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Wenn der Trainer keine Rolle spielt

Die Rollen sind klar verteilt: Der EHC Wetzikon ist in den Playoff-Viertelfinals gegen Luzern Favorit.

Er sieht die Mannschaft in der Pflicht und sich nur als Nebendarsteller: der neue EHCW-Trainer Roger Keller.

Archivfoto: Robert Pfiffner

Wenn der Trainer keine Rolle spielt

Jetzt gilts ernst für den EHC Wetzikon

Am Dienstag startet der EHC Wetzikon nach zuletzt durchzogenen Leistungen und einem späten Wechsel des Headcoachs in die Playoffs. Kann er sein Potenzial abrufen?

Ideal ist sicher anders. Niemand aber wird im Nachgang feststellen können, welchen Einfluss der Trainerwechsel beim EHC Wetzikon kurz vor den Erstliga-Playoffs tatsächlich hatte. Roger Keller jedenfalls ist überzeugt: «Am Schluss ist es egal, wer Trainer ist. Die Mannschaft weiss, wozu sie fähig ist.»

Die Aussage ist bemerkenswert. Und verdeutlicht: Der Thurgauer glaubt an das Potenzial im Team, das er erst seit Kurzem betreut. Am Mittwoch vor einer Woche übernahm der 53-Jährige den Trainerposten bei seinem früheren Verein, nachdem sich der EHCW von Christian Modes getrennt hatte.

Viel Zeit hatte Keller nicht. Eine Handvoll Trainings, dazu das abschliessende Qualifikationsspiel gegen Reinach – das muss vor dem Start der Viertelfinals gegen Luzern reichen. Keller stört sich nicht daran, lediglich an kleinen Schrauben drehen zu können. Er hat der Mannschaft schon beim ersten Kontakt gesagt: «Wir können nur gemeinsam Erfolg haben.»

Keine Schere im Kopf

Hört man dem Headcoach zu, ist klar: Jetzt ist das Team in der Pflicht. Nach einer lange souverän abgespulten Qualifikation waren die letzten Wochen keine Erfolgsgeschichte mehr. Die läuferisch und spielerisch starke Mannschaft schlug zwar Leader Dübendorf und den Zweitklassierten Prättigau-Herrschaft.

Gegen schwächere Teams wurde der Oberländer Erstligist den Erwartungen aber mehrfach nicht gerecht. Er sah sich dabei das eine oder andere Mal dem Vorwurf ausgesetzt, sich zu wenig vehement gegen die Niederlagen gestemmt zu haben.

Keller hat einen dieser missratenen Auftritte als Zuschauer erlebt. Vor allem die Körpersprache der Spieler hat ihm damals nicht gefallen. «Es gibt halt Phasen, in denen es nicht läuft», findet er, schränkt aber ein: «Kämpfen kann man immer.» Genau dasselbe hatte schon Kellers Vorgänger Modes mehr als einmal gesagt.

Der Vorteil des neuen Trainers: Er muss auf keine Befindlichkeiten Rücksicht nehmen. Keller kann unpopuläre Entscheide treffen, um alles dem Erfolg unterzuordnen – denn er gibt den Posten am Saisonende wieder ab. Bis unmittelbar vor Ostern dauert seine Zeit im EHCW maximal. Am 26. März ist das letzte Finalspiel zwischen den Siegern der Ost- und der Westgruppe angesetzt.

Bis dahin aber ist es ein weiter Weg. Und Keller ein Freund der Floskel: «Wir nehmen Spiel für Spiel.»

Die Favoritenrolle ist vergeben

Mit einem Heimspiel gegen Luzern steigt der EHCW am Dienstag in die Viertelfinals (Best of 5). Fünf der sechs letzten Meisterschaftsspiele verloren die Luzerner, einzig das harm- und punktelose Schlusslicht Argovia bezwangen sie. Wie die Oberländer haben die Innerschweizer vor Kurzem den Trainer gewechselt. David Musial, der fast 300 Partien in der höchsten deutschen Liga absolvierte, gibt neu den Takt an. Er kündigte an: Auf die Playoffs hin wird Luzern zur alten Stärke finden.

Der EHC Wetzikon ist gleichwohl Favorit. In der Qualifikation hat er die Luzerner zweimal deutlich bezwungen. Allerdings waren beide Spiele im Herbst und taugen zur Beweisführung damit nur noch bedingt. Der EHCW aber ist personell besser besetzt. Und kein Team in der Ostgruppe traf häufiger als er. Fünf Tore produzierte der EHCW bisher im Schnitt.

Das ist eine Grundlage, auf der man aufbauen kann. Zuletzt legte Sportchef Diego Piceci vorne gar noch nach. Etwa mit Kent Daneel. Der Stürmer hat sich ohne Anlaufschwierigkeiten eingefügt, produzierte in sechs Spielen bereits drei Tore und vier Assists.

Erstaunliche Probleme

Vor allem in zwei Bereichen aber müssen sich die Wetziker gegenüber der Qualifikation steigern. Einerseits in den Special Teams. Das Überzahlspiel war bisher eine Dauerbaustelle. Nur rund ein Siebtel der Powerplays münzte der EHCW in ein Tor um. Auch im Boxplay schnitt er mit seinen 81 Prozent unterdurchschnittlich ab. Lediglich drei Teams der Gruppe weisen eine schwächere Quote auf.

Die Defensive war denn auch nicht so sattelfest wie erhofft. Eigentlich erstaunlich, schaut man sich den Palmarès der Spieler an, die für den EHC Wetzikon verteidigen. Fünf der neun Defensivspieler weisen viel oder sehr viel Erfahrung in höheren Ligen auf. Herausragend dabei: Thomas Büsser mit über 400 Partien in der Nationalliga.

Gelingt es den Wetzikern, die Anzahl der Gegentore zu reduzieren, dürften ihre Chancen auf Erfolg erheblich zunehmen. Und genau jenen strebt das langjährige Spitzenteam logischerweise an. Das offizielle Ziel des EHC Wetzikon ist der Meistertitel. Oder mit anderen Worten: Sie wollen den «Chübel» holen.

Einher gehen würde damit der Aufstieg in die höchste Amateurliga MHL. Ein Budget dafür hat der EHCW erstellt.

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