Europäischer Topklub angelt sich einen Bubiker
Noam Leopold zu Nantes
Einen schöneren Transfer darf sich ein 21-jähriger Handballer aus der Schweiz nicht wünschen: Der Bubiker Noam Leopold wird zu Nantes, dem Champions-League-Finalisten 2018, wechseln.
Er hatte dieses Ziel schon immer: «Ich will die Champions League gewinnen.» Jetzt, im Januar 2024, kann Noam Leopold feststellen: «Ab nächster Saison bin ich diesem Ziel einen Schritt näher.» Im Sommer nämlich wechselt der Linksaussen aus Bubikon von Pfadi Winterthur zum HBC Nantes.
Mit acht schnupperte der Bubiker beim TV Rüti, ein Jahr später ging er zu Handball Stäfa. Von seinem Ausbildungsverein, für den er auch in den zwei Jahren, als er in der Schaffhauser Handball Academy war, immer spielte, kam er im Sommer 2021 nach Winterthur. Nur eine halbe Saison später verlängerte man seinen Vertrag vorzeitig bis 2025.
Nun steigt er aus diesem Kontrakt aus. So, wie es für beide Seiten, für ihn und für Pfadi, immer klar gewesen ist, dass er gehen kann, wenn sich ein Angebot aus dem Ausland ergibt. Letzten Herbst bahnte sich das an.
Als sich Nantes meldete
Sein Agent Andrej Golic, ein ehemaliger Nationalspieler Frankreichs, habe seine «Personalie im Handball-Business präsentiert». Bald einmal interessierte sich Nantes für den jungen Schweizer, der die Athletik mitbringt, technische und taktische Skills hat, frech und treffsicher spielt und – besonders wertvoll – in Angriff und Abwehr sinnvoll einsetzbar ist.
Die Gespräche liefen telefonisch, in Nantes war er noch nie. Mit Headcoach Grégory Cojean unterhielt er sich via Facetime, «um mich kennenzulernen». Die Sprache war kein Problem. Leopold besitzt auch den französischen Pass, der Vater seiner Mutter ist Franzose. Leopold, zweisprachig in Bubikon aufgewachsen, sagt: «Ich spreche lieber französisch als deutsch.» Und: «Ich fühle mich auch als Franzose.»
«Da darf man nicht Nein sagen»
Offensichtlich überzeugte das Package. «Sie wollten mich.» Nantes offerierte ihm gleich einen Vertrag über drei Jahre. «Ein solches Angebot von einem solchen Klub – da darf man nicht Nein sagen», betont Leopold. Er sagte natürlich zu. «Es war schon immer mein Traum, für eine solche Mannschaft zu spielen.»
Der HBC Nantes ist nicht irgendein Klub. Aktuell liegt er hinter Paris St-Germain und vor Montpellier auf Platz 2 der Starligue, einer der besten Ligen Europas, und er geht als Gruppensieger (vor den Rhein Neckar Löwen) in die nächste Runde der European League. Nantes gewann 2023 zum zweiten Mal Frankreichs Cup und stand 2018 im Final der Champions League, der gegen Montpellier (mit dem Schweizer Torhüter Nikola Portner) verloren ging.
Valero Rivera und viele andere
«Es ist eine riesige Ehre, dass mir dieser Verein die Chance gibt, mich auf dem höchsten Niveau zu zeigen», erklärt Leopold. Nantes ist international bestückt. Torhüter Viktor Hallgrimsson (Island) und Ivan Pesic (Kroatien) sowie Jorge Maqueda, Kauldi Odriozola (beide Spanien), Rok Ovniec (Slowenien), Alexandre Cavalcanti (Portugal), Baptiste Bonnefond und Julien Bos (beide Frankreich) sind Nationalspieler.
Der prominenteste Name aber ist Valero Rivera. Der 37-jährige Spanier, Topskorer der Champions League 2020/2021, Welt- und Europameister, spielt Linksaussen wie Leopold. Als Nummer 2 hinter Rivera hofft er, dass «ich zu Spielzeit komme und von ihm etwas lernen kann. Mit dem Ziel, dass ich eines Tages sein Nachfolger werde. Ich werde alles tun, damit es auch so weit kommt.»
Nicht mehr viel, das besser ist
Leopold lebt Handball in einem für Schweizer unüblichen Ausmass. Sein Commitment zahlt sich aus. Ebenso sprechen die Saisonzahlen für ihn: In der NLA warf er bisher pro Match 7,9 Tore, in der European League, dem zweithöchsten Europacup, waren es 60 Treffer in acht Spielen.
«Ich bin sehr dankbar, dass mir Pfadi die Möglichkeit gegeben hat, mich in der Schweiz zu zeigen», sagt Leopold. Er erwähnt Trainer Goran Cvetkovic: «Er hat mich seit Tag eins bei meinem Champions-League-Ziel, das in der Schweiz vielleicht belächelt wird, unterstützt.» Er möchte sich «am liebsten mit einem Titel von der Mannschaft verabschieden. Dafür werde ich alles geben und mich Tag für Tag weiterentwickeln – wie ich das von Anfang an gemacht habe.»
Im Sommer schlägt er das nächste Kapitel auf. «Winterthur wird immer ein Teil dieser Reise oder Karriere sein, die ich noch vor mir habe», sagt Leopold. «Ich hoffe, irgendwann wird Pfadi sagen können: ‹Wir hatten einen weiteren Champions-League-Sieger in unseren Reihen›» – neben dem Spanier Viran Morros und dem Slowenen Dino Bajram.
Der 21-Jährige spricht von einem «grossen Schritt», der ihm bevorsteht. «Nach Nantes gibt es nicht mehr viel, das besser ist.»