört seit je zu Heinz Russheim. «Wenn ich etwas mache, dann mit 100-prozentiger Überzeugung.» Das zeichnet ihn schon früher aus, als er sich auf seinen Beruf festlegt. Er ist zwar ein talentierter Fussballer, der beim FC Aarau Einsätze in der Nationalliga B erhält.

Aber noch wichtiger ist ihm seine Ausbildung zum Turn- und Sportlehrer. Nach Stationen bei den Erstligisten Oberentfelden und Suhr zieht er ins Zürcher Oberland, an der Berufsschule Rüti erhält er eine Stelle und verliert nie die Leidenschaft im Job.

Der Fussball behält für ihn einen hohen Stellenwert. Russheim erwirbt Diplome, wird Inhaber des A-Diploms und Instruktor, zudem lässt er sich zum Konditionstrainer ausbilden und kümmert sich zwischen 1996 und 2001 um die Nachwuchsspieler des FC Zürich. Aber der Aufwand ist beträchtlich. Russheim entscheidet sich, vorläufig auf seinen Beruf als Lehrer zu setzen und mehr Zeit der Familie zu widmen.

Der Anruf von Ernst Graf

Trainer ist er nur noch in seiner Freizeit, er betreut die E- und F-Junioren beim FC Hinwil. Und auf einmal bietet sich ihm doch die Chance, von der Berufsschule ins Fussballgeschäft zu wechseln. 2007 absolviert er ein Praktikum als Konditionstrainer im Nachwuchs von GC, coacht ab Sommer 2008 die U15 und wird ein Jahr später Technischer Leiter. Im November 2010 kommt es zur Trennung. Aber er hat das Glück, dass Ernst Graf ihn anruft, damals der Technische Leiter des FCZ.

Russheim erhält Anfang 2011 zunächst eine 50-Prozent-Anstellung, trainiert die U16 und wird per 1. April 2013 zum Nachwuchschef befördert. Er investiert viel Herzblut in die Aufgabe und bemüht sich immer darum, ein Teamplayer zu sein. «Mir war es immer ein Anliegen, die Leute ins Boot zu holen», sagt er, «wenn ich ständig allein rudern müsste, käme ich nicht vorwärts und wäre irgendwann erschöpft.» Und: «Alleingänge waren für mich immer ein No-Go.»
Das Klima, sagt er, sei «sensationell» gewesen, «wir haben als Einheit funktioniert».

Heinz Russheim im und um das Gebäude des FCZ
«Nie usenand gah»? Und doch verlässt Heinz Russheim den FCZ auf Ende Juni.

Im Oktober entscheidet sich die Vereinsleitung, einen neuen Kurs einzuschlagen. «Lämpe», sagt Russheim, habe er mit niemandem. Aber er spürt nicht mehr den bedingungslosen Rückhalt, und langsam fängt er an, sich Gedanken zu machen, ob er beim FC Zürich eine Zukunft hat oder nicht.

Am 15. März ist es, als er das Resultat seiner Überlegungen niederschreibt – in Form seiner Kündigung, die, so sagt er es, wohl alle überrascht habe. Ende Juni endet seine Zeit im Heerenschürli, dem Trainingszentrum des FCZ. Der Chef von rund 70 Trainerinnen und Trainern verabschiedet sich.

Vorzeitig abtreten kommt nicht infrage

Vorzeitig gehen, das würde nicht zu ihm und seiner Einstellung passen: «Ich laufe sicher nicht davon.» Dem FCZ ist er dankbar dafür, dass er die Chance erhielt, sich als Nachwuchsleiter einzubringen. Und ebenso dankbar ist er für all die entstandenen Freundschaften: «Sie haben für mich persönlich eine riesige Bedeutung.»

Mit dem Arbeitgeber hat er sich stets in hohem Masse identifiziert, er versichert, dass er während seiner Zeit beim FCZ nie auf etwas anderes geschielt habe. Aber als Fan würde er sich, bei aller Liebe zum Verein, nicht bezeichnen – aus einem einfachen Grund: «Wenn man Fan ist, verliert man eher das Wesentliche aus dem Blick und wird schneller emotional.»

Und was macht er ab Sommer? An den vorzeitigen Ruhestand denkt er nicht. Zu gross ist seine Leidenschaft für den Fussball, zu gross die Lust, noch einmal etwas Neues anzufangen: «Ich bin offen für sehr vieles.»

Wobei eines so gut wie sicher ist: Wo immer Heinz Russheim künftig beruflich zu tun haben wird – Dürnten wird für ihn und seine Frau der ideale Rückzugsort bleiben.

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