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Er hat gemischte Gefühle – trotz grossen Fortschritten

In den letzten Wochen des Winters gelang Sebastian Stalder kaum mehr ein gutes Weltcup-Resultat. Aus einem ganz bestimmten Grund.

Das ist erfreulich für ihn: Sebastian Stalder hat in der Loipe den Abstand zu den Weltbesten verkürzt.

Foto: Swiss-Ski/Stephan Bögli

Er hat gemischte Gefühle – trotz grossen Fortschritten

Biathlet aus Wald

Sebastian Stalder hat die Saison als bester Schweizer im Gesamtweltcup abgeschlossen. Die letzten zwei Monate aber haben ihm aufs Gemüt geschlagen.

Zum Abschluss des Winters standen für ihn an der SM nicht etwa die Wettkämpfe im Zentrum. Sondern das Drumherum, wie Sebastian Stalder sagt. «Es war schön, die ganze Biathlonfamilie wieder einmal zu treffen.»

Gegen die zwei Medaillen, die er im Goms im Massenstartrennen (2.) und Sprint holte (3.), hatte er selbstverständlich auch nichts einzuwenden. Jetzt ist seine Saison endgültig vorbei. Und das ist für ihn gut so. Bald einmal fährt Stalder im Camper los Richtung Südfrankreich, um den Kopf durchzulüften.

Der Biathlet kann durchaus zufrieden sein mit dem Geleisteten. Ihm ist die Bestätigung der starken Saison 2022/2023 geglückt. Das ist nicht selbstverständlich. Im Gesamtweltcup belegt er als bester Schweizer Rang 19, mit ähnlich vielen Top-Ten-Platzierungen (5) und Weltcup-Punkten (417) wie im Jahr zuvor.

Die WM ist die Zäsur

Der 26-Jährige sagt: «Ich habe in vielen Bereichen nochmals grosse Fortschritte erzielt.» Restlos glücklich ist er mit dem Winter trotzdem nicht, obwohl er diesen dank dem 12. Platz im Massenstartrennen von Canmore (CAN) mit einer positiven Note beenden konnte. Woher seine gemischten Gefühle rühren?

Die WM in Nove Mesto im Februar wurde zur Zäsur. Von diesem Moment an schlugen sich seine Fähigkeiten kaum einmal mehr in guten Resultaten nieder. 49., 36. und 39. sind einige von Stalders Platzierungen im letzten Trimester. Der Oberländer fand sich damit in Ranglistenregionen wieder, die er nicht mehr gewohnt war.

Stalder ist sich im Klaren, dass seine Form im Frühjahr nicht mehr so bestechend war wie am Winteranfang im hohen Norden. Und auch eine gewisse Müdigkeit diskutiert er gar nicht erst weg.

Den Hauptgrund für die mehrheitlich mageren Ergebnisse in den letzten zwei Monaten sieht der Athlet des Nationalkaders aber in einem Punkt: dem mangelhaften Material.

An den Weltcups in Oslo, Soldier Hollow (USA) und Canmore hätten er und seine Teamkollegen höchstens zwei- oder dreimal einen «schnellen Ski» an den Füssen gehabt, sagt er. Wobei es eine Wissenschaft für sich ist, einen solchen zu präparieren.

Wer ist das Problem?

Es ist nicht so, dass Stalder gerne über das Thema spricht. Der Walder wählt seine Worte mit Bedacht. Er will auf keinen Fall den Eindruck erwecken, die Serviceleute in die Pfanne hauen zu wollen. «Denn sie versuchen ja das Beste.»

Fakt aber ist: Das Material wurde an der WM in Tschechien aufgrund der mehrheitlich enttäuschenden Schweizer Ergebnisse zum Thema.

Lukas Keel, Chef Biathlon bei Swiss-Ski, gab gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA danach zu: «Wir waren in Nove Mesto nicht zu 100 Prozent konkurrenzfähig.» Die Materialdiskussionen verstummten auch danach nicht.

Mögen die Beine nicht? Oder mögen sie einfach nicht, weil der Ski langsam ist?

Sebastian Stalder

Das Pech der Schweizerinnen und Schweizer war im Prinzip, dass an den letzten drei Weltcup-Stationen ähnliche Schneeverhältnisse herrschten wie an der WM. «Sehr nass, sehr tief, sehr langsam», fasst Stalder zusammen. Und versucht, den Zwiespalt, in dem er sich bald befand, zu beschreiben. Irgendwann wusste er nicht mehr: Bin ich das Problem? Ist es der Ski?

Der Biathlet sagt, es sei schwierig zu spüren: «Mögen die Beine nicht? Oder mögen sie einfach nicht, weil der Ski langsam ist?»

Entsprechend aufreibend war es für Stalder mental, die Rennen positiv anzupacken. Im Wissen darum, «dass man auf der Strecke maximal Mittelmass ist».

Der Sprint als Beweis

Dabei machte Stalder heuer in der Loipe nochmals einen erfreulichen Schritt nach vorne. Einer der Beweise dafür? In der lauflastigen Disziplin Sprint gelang ihm zweimal der Sprung in die Top Ten. «Das wäre letzte Saison noch undenkbar gewesen», sagt der Walder, der zu den besten Schützen im Weltcup zählt.

In den letzten zwei Wintern fehlte ihm mehrfach nur wenig, um erstmals das Podest zu erklimmen. Die wiederum verpasste Premiere beschäftigt ihn allerdings nicht besonders. Stalder schiebt das Thema einfach vor sich hin. Im Glauben, dass der Sprung in die Top 3 irgendwann klappen wird.

Das gute Alter fängt erst an.

Sebastian Stalder

Seine Gelassenheit hilft ihm nicht nur in diesem Punkt. Die WM, die neben dem erfolgreichen Abschneiden im Massenstart (7.) und der knapp verpassten Mixed-Staffel-Medaille (4.) zahlreiche Enttäuschungen brachte, vermochte er schnell abzuhaken.

Stalders Zukunftsaussichten sind gut. Er hat sich in der erweiterten Weltspitze etabliert. 104 Weltcup-Rennen hat er mittlerweile absolviert, darunter 72 Einzelrennen. Jedes einzelne bringt ihn weiter. «Das gute Alter fängt erst an», weiss der Oberländer und sagt: «Ich komme dem Peak langsam näher, habe aber noch genügend Zeit, mich weiterzuentwickeln.»

Gion Stalder kann einiges abhaken

Sebastian Stalders jüngerer Bruder Gion hat im vergangenen Winter mehrere seiner Ziele erreicht. Der 24-Jährige debütierte beispielsweise wie schon länger erhofft auf höchster Stufe. Insgesamt absolvierte Gion Stalder fünf Einzel-Weltcup-Rennen, eines auch am Heimanlass in Lenzerheide. Im Bündnerland wurde er im Sprint 87., sein Bestresultat im Weltcup war Rang 73.

Zu Stalders Highlights zählte der Staffel-Einsatz mit Bruder Sebastian in Hochfilzen. Das Schweizer Quartett beendete das Rennen auf dem 7. Platz. Erstmals wurde der Walder auch für eine Elite-WM aufgeboten. Zum Einsatz kam er an den Titelkämpfen in Nove Mesto dann allerdings nicht. Neben den Rennen im Weltcup bestritt Gion Stalder neun Wettkämpfe auf zweithöchster Stufe im IBU-Cup – mit Rang 16 als Bestwert. (zo)

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