Darum ist Schlumpfs Rennabbruch kein Drama
Marathonläuferin aus Wetzikon
Ihre Hoffnung auf einen schnellen Halbmarathon Berlin platzte, Fabienne Schlumpf hat das Rennen gar abgebrochen – es ist etwas ganz Neues für sie.
Das Lachen ist zurück. Und vor allem auch die Lust am Laufen. Am Montag rannte Fabienne Schlumpf spontan aufs Rosinli. «Ich ganz allein mit mir», scherzt sie. Die Wetziker Marathonläuferin hat den kurzen Ausflug genossen und sagt: «Es hat mir gutgetan.»
Warum aber musste Schlumpf überhaupt ihren Kopf lüften? Die beste Schweizer Langstreckenläuferin hat einen missglückten Abstecher nach Berlin hinter sich. Am Halbmarathon wollte sie ihre Form testen. Die Schweizer Rekordhalterin über 21,1 km peilte eine schnelle Zeit an. Und dann das.
Nach nur wenigen Kilometern ging am Sonntag in der deutschen Hauptstadt nichts mehr. Früh fiel sie aus der Spitzengruppe, nach rund drei Vierteln der Distanz stieg die zweifache Olympia-Teilnehmerin aus.
«Ich habe mich danach mega schlecht gefühlt», sagt Schlumpf. Und meint damit nicht etwa ihren körperlichen Zustand. Aufzugeben hat sich für die Athletin der TG Hütten ganz einfach nicht richtig angefühlt, sie war ja nicht verletzt.
Schon seit vielen Jahren heisst ihr Motto: Einzig Schmerzen sind ein Grund, ein Rennen abzubrechen. Für einmal aber dachte Schlumpf nach wenigen Rennminuten daran, den Bettel hinzuschmeissen. Und erschrak an ihren eigenen Gedanken. «Solche habe ich sonst nie.»
Das grosse Ganze im Blick
«Mittlerweile fühle ich mich besser», sagt Schlumpf, ist zugleich aber streng mit sich: «Das darf keine Mode werden.» Die Gefahr dürfte verschwindend klein sein. 33 ist Schlumpf mittlerweile. Die Rennaufgabe in Berlin aber war eine Premiere.
Es ist eine erstaunliche Tatsache, wenn man an die vielen Rennen denkt, die sie in ihrer langen Karriere bereits angepackt hat. Mit etwas Abstand zu den ersten Emotionen ist Schlumpf überzeugt, am Sonntag richtig gehandelt zu haben. «Ich sah keinen Sinn darin, mich ins Ziel zu schleppen. Um dann einen Monat zu brauchen, mich davon zu erholen.»
Man muss nicht dramatisieren.
Fabienne Schlumpf
Es geht schliesslich ums grosse Ganze – und darin spielt der Halbmarathon Berlin eine Nebenrolle, alles ist auf ihre dritten Olympischen Spiele ausgerichtet. Nun fängt die konkrete Vorbereitung auf den Marathon in Paris an. Welche Auswirkungen könnte der Rennabbruch haben, auf den im Vorfeld nichts hingedeutet hatte?
Kaum einen. Klar, Schlumpf wird mit Trainer und Lebenspartner Michi Rüegg versuchen, dem Grund für die Schwäche auf die Schliche zu kommen. Die Läuferin findet aber auch: «Man muss nicht dramatisieren.» Sie zog in Berlin einen schwarzen Tag ein – wie übrigens viele Starterinnen und Starter, denen die hohen Temperaturen und der Wind zusetzten.
Wie wichtig ist die EM?
Schlumpf sieht jedenfalls keinerlei Grund, alles auf den Kopf stellen zu müssen. Die vergangenen Monate verbrachte sie sorgenfrei. Die Trainingslager in Portugal, Südafrika und zuletzt in Spanien – alle verliefen aus ihrer Sicht tipptopp.
Vorerst dürfte sie ihr Training im Zürcher Oberland fortsetzen. Im Mai disloziert sie dann in die Höhe nach St. Moritz, um im Engadin ihre Kilometer abzuspulen. Mitte Mai absolviert Schlumpf den GP Bern, kehrt daraufhin direkt ins Bündnerland zurück.
Im Moment sehe ich mich nicht als Medaillenkandidatin.
Fabienne Schlumpf
Anfang Juni stehen dann die Europameisterschaften in Rom auf dem Programm. Es fällt Schlumpf nicht ganz leicht, die Bedeutung der EM einzuordnen, an der sie den Halbmarathon absolviert. Einerseits misst sie dem Rennen eine gewisse Priorität bei, andererseits gehört es primär zur Vorbereitung des Olympia-Marathons.
Schlumpf sagt, hätte man sie vor zwei Jahren nach ihrem Ziel gefragt, wäre ihre Antwort gewesen: «Ich will eine Medaille gewinnen.» Zu einer solchen Aussage ist sie derzeit nicht bereit. Sie spricht von der starken Konkurrenz. Und sagt dann: «Im Moment sehe ich mich nicht als Medaillenkandidatin.»
Noch hat sie sich nicht mit der EM-Strecke beschäftigt, deren Ziel im Olympia-Stadion in Rom liegt. Dafür kennt Schlumpf den Parcours des Olympia-Marathons bereits sehr gut. Auf das Rennen am 11. August ist schliesslich auch ihre ganze Arbeit ausgerichtet.
