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An der WM lauert er auf seine Chance

Die Form stimmt: An der WM in Tschechien nimmt Sebastian Stalder Mass an den Spitzenplätzen.

Sebastian Stalder (links) will an der WM an seine konstant guten Leistungen im Weltcup anknüpfen.

Foto: Keystone

An der WM lauert er auf seine Chance

Walder Biathlet hat viel vor

Nach bisher überzeugenden Leistungen tritt Sebastian Stalder an der WM mit viel Selbstvertrauen an. Rangziele mag er zwar nicht, seine Ambitionen aber sind gross.

Fast sechs Jahre ist sein Debüt im Weltcup nun schon her. 90 Rennen hat Sebastian Stalder mittlerweile bestritten. Noch in den nächsten Monaten dürfte der Walder die 100 vollmachen. Bis Ende Februar ruht der Weltcup allerdings. Stalders Konzentration gilt jetzt dem Saisonhöhepunkt, den Weltmeisterschaften im tschechischen Nove Mesto na Morave.

Am Mittwoch erfolgt mit der Mixed-Staffel der Auftakt, am Sonntag in einer Woche steht dann der letzte Wettkampf auf dem Programm. Maximal sieben Rennen – darunter drei Staffeln – könnte Stalder absolvieren.

Was überrascht: Trotz seiner beträchtlichen Weltcup-Erfahrung packt der 26-Jährige erst seine zweite Elite-WM an. Sein Debüt feierte er vor einem Jahr in Oberhof (GER) unter anderem mit einem starken 7. Platz im Massenstart. Kann er heuer von jener Feuertaufe profitieren?

Stalder findet, ja. «Die erste WM ist durch, die Nervosität ist kleiner», sagt er. Wobei das mit dem Nervenflattern bei ihm keinen allzu grossen Raum einnimmt. Der Biathlet wird nicht so schnell hibbelig. Und neigt nicht zu extremen Gefühlsausschlägen.

Logisch also, sieht er auch jetzt keinen Grund, vom Bewährten abzuweichen. Stattdessen sagt er: «Grundsätzlich macht man an einer WM nichts anderes als in einem Weltcup.»

Ein Ausreisser neben viel Konstanz

Den Feinschliff haben sich die Schweizer Biathleten auf der Lenzerheide verpasst. Sie probierten dabei, das Streckenprofil der WM zu imitieren.

Am Sonntag reiste das Team dann nach Tschechien, wo ihm zwei Tage blieben, sich an die Verhältnisse zu gewöhnen und sich auf den Schiessstand einzustellen. «Das ist ideal», ist Stalder zufrieden.

Er blickt den Titelkämpfen zuversichtlich entgegen. Mit gutem Grund. Seine Zwischenbilanz fällt positiv aus. Der Oberländer hat läuferisch nochmals einen Schritt nach vorne gemacht. Zugleich steigerte er seine schon letzte Saison starken Leistungen im Schiessstand nochmals. Wie gut Stalder schiesst, zeigt ein Blick auf die letzten fünf Rennen, in denen er eine Trefferquote von 95 Prozent erreichte.

Der Walder zeichnete sich ebenfalls durch Konstanz aus. Als bester Schweizer liegt er im Gesamtweltcup an 14. Stelle. Mit Platz 42 verzeichnete er einen einzigen Ausreisser, einmal noch wurde er 30. Sonst reihte er sich immer weiter oben ein, viermal in den Top Ten. Mehrmals lief Stalder um einen Podestplatz mit.

Im ersten Einzel im schwedischen Östersund hätte es gar für den Sieg reichen können, wäre sein letzter Schuss nicht drei Millimeter zu weit rechts geraten. Macht Stalder so weiter, dürfte seine Premiere in den Top 3 also nur eine Frage der Zeit sein.

Eigentlich geht es an einer WM nur um Medaillen.

Sebastian Stalder

Die guten Ergebnisse haben zur Folge, dass er sagt: «Das Selbstvertrauen ist da.» Zusätzlich beflügelt hat ihn, dass Swiss-Ski auch seinen jüngeren Bruder Gion selektioniert hat, mit dem er im Bündnerland zusammenwohnt. Gion könnte in Tschechien zum WM-Debüt in der Elite kommen. Könnte darum, weil der im Sommer 25 werdende Biathlet im Schweizer Männerquintett derzeit die Nummer 5 ist.

Erst im November feierte Gion Stalder sein Debüt im Weltcup. Danach absolvierte er nur zwei weitere Weltcup-Einsätze. Speziell war jener, als er als Ersatz für Niklas Hartweg kurzfristig nach Hochfilzen reisen durfte, um erstmals gemeinsam mit seinem Bruder in der Staffel zu laufen. «Das war ein wirklich cooles Erlebnis», erinnert sich Sebastian Stalder.

Für Gion Stalder geht es in Nove Mesto na Morave primär darum, WM-Luft zu schnuppern. Er hofft auf den einen oder anderen Einsatz. Die Titelkämpfe dauern fast zwei Wochen, in einer solchen Zeitspanne kann viel passieren.

Leichter, aber nicht leicht

Die Ambitionen von Sebastian Stalder sind derweil gross. Auch wenn er das nicht etwa in markigen Worten kundtut. Im Gegenteil. Der Oberländer sagt, er möge es nicht, sich Rangziele zu setzen.

Er spricht in einem ersten Anlauf lieber davon, gute Leistungen zeigen zu wollen. Den unkonkreten Äusserungen lässt er dann doch noch Substanzielles folgen. An den Top 6 nimmt er Mass. «Aber eigentlich geht es an einer WM nur um Medaillen.»

Die Dominanz der Norweger ist gross. 9 von 14 Einzel-Rennen haben sie gewonnen, im Gesamtweltcup belegen sie die ersten sechs Plätze. Gut für Stalder und all die anderen, die sich nach vorne orientieren: Die Plätze an der WM sind grundsätzlich auf maximal vier pro Nation beschränkt.

So ist der Vorstoss an die Spitze zumindest auf dem Papier einfacher als im Weltcup. Einen Startplatz erhält jeweils aber auch der Titelverteidiger. In drei der vier Einzel-Disziplinen heisst dieser Johannes Thingnes Bö, sodass bis auf den Massenstart dann halt doch immer fünf Norweger im Einsatz stehen.

Stalder siehts pragmatisch. Der Oberländer weiss, er braucht für ein Topresultat jeweils nicht nur ein perfektes Rennen. Der eine oder andere starke Konkurrent muss zugleich schwächeln. «Dann ist die Chance da, den Platz zu übernehmen.»

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