Er arbeitet auf einen Ausreisser hin
Hürdenläufer aus Rüti
Dany Brand hat sich im Kampf ums Olympia-Ticket in eine gute Ausgangslage manövriert. Um auf Nummer sicher zu gehen, peilt er aber die Limite an.
Was gibt es Besseres, als mit einem solchen Motivationsschub ins Olympia-Jahr steigen zu können? Direkt aus dem Training heraus absolvierte Hürdenspezialist Dany Brand vor ein paar Wochen in Südafrika einige Rennen. Mit durchschlagendem Erfolg.
Über 150 und 300 m gelangen ihm persönliche Bestzeiten, über 300 m Hürden blieb er nur um vier Hundertstel über seinem Bestwert. «Das kam unerwartet», sagt der Rütner und gibt zu: «Ich hätte nicht gedacht, zu diesem Zeitpunkt schon so schnell zu sein.»
Der Weg scheint zu stimmen. Und die Vorzeichen sind gut, dass Brand an seine starke letzte Saison anknüpfen kann. Nach vielen Jahren unter Flavio Zberg hatte der Oberländer auf die Saison 2023 hin zur Trainingsgruppe des Deutschen Volker Beck gewechselt, die in Frankfurt stationiert ist.
Die Bilanz der Neuausrichtung? «Fällt bis jetzt sehr positiv aus», sagt Brand. Er fand unter Beck, einem Trainer mit einem enormen Erfahrungsschatz, endlich das, was ihm zuvor über einen längeren Zeitraum verwehrt geblieben war: Konstanz.
Mehr Kraft für Teil zwei
Hat Brand eine Erklärung für die neu gefundene Stabilität? Er mutmasst: «Mein Gefühl sagt mir, dass es mit dem Schrittmuster zu tun hat.» Daran hat der 28-Jährige besonders intensiv gearbeitet.
Brand war früher in der komplexen Disziplin am Anfang sehr schnell unterwegs, konnte das Tempo aber nicht halten. Nun läuft der Langhürdler zu Beginn zwar noch immer fast gleich schnell, «aber Energie konservierender», wie er das nennt. So bleibt ihm mehr Kraft für den restlichen Streckenteil.
Gleich neunmal blieb der Athlet des LC Zürich letztes Jahr über 400 m Hürden unter 50 Sekunden. Zum Vergleich: 2022 war ihm das nur einmal gelungen. Und mit seinem Jahresbestwert von 49,25 Sekunden knackte er 2023 auch die Limite für die Europameisterschaften in Rom, die im Juni auf dem Programm stehen.
Ich liebäugle mit der Limite.
Dany Brand
Viel wichtiger aber ist: Brands Saisonplanung war darauf ausgerichtet, sich in der Weltrangliste in Stellung zu bringen, was er geschafft hat. Aktuell liegt er auf Position 36 und wäre an den Sommerspielen in Paris dabei. «Das gibt mir eine gewisse Ruhe.»
Neben dem Unterbieten der Limite von 48,70 Sekunden kann sich Brand auch via Weltrangliste einen der 40 Startplätze über 400 m Hürden in Paris holen. Was würde eine Olympia-Teilnahme für ihn bedeuten? «Alles», sagt er sofort und begründet: «Ich habe so lange darauf hingearbeitet.»
Nun möchte er also die Früchte der Arbeit ernten. In Frankfurt, wie ursprünglich vielleicht gedacht, erledigt er diese nach eigenen Aussagen allerdings erstaunlich wenig. Seit Anfang Jahr weilte er erst dreimal für jeweils rund eine Woche in Deutschland. Die restliche Zeit trainiert Brand nach Becks Plänen im Oberland – unter Aufsicht seines Vaters. Hier sind die Wege für den Leichtathleten kurz, das ist ideal.
Zentral für Brand ist, die Camps mit seiner Trainingsgruppe bestreiten zu können. Achteinhalb Wochen trainierte er heuer schon mit ihr in Südafrika, am Sonntag fliegt er für zwei Wochen nach La Palma.
Und danach? Brand plant, Anfang Mai in die Saison einzusteigen. Wo genau, ist noch offen.
Alles andere als eine Weltreise
Die wiedergefundene Konstanz sieht der mehrfache EM-Starter als ideale Ausgangslage. Wofür? «Um einen Ausreisser liefern zu können.» Einen solchen braucht er, um sein Ziel zu erreichen.
Obwohl der Weg an die Spiele im Prinzip ja egal ist, sagt Brand: «Ich liebäugle mit der Limite. Schafft man sie, gibts keine Zweifel mehr.» 26 Hundertstel ist sie von seiner aus dem Jahr 2021 stammenden persönlichen Bestzeit (48,96) entfernt. «Das ist keine Weltreise», sagt der Oberländer und verströmt Zuversicht. «Ich empfinde das als machbar.»
Unzählige Versuche hat Brand indes nicht zur Verfügung. Ende Juni endet die Qualifikationsperiode. Eine gute Möglichkeit für eine schnelle Zeit dürfte derweil an der EM in Rom sein. «Sie steht etwas im Schatten der Spiele», findet Brand. Und bezeichnet die Titelkämpfe als Zubringer für Olympia.
Das heisst allerdings nicht, dass er ohne Erfolgshunger nach Italien reist. In seinen Gedanken hat es durchaus Platz für ein sehr ambitioniertes Ziel – den Finalvorstoss.
