Wetzikon verteilt zu viele Geschenke
Erste Chance verpasst
Der EHC Wetzikon verliert in der Halbfinal-Serie auswärts gegen Prättigau 4:5 und führt nur noch 2:1.
Und dann war in der Schlussphase plötzlich doch noch richtig Pfeffer drin. Nach einem harten Check blieb ein Spieler des HC Prättigau-Herrschaft hinter dem eigenen Tor benommen liegen, die Bündner stellten den Betrieb lamentierend ein und der alleingelassene Denis Vrabec traf für den EHC Wetzikon zum 3:4.
Das Heimteam fluchte, die Gäste hofften. Knapp sieben Minuten blieben dem Oberländer Erstligisten in Grüsch zu diesem Zeitpunkt noch, um sich zumindest in die Verlängerung zu retten.
Schon drei Minuten vor der Sirene ersetzte der EHCW seinen Goalie durch einen sechsten Feldspieler. Er kassierte zwar gleich das fünfte Gegentor, weil im Anschluss daran aber Verteidiger Dennis Urech zum 4:5 traf, war für die Wetziker noch immer alles möglich.
Wir sind viel zu lieb gewesen vor ihrem Tor.
Roger Keller
Trainer EHC Wetzikon
Der Ausgleich aber gelang dem Team von Roger Keller nicht mehr. Und es passt zu ihrem bisher fehlerhaftesten Auftritt in der Halbfinal-Serie, dass sich die Wetziker die Chance auf eine letzte Druckphase mit einer Strafe gleich selber nahmen.
Die erste Möglichkeit, den Sack zuzumachen und wie der EHC Dübendorf in den Final einzuziehen, hat der EHC Wetzikon also liegen gelassen. Er führt in der Best-of-5-Serie nun 2:1. Die Niederlage wäre derweil nicht nötig gewesen. Die Gäste aber waren in der Defensive zu anfällig, rannten ständig einem Rückstand nach und machten aus ihren vielen Chancen auch schlicht zu wenig.
«Wir sind viel zu lieb gewesen vor ihrem Tor, müssen die Scheibe einfach mal reindrücken», monierte Roger Keller. Der EHCW-Trainer kritisierte zugleich: «Wir haben schlicht zu viele Geschenke verteilt.»
Das eine Tor ist zu wenig
Vor dem dritten Spiel hatte Keller gewarnt und dabei auf die Vierterfinal-Serie hingewiesen, in der die Wetziker gegen Luzern nach zwei Siegen hintereinander zwischenzeitlich aus dem Tritt geraten waren.
«2:0 ist ein gefährlicher Vorsprung», sagte Keller und fand: «Wir dürfen uns nicht in Sicherheit fühlen, müssen den Druck weiterhin hoch halten.»
Das machte der EHCW zu Beginn. Er lieferte im Prinzip ein gutes erstes Drittel ab. Die Oberländer legten viel Spielfreude an den Tag, griffen mit Schwung an und erarbeiteten sich genügend Chancen für mehr als das eine Tor, das sie zur ersten Pause auf dem Konto hatten.
Die Gäste waren zwar mehrheitlich die bestimmende Mannschaft. Sie wagten in der eigenen Verteidigung aber auch das eine oder andere überflüssige Dribbling zu viel. Vor allem jedoch schenkten sie mehrfach in der eigenen Zone den Puck wieder her, statt ihn konsequent aus der Gefahrenzone zu spedieren.
Zweimal wurden sie dafür bestraft. Nach nur 262 Sekunden profitierte Simon Scherrer – erstmals überhaupt in dieser Serie lag Prättigau vorne. Und elf Sekunden vor Ablauf des Startdrittels verwertete Jann Däscher einen Abpraller zur erneuten Führung der Bündner, nachdem Denis Vrabec (5.) auf den ersten «Betriebsunfall» schnell hatte reagieren können.
Es war ein schöner Lohn für das Heimteam, das bisweilen vogelwild verteidigte und lediglich in den Schlussminuten des ersten Abschnitts besser als die Wetziker war.
Den Moment verpasst
Der aus ihrer Sicht unglückliche Rückstand schlug den Gästen sichtlich aufs Gemüt. Sie hatten zu Beginn des Mitteldrittels zwar gleich eine Grosschance zum 2:2. In der Folge aber spielten sie fahrig und brauchten ihren Goalie Fabian Ryffel, um nicht deutlicher in Rücklage zu geraten.
Prättigau-Herrschaft hingegen stand in der Defensive nun deutlich besser. Doch nach einigen schwachen Minuten arbeitete sich der EHCW aus dem Tief, konnte den Druck wieder deutlich erhöhen. Kurz nach Spielmitte wurden die Wetziker Bemühungen belohnt, indem Lars Mathis einen Schlenzer von Verteidiger Riccardo Auriemma zum 2:2 ablenkte.
Das wäre der Moment für das Keller-Team gewesen, um nachzusetzen. Denn die Bündner waren jetzt angeschlagen und hätten sich nicht beklagen dürfen, wären sie zur zweiten Sirene im Hintertreffen gelegen. Beste Chancen aber liess der EHCW aus. Es rächte sich.
Nach 46 Minuten gerieten die Oberländer erneut in Schieflage. Und weil die Prättigauer nur wenig später nach einem Fehler im Wetziker Spielaufbau erneut zuschlugen, lagen die Gäste plötzlich 2:4 hinten. Sie blieben zwar bis zuletzt immer in Schlagdistanz. Trotz einer wilden Schlussphase aber auch nicht mehr.
