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Es ist keine innige Liebe – trotzdem nimmt er einen zweiten Anlauf

Der erste Versuch scheiterte. Nun hat Veloprofi Lukas Rüegg intakte Chancen, an den Sommerspielen in Paris dabei zu sein.

Der Madetswiler Lukas Rüegg ist ein sehr erfahrener Bahnfahrer, dessen Priorität gleichwohl auf der Strasse liegt.

Foto: Keystone

Es ist keine innige Liebe – trotzdem nimmt er einen zweiten Anlauf

Madetswiler Radprofi will nach Paris

Lukas Rüegg strebt auf der Bahn erneut die Olympia-Teilnahme an. Er gehört zu jenen vier Fahrern, die den Schweizer Quotenplatz im Madison holen wollen.

Die Olympia-Chancen sind weiterhin intakt. Auch wenn die Schweizer Bahnfahrer Stand jetzt an den Sommerspielen in Paris im Madison nicht dabei wären. Aber es geht bei der Verteilung der Quotenplätze eng zu und her. Zwei Rennen im Nations Cup bleiben noch, die zum Qualifikationsranking zählen. Eines in Hongkong, das andere im kanadischen Milton.

Gross taktieren oder rechnen müssen die Schweizer bei ihrer Ausgangslage indes nicht mehr, wie Lukas Rüegg zugibt. «Es gibt nichts anderes, als gut zu fahren.»

Der Madetswiler nimmt zum zweiten Mal Anlauf, um an Olympischen Spielen starten zu können. Doch der grösste Multisportanlass der Welt und der Oberländer, das sind nicht etwa zwei, die in inniger Liebe verbunden sind. Im Gegenteil. Sie haben eine Vorgeschichte, die Rüegg jetzt sagen lässt: «Ist eine Olympia-Teilnahme wirklich das Grösste? Ich weiss es nicht. Es gibt im Radsport viele andere Höhepunkte.»

Die Disziplin liegt mir am Herzen.

Lukas Rüegg

Er wolle nicht abschätzig tönen, sagt der Veloprofi. «Aber ich will mir keinen Druck mehr machen mit Olympia. Gehts auf, wirds unvergesslich. Ich weiss aber auch, wie es sich anfühlt, wenns nicht klappt.»

Vor den Spielen 2021 in Tokio gehörte der 27-Jährige dem Schweizer Bahnvierer an. Wenige Monate vor dem Anlass, der zu seinem Karrierehöhepunkt hätte werden sollen, zog sich Rüegg bei einem Sturz in einem Strassenrennen eine schwere Schulterverletzung zu und brach sich fünf Rippen.

Damit war das Thema für ihn auf schmerzhafte Weise gegessen. Der Schweizer Bahnvierer fuhr in Japan ohne Rüegg auf Platz 8.

Das Herz spielt mit

Ursprünglich hatte Swiss Cycling den Plan verfolgt, das Ticket für Paris 2024 erneut über die Mannschaftsverfolgung zu lösen. Rüegg wäre dann aussen vor geblieben, da er dem Bahnvierer längst den Rücken gekehrt hat. Zu gross wäre der Aufwand für das Mitglied des VC Hittnau, das seit einigen Jahren den Schwerpunkt auf die Strasse setzt und bereits zweimal die Tour de Suisse absolvierte.

Der Verband rückte von seinem Vorhaben aber wieder ab und entschied sich, die Qualifikation stattdessen mit einem Quartett in den Massenstartdisziplinen Omnium und Madison zu versuchen.

Darum ist Rüegg zurück im Spiel. Er verfügt über viel internationale Erfahrung auf der Bahn, insbesondere im Madison, wo er 2018 gemeinsam mit Nico Selenati aus Wolfhausen U23-EM-Bronze holte.

«Die Disziplin liegt mir am Herzen. Sie ist vergleichbar mit einem Strassenrennen, ist megahart», sagt Rüegg. Neben ihm zählen Valère Thiébaud, Simon Vitzthum und Alex Vogel zu jenen vier Fahrern, die jetzt die Olympia-Qualifikation bewerkstelligen sollen. Verantwortlich fürs Projekt ist Morgan Kneisky, der dreimal Madison-Weltmeister geworden ist.

Der Franzose ist seit diesem Jahr zugleich Rüeggs neuer persönlicher Coach, schreibt beispielsweise dessen Trainingspläne. «Er macht das super», lobt der Madetswiler. Rüegg schätzt die Zusammenarbeit. «Er versteht mich. Und kennt jede Situation auf der Bahn, da er alles selber einmal erlebt hat.»

Der Ausreisser fehlt

Seit letztem Jahr läuft die Qualifikationsphase – den Schweizern allerdings nichts so gut wie erhofft. Die Schwierigkeit ist laut Rüegg, dass zwei Fahrer zum gleichen Zeitpunkt sehr gut in Form sein sollten. Das sei bisher nicht der Fall gewesen, findet Rüegg und spricht von ein paar schlechten Rennen im Jahr 2023. «Wir sind im Hintertreffen und müssen Punkte gutmachen», folgert er daraus.

Der Ausreisser nach oben blieb heuer ebenfalls aus. Weder an den Europameisterschaften in Holland im Januar noch zuletzt am Nations-Cup-Rennen in Australien knackte das Schweizer Duo die Top Ten. An den kontinentalen Meisterschaften schaute Platz 11 heraus, in Adelaide klassierten sich die Schweizer als Zwölfte.

Ich finde es nicht ideal, muss damit aber leben können.

Lukas Rüegg

Rüegg war beide Male im Einsatz – aber mit unterschiedlichen Partnern. Wechselnde Paarungen wird es weiterhin geben. Einerseits, um jedem aus dem Quartett Chancen zu bieten. Aber auch, um die Reisestrapazen für die Fahrer zu minimieren – alle Nations-Cup-Rennen finden ausserhalb Europas statt.

Rüegg ist froh, Hongkong auslassen zu können. So kann er sich im März seinem auf der Continentalstufe angesiedelten Rennstall, dem Team Vorarlberg, anschliessen. Fürs Trainingslager und einige Rennen in Griechenland.

Kritisch steht er der Strategie der wechselnden Duos gegenüber. Denn klar ist: In Olympia-Jahren ist das Niveau besonders hoch. Und die Harmonie zwischen den zwei Fahrern ist im Madison entscheidend. «Ich verstehe die Coaches, dass sie jedem eine Chance geben möchten», sagt Rüegg. «Ich finde es nicht ideal, muss damit aber leben können.»

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