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Jetzt geht es für Wetzikon um den Pokal

In der nationalen Finalserie will der EHC Wetzikon seinen Titelhunger stillen. Im Weg steht ihm Sion.

EHCW-Goalie Fabian Ryffel dürfte auch gegen Sion einiges an Arbeit zu erledigen haben.

Archivfoto: Robert Pfiffner

Jetzt geht es für Wetzikon um den Pokal

Wie stark ist Sion?

Um den «Pott» zu holen, muss der EHC Wetzikon im Erstliga-Final den HCV Sion bezwingen. Ein Team, das er nur von Videoaufnahmen her kennt.

Sechs Jahre hatte der EHC Wetzikon warten müssen, ehe er am Samstag die Erstliga-Ostgruppe wieder einmal für sich entschied. Dreimal stand er nach dem bisher letzten Triumph 2018 nochmals im Playoff-Final, was zeigt, wie beständig sich der EHCW in der Spitze hält. Zwei Finalserien verlor er allerdings, 2020 beendete der pandemiebedingte Meisterschaftsabbruch die Wetziker Hoffnungen.

Nun hat es der Traditionsverein nach einer aufwühlenden Derbyserie gegen den EHC Dübendorf erneut geschafft. Die vier Duelle zwischen den Lokalrivalen waren beste Werbung fürs Amateurhockey. Die Serie bewegte die Massen, der Zuschauerzuspruch in den Stadien war gross. In Wetzikon sorgten zweimal über 2000 Fans für eine aussergewöhnliche Ambiance.

Von Euphorie war bei den Wetzikern indes nichts auszumachen. Obwohl sie mit dem Triumph über Dübendorf den Aufstieg in die MHL bewerkstelligt hatten. Die Haltung ist bei allen gleich – egal, ob Spieler oder Klubverantwortliche.

«Nur mit diesem Sieg in der Ostgruppe sind wir noch nicht am Ziel», sagt Präsident Hanspeter Sahli dazu, während Captain Thomas Mettler in der Mannschaft grossen Hunger ortet. Und die Botschaft von Trainer Roger Keller ist zwar simpel, aber klar: «Wir wollen den grossen Pott.»

Sie sind in derselben Lage

In der nationalen Finalserie treffen die Wetziker ab Samstag mit dem HCV Sion auf einen für sie unbekannten Gegner. Verteidiger Mettler findet das nicht weiter schlimm. «Sie sind ja in derselben Situation wie wir.»

Wie stark der Gewinner der Westschweiz effektiv ist, kann der EHC Wetzikon nur in groben Zügen abschätzen. Trainer Keller hat sich die Videos der drei Westschweizer Finalspiele zwischen Wiki-Münsingen und Sion angeschaut. Was ist ihm aufgefallen?

Die Walliser nützten ein paarmal Fehler des Gegners sofort aus. Sie verfügen aber nur über ein kleines Kader und traten nie mit mehr als drei Sturmlinien an. Keller verströmt jedenfalls Zuversicht, wenn er von einer machbaren Aufgabe spricht.

Wir wussten immer, dass wir eine gute Mannschaft haben.

Thomas Mettler

Captain EHC Wetzikon

«Das ist ein schlagbarer Gegner», ist er überzeugt, vermutet allerdings: «Sie sagen wohl dasselbe von uns auch.» Klar ist: In falscher Sicherheit darf sich der Oberländer Erstligist nicht wiegen. Auch wenn man davon ausgeht, dass das Niveau in der Ostgruppe höher ist.

Die Bilanz der Walliser ist durchaus bemerkenswert. Sion erreichte schon letzte Saison den nationalen Final, verlor die Serie gegen Wil aber 0:3. Heuer marschierte das Team von Ex-Profi Oleg Siritsa in den Playoffs mit einer Ausnahme durch. In der Halbfinalserie gegen Saastal kassierte es die einzige Niederlage – in der Overtime.

Die Sache mit dem Sack

Der Wetziker Weg war derweil weitaus beschwerlicher, sodass Trainer Keller sagt: «Wir mussten viel Aufwand betreiben, um dahin zu kommen, wo wir jetzt sind.» In keiner der drei Serien schaffte es der EHCW im ersten Anlauf, den Sack zuzumachen. In der Viertelfinal-«Belle» gegen Luzern geriet er dazu früh 0:2 ins Hintertreffen, ehe ihm die Wende gelang. Zudem mussten die Oberländer den Ausfall arrivierter Spieler wie etwa jenen von Nils Berger wegstecken.

Die überwundenen Widerstände haben das Team reifen lassen. Das zeigte sich exemplarisch im vierten Derby. Wetzikon verlor nach dem kapitalen Fehlstart mit dem 0:1 nach nur 13 Sekunden nicht gleich den Kopf, sondern spielte stattdessen geduldig weiter.

Captain Mettler ist von der positiven Entwicklung des namhaft besetzten Teams in den letzten Wochen nicht erstaunt. Er sagt: «Wir wussten immer, dass wir eine gute Mannschaft haben. Aber das muss man auch aufs Eis bringen, was wir in der Qualifikation halt nicht immer geschafft haben.»

Die Pflöcke in der Fremde

Nun winkt dem EHC Wetzikon also die Chance, wie 2018 den nationalen Titel zu gewinnen. Damals setzte er sich gegen Sierre durch – im Anschluss an eine Finalrunde in einem einzigen Finalspiel. Der Gegner kommt aus demselben Kanton, nun aber wird der Gewinner in einer Best-of-5-Serie erkoren.

Die Walliser können am Samstag daheim beginnen, was ihnen nach eigenem Gutdünken hilft. So sagte Sion-Spieler Lucas Cordonier gegenüber «Le Nouvelliste»: «Normalerweise spielen wir zu Hause besser als auswärts.» Die Wetziker sind es allerdings gewohnt, in der Fremde zu starten. Sie taten es im Halbfinal und im Final – und schlugen mit Auftaktsiegen jeweils einen Pflock ein.

Wer weniger Fehler macht, gewinnt.

Roger Keller

Trainer EHC Wetzikon

In Grüsch beim HC Prättigau-Herrschaft und in Dübendorf ist man von Wetzikon aus allerdings deutlich schneller als in Sion. Über dreieinhalb Stunden dauert die Fahrt. Könnte die Reiserei im Verlauf der Serie eine Rolle spielen?

Keller glaubt nicht. Sein Argument: «Darauf muss man sich einstellen.» Wie auf die personelle Situation. Beim einen oder anderen Wetziker Leistungsträger ist momentan unklar, ob er im ersten Spiel auflaufen kann. Keller lässt sich davon nicht beunruhigen. Er hat darauf sowieso keinen Einfluss.

Dafür auf die Spielidee. Und die tönt einleuchtend: Mit vier Linien das Tempo und den Druck hochhalten, um Fehler bei Sion zu provozieren. «Denn wer weniger Fehler macht, gewinnt», ist Keller sicher.

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