Modes weg, Keller da – der EHC Wetzikon hat einen neuen Trainer
EHCW tauscht seinen Chefcoach aus
Beim EHC Wetzikon steht ab sofort wieder der frühere Cheftrainer Roger Keller an der Bande. Er ersetzt Christian Modes, der den Klub Ende Saison sowieso verlassen hätte.
Der Zeitpunkt ist delikat. In knapp zwei Wochen beginnen die Playoffs. Und der EHC Wetzikon hat sich nichts weniger als den Titelgewinn zum Ziel gesetzt.
In den nächsten Tagen in Ruhe auf die wichtigste Meisterschaftsphase vorbereiten können sich die Wetziker indes nicht. Im Gegenteil: Sie müssen sich nach den Umwälzungen vom Mittwoch wohl erst einmal sammeln.
Christian Modes ist per sofort nicht mehr Trainer des EHCW. Der Oberländer Erstligist hat sich von ihm getrennt, wie der Verein am Mittwochabend mitteilte. Als ausschlaggebenden Punkt führt er nicht etwa den sportlichen Kriechgang der vergangenen Wochen ins Feld, dafür den Umstand, dass Modes am Ende der Saison den Klub verlassen hätte.
Wir verlieren mit Modes viel Hockey-Kompetenz, einen guten Trainer, vor allem aber einen grossartigen Menschen.
Diego Piceci
Sportchef EHC Wetzikon
Der Winterthurer wird neuer Geschäftsführer des EHC Arosa. Modes übernimmt die Stelle zwar erst auf die neue Saison hin, gleichwohl kam der EHCW-Vorstand zum Schluss, eine vorzeitige Trennung mache beidseits Sinn.
Die Wetziker vermeiden mit ihrem Schnitt auch, allenfalls eine «lame duck» an der Bande zu haben. Also mit einem Coach in die Playoffs zu steigen, von dem die Spieler wissen, dass er bald weg sein wird.
Er kann sofort loslegen
Am Dienstag noch hatte Modes beim Wetziker Sieg in der Cup-Qualifikation gegen Rheintal an der Bande gestanden, nicht einmal 24 Stunden später ist seine Zeit im Verein vorbei. Seinen Nachfolger haben die Oberländer Verantwortlichen bereits präsentiert. Sie setzen auf Roger Keller, was durchaus logisch ist.
Nicht nur, weil der Thurgauer sofort verfügbar war. Keller kennt vor allem auch den Verein in- und auswendig. Er muss sich nicht zuerst herantasten, sondern kann sofort loslegen. Bereits am Mittwochabend leitete er sein erstes Training.
Für Keller ist es eine Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte. Schon von 2011 bis 2020 gehörte er dem EHC Wetzikon an. Zweimal war der heute 53-Jährige bei den Wetzikern dabei über längere Zeit Cheftrainer.
Unter ihm feierten sie auch ihren letzten grossen Erfolg. Nach einer überragenden Saison gewann der EHCW im Frühjahr 2018 den Schweizer-Meister-Titel der 1. Liga. Zwei Jahre später, im Frühjahr 2020, war dann allerdings vorläufig Schluss für Keller. Sein Vertrag wurde nicht mehr verlängert, obwohl er damals gerne weitergemacht hätte.
Plötzlich auf Schlingerkurs
Nun also ist der Trainer zurück im Klub. Und hat die Aufgabe, das Schiff zurück auf Kurs zu bringen. Zuletzt ist der Oberländer Erstligist zusehends ins Schlingern geraten, nachdem seine Saison lange Zeit in ruhigen Bahnen verlaufen war.
In den letzten Wochen ist der mit zahlreichen Routiniers besetzte EHCW seinem Ruf, eine Wundertüte zu sein, wieder vollauf gerecht geworden. Fünf der letzten sieben Partien setzte er in den Sand.
Die zwei Siege in dieser Phase fuhren die Wetziker ausgerechnet gegen Leader Dübendorf und den Tabellenzweiten Prättigau ein. Dafür verloren sie aber eben auch nach zum Teil blutleeren Auftritten gegen deutlich schwächere Teams wie Herisau (11.), die Pikes (9.) und Wil (8.).
Vor der Schlussrunde der Qualifikation liegt der EHC Wetzikon an dritter Position. Diese kann er am Samstag mit einem Sieg gegen Reinach verteidigen. Auch wenn das gelingt, dürfte das Abschneiden eine leise Enttäuschung sein. Die Mannschaft scheint fähig für mehr, die Erwartungshaltung im Verein und bei den Fans ist hoch.
Chrampfer mit Kompetenz
Das alles weiss Roger Keller, der mit Christian Modes jemanden beerbt, den er sehr gut kennt und mit dem er in Wetzikon auch zusammenarbeitete. 2019 stiess Modes zum EHCW, vorerst als Assistent. Nach der Trennung von Thomas Nüssli im Februar 2021 stieg Modes zum Chef auf.
Zweimal beendete die Mannschaft unter ihm die Qualifikation auf dem 2. Rang. In den Playoffs resultierten dann erst eine Finalniederlage gegen Frauenfeld sowie letzte Saison das bittere Halbfinal-Aus gegen Bellinzona.
«Wir verlieren mit Modes viel Hockey-Kompetenz, einen guten Trainer, vor allem aber einen grossartigen Menschen», huldigt EHCW-Sportchef Diego Piceci die Verdienste des Ex-Trainers. Er bezeichnet Modes als enorm fleissigen Chrampfer, der Eishockey lebe.
Ich möchte weiterhin im Eishockey agieren, aber nicht mehr an der Bande stehen.
Christian Modes
Ausleben wird Modes künftig seine Leidenschaft für die Sportart aber nicht mehr als Trainer. Das hat er nun fast 20 Jahre lang getan. «Ich möchte weiterhin im Eishockey agieren, aber nicht mehr an der Bande stehen», sagt er. Verständlich also, konnte er dem EHC Arosa nicht widerstehen.
Und Modes spart nicht mit Superlativen, wenn er über seine künftige Aufgabe spricht. Er sagt: «Das Angebot von Arosa reizt mich enorm – es ist eine tolle Herausforderung bei diesem grossartigen Traditionsverein.»
