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Er hält sich an kleinen Dingen fest

Was ist unter diesen Umständen möglich? Kevin Kuhn ringt vor der WM in Tschechien um seine Form.

Kevin Kuhn hat seit Wochen zu kämpfen und musste einige Enttäuschungen einstecken.

Archivfoto: Christian Merz

Er hält sich an kleinen Dingen fest

Gibswiler Querprofi vor der WM

Seit Wochen isst Kevin Kuhn hartes Brot. Es spricht darum nur wenig für einen Exploit an den Weltmeisterschaften in Tabor. Wenig aber ist nicht nichts.

Für Kevin Kuhn steht am Sonntag mit dem WM-Rennen in Tabor (Tsch) der Saisonhöhepunkt an. Die Hauptprobe ist ihm allerdings missglückt. Und zwar gründlich. Beim Weltcup-Finale im niederländischen Hoogerheide musste sich Kevin Kuhn mit Rang 23 begnügen.

So weit hinten war der Gibswiler diese Saison in der wichtigsten Rennserie zuvor nur einmal gewesen. In Gavere aber, wo er ebenfalls auf Rang 23 landete, war Kuhn von einem Defekt gestoppt worden.

Die jüngste Enttäuschung kommt nicht überraschend. Seit Wochen tut sich der Oberländer schwer, sein Potenzial abzurufen. Der 25-Jährige kämpft vor allem mit sich selber. Und sucht verzweifelt das gute Gefühl, das ihm um die Weihnachtszeit abhanden gekommen ist.

Vielleicht kehrt es ausgerechnet am wichtigsten Wettkampf der Saison zurück?

Momentan mögen die Dinge nicht nach dem Gusto von Kuhn laufen. Dass es der bei einem belgischen Team unter Vertrag stehende Querspezialist, der im Dezember 2022 als Dritter erstmals auf dem Weltcup-Podest stand, aber drauf hat, steht ausser Frage. Das hat er vor seiner Baisse immer und immer wieder bewiesen. Erst im Nachwuchs, später in der Elite.

Der Weltranglisten-Elfte kann sich auch jetzt an einigen positiven Dingen festhalten. Kuhn hat beispielsweise gute Erinnerungen an den Kurs in Tabor, der seit vielen Jahren zum Weltcup-Programm gehört.

Letzte Saison wurde er da Achter. Emotionaler noch etwas mehr Gewicht haben dürfte der 9. Platz aus dem Jahr 2021. Damals feierte Kuhn in der rund 60 Kilometer südlich von Prag gelegenen Stadt seine Top-Ten-Premiere im Weltcup – in seiner ersten Saison bei der Elite.

Der Tösstaler hat jüngst einen Trainingsblock in Spanien absolviert, den er als gelungen bezeichnet. Dieser gibt ihm für die WM Zuversicht, wie er sagt. Als kleinen Aufsteller nach Tschechien mitnehmen kann er auch die Anfangsphase des Rennens in Hoogerheide. Kuhn lag nach zwei Runden an dritter Stelle, vermochte das Tempo danach aber nicht zu halten.

Wer absteigt, verliert

Da Kuhn einst schon in der U23 in Tabor erstmals startete, kennt er den Parcours gut. Die knapp 3 Kilometer lange Strecke ist für die WM leicht angepasst worden, hält für den Gibswiler und das restliche Feld aber keine Überraschungen bereit. Der Gras-Kurs gilt als schnell und nicht besonders technisch.

Zwei Schlüsselstellen beinhaltet er. Zum einen jene Treppenpassage, hinter der eine Steigung liegt. Das macht es vor allem bei nassem Boden schwierig, nach dem Sprung zurück aufs Velo den Tritt wieder zu finden.

Noch grösseren Einfluss auf den Rennverlauf dürften die zwei Balken haben, die ebenfalls an einer Stelle liegen, an der es aufwärts geht. Wer hier absteigen muss, verliert gegen über die Hindernisse springende Konkurrenten sicher mehr als eine Handvoll Sekunden.

Der Blick vom Lenker aus: So sieht die WM-Strecke von Tabor aus. Video: youtube.com

Kevin Kuhn, der an der WM 2023 mit Magenproblemen auf Rang 12 fuhr, gilt für einmal nicht als aussichtsreicher Schweizer Kandidat im Elite-Feld der Männer. Bessere Chancen auf ein Topresultat hat heuer wohl Timon Rüegg. Der Unterländer erfreut sich ein starker Form, was er zuletzt mit dem 10. Platz in Hoogerheide unterstrich.

Grosser Favorit auf WM-Gold ist derweil Mathieu van der Poel. Der niederländische Titelverteidiger hat zwölf der 13 Quer-Rennen gewonnen, die er bestritt. Einzige Ausnahme: Beim Weltcup in Benidorm wurde der Dominator nur Fünfter. Die Geschichte hinter dem Rang: Van der Poel erlitt erst einen Defekt, der ihn weit zurück warf. Als er wieder in der Spitzengruppe war, krachte er in eine Streckenbegrenzung und fiel aus der Entscheidung um den Sieg.

Um den WM-Titel wären in Tabor sicher auch Wout van Aert und Tom Pidcock mitgefahren. Die zwei hinter Van der Poel nominell wohl stärksten Fahrer fehlen in Tschechien allerdings.

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