Bald greift er bei den Profis an
Ustermer Squashtalent
David Bernet ist Europas Nummer 1 bei den Junioren, seine Zeit im Nachwuchs aber ist fast vorbei. Ab dem Sommer setzt er voll auf die Karte Sport.
Besser hätte das Jahr 2024 für ihn kaum beginnen können. Am British Junior Open in Birmingham gewann David Bernet vor wenigen Tagen die Bronzemedaille. Es ist der bisher grösste Erfolg im Einzel für den jungen Ustermer – und hat in seiner persönlichen Hitparade den 3. Rang der Junioren-EM 2023 abgelöst.
Das British Junior Open ist nichts weniger als das grösste Juniorenturnier der Welt, das Feld gleich stark wie an einer Junioren-WM, sodass Bernets Freude über den Erfolg nachvollziehbar ist. «Das ist schon sehr cool», sagt er.
Aus dem Nichts kommt seine Leistung nicht. Der Spieler des Squashclubs Uster führt seit Längerem das Europaranking der Junioren an. In Birmingham war er an Nummer 3/4 gesetzt. Entsprechend hoch waren seine Erwartungen.
Dennoch: Der Abstecher über den Ärmelkanal hätte für ihn auch im Frust enden können. In den ersten zwei Partien musste Bernet über fünf Sätze gehen, im ersten Spiel gar zwei Matchbälle abwehren. Was er in jenem Moment dachte, weiss er noch genau: «Jetzt reiss dich zusammen.»
Dass er sich aus der heiklen Situation befreien konnte, verlieh ihm Schub. Und gab ihm das Gefühl, dass nun alles möglich ist.
Im Sommer gilt es ernst
19 wird Bernet im April. Seine Zeit bei den Junioren geht bald zu Ende. An einer Nachwuchs-WM kann er nicht mehr teilnehmen, da im Squash nicht der Jahrgang, sondern das Geburtsdatum zählt. Die Chance, U19-Junioren-Europameister zu werden, hat er indes noch.
Es ist sein nächstes grosses Ziel. Bernet findet, EM-Gold würde das jüngste Resultat aus Grossbritannien toppen. Er macht zugleich klar: Im Prinzip zählt Ende März an der EM in Rumänien nur der Titel für ihn. Das sagt einiges über Bernets Ehrgeiz und seine Erwartungshaltung aus.
Im Sommer schliesst der Sportschüler seine vierjährige KV-Lehre ab, danach setzt er voll auf Squash. Bernet hat klare Vorstellungen, wie es nach beendeter Ausbildung bis Ende Jahr auf dem Court weitergehen soll. Das Ziel der Nummer 145 der Welt ist es, Richtung Top 100 vorzustossen.
Wie weit? «So weit wie möglich», sagt Bernet, der sich als defensiver Spieler bezeichnet. Grob gesagt ist er also einer, der wenig Fehler macht und über einen langen Zeitraum den Ball im Spiel halten kann. Er sagt: «Jetzt probiere ich, meinen Angriff auch aufs Niveau meiner Defensive zu bringen.»
Bernet ist mental stark. Und zählt im Nachwuchs physisch zu den Besten. «Bei den Profis ist es bis dahin noch ein weiter Weg», ist er sich bewusst. Die ersten kleinen Schritte auf der Profitour hat er schon hinter sich, vor rund drei Jahren feierte Bernet da seine Premiere.
Erste Spuren hat er hinterlassen. Im Dezember stiess der Ustermer beispielsweise an den Liechtenstein Open in Vaduz – einem Challenger-Turnier der untersten Stufe – in den Final vor. Der 18-Jährige unterlag da dem Österreicher Aqeel Rehman zwar, beeindruckte aber. Auf der Website der Professional Squash Association (PSA) bezeichnete man ihn im Turnierbericht als «rising Swiss Star».
Dem aufstrebenden Squasher, der im Schweizer Elite-Ranking Fünfter ist, wird Grosses zugetraut. Auf der PSA-Website erschien kürzlich ein Artikel, in dem jene fünf Spieler aufgezählt wurden, auf die es heuer auf der Challenger-Tour zu achten gilt. Bernet gehört ebenfalls dazu.
Und Florian Pössl, einer seiner Trainer und einst selber auf der Profi-Tour unterwegs, hat Anfang 2023 über ihn gesagt: «Von David zu erwarten, dass er in zwei Jahren in den Top 50 der Welt sein wird, wäre zu viel Druck. Aber er hat das Potenzial dazu.»
Eigentlich ist es ganz simpel
So viel Vorschusslorbeeren könnten einem jungen Sportler schnell einmal den Kopf verdrehen. Bernet aber macht kein Aufheben um all die mit ihm verknüpften Erwartungen. Unter Druck gesetzt fühlt er sich dadurch nicht.
Wenn schon, sagt der Ustermer, macht er sich diesen durch seine hohen Ansprüche gleich selber. Im Prinzip aber ist es aus seiner Sicht simpel. «Ich spiele einfach gerne Squash. Manchmal gewinnt man, manchmal verliert man.»
Letzteres dürfte bei den Profis nun häufiger passieren. Dafür ist Bernet gewappnet. Er sagt: «Man reist irgendwo hin, verliert und muss wieder heim. Das ist schon hart.»
Entsprechend gut geplant müssen die Einsätze sein, findet er. Auch, um die Reisestrapazen möglichst klein zu halten. Bernet ist keiner, der angetrieben werden muss. Im Gegenteil. «Aber ich habe gelernt, dass Erholung genauso wichtig ist.»
Nach dem Erfolg in Birmingham machte er Ferien in Davos. Jetzt aber ist er zurück im Alltag. Und schuftet für seine nächsten Ziele.
