Sie hat ihre Feuertaufe genossen
Gibswiler Skispringerin
Seit dieser Saison ist Rea Kindlimann als Einzelkämpferin ausserhalb der Verbandsstrukturen unterwegs. Jetzt hat die 21-Jährige ihr Weltcup-Debüt gefeiert.
Erstmals überhaupt hat der Frauen-Weltcup in der Schweiz haltgemacht. Bei den zwei Springen auf der Titlis-Schanze in Engelberg stürzten sich auch die drei jungen Schweizerinnen Rea Kindlimann, Emely Torazza und Sina Arnet in die Tiefe. Speziell dabei für die 18-jährige Arnet: Sie stammt aus Engelberg.
Nicht weniger aussergewöhnlich waren die Wettkämpfe für Kindlimann. Die Gibswilerin feierte im Obwaldner Dorf ihre Premiere auf höchster Stufe. Entsprechend gross war ihre Nervosität.
Die Familie und viele Mitglieder des SC am Bachtel verfolgten die Wettkämpfe zu ihrer Freude an der Schanze. Sie bescherten der 21-Jährigen ein unvergessliches Erlebnis. «Es ist schon etwas anderes, auf dem Balken zu hocken und zu wissen, dass unten die Familie und Freunde sind. Es war cool zu sehen, wie viele Leute kamen, um mich zu unterstützen», genoss die Oberländerin ihre Feuertaufe.
Endstation Qualifikation
Hohe sportliche Ziele hatte sich Kindlimann keine gesetzt. Sie wollte sich auf keinen Fall unter Druck setzen. Und auch nicht mit der Idee antreten, allen etwas beweisen zu müssen.
Vielmehr ging es für sie darum, Weltcup-Luft zu schnuppern, Erfahrungen zu sammeln, die ihr auf dem weiteren Weg helfen sollen. Enttäuschung ist bei Kindlimann denn auch keine herauszuhören, als sie ihr Fazit zieht. In beiden Springen war für sie in der Qualifikation Endstation.
Am Donnerstag klassierte sich Kindlimann in dieser auf Rang 53, liess nur eine einzige Konkurrentin hinter sich. Zwei Tage später beendete sie die Qualifikation drei Plätze weiter vorne. Jeweils 40 Springerinnen sicherten sich den Weltcup-Start.
Ich kann viel mehr meine Ideen einbringen als früher.
Rea Kindlimann
Die Gibswilerin hatte insofern einmal Pech, als es kurz vor ihrem Einsatz zu schneien begann und die Spur langsamer wurde. Sie will es nicht als Ausrede verstanden wissen, es ist einfach eine Feststellung. Denn Kindlimann sagt über den einen Quali-Sprung schonungslos: «Er ist in die Hose gegangen. Damit muss ich lernen umzugehen.»
Ihre ersten Erkenntnisse im Weltcup: «Klar, es hat etwas gefehlt», stellt sie fest, findet aber: «Ich hatte gute Ansätze.»

Aufgrund des schönen Wetters reiste die Oberländerin am Montag kurzerhand nach Seefeld im Tirol, um da zwei Trainingstage einzulegen. In Engelberg noch im dreiköpfigen Schweizer Frauenteam integriert, ist sie nun wieder allein unterwegs und kann darum spontane Entscheide fällen.
Kindlimann hat auf diese Saison hin ihren Kader-Status bei Swiss-Ski verloren. Das kam nicht überraschend, es hatte sich im letzten Winter abgezeichnet. Die Gibswilerin durfte zwar mit dem Verband an die Wettkämpfe, musste aber bald einmal unabhängig trainieren.
Es war eine schwierige Phase, dennoch dachte die einstige C-Kader-Athletin nicht daran, den Bettel hinzuschmeissen. Warum sollte sie? «Ich habe so viel Freude am Skispringen. Dieses Gefühl, wenn es einen anfängt zu tragen, ist einmalig.»
Zwei weitere Weltcup-Starts in Aussicht
Mit der aktuellen Situation ist Kindlimann zufrieden. Die Oberländerin wird von Nicola Bay betreut, dem hauptamtlichen Trainer ihres Klubs SC am Bachtel. Mit ihm reiste sie beispielsweise nun auch nach Seefeld. Kindlimann streicht einige Vorteile als «Einzelkämpferin» heraus. So etwa diesen: «Ich kann viel mehr meine Ideen einbringen als früher.» Und die Trainings sind viel spezifischer.
Die Saison – die Kosten aus Reisen, Hotels, Schanzengebühren und dem Material läppern sich – hat Kindlimann selber finanziert. Durch ein erfolgreiches Crowdfunding, bei dem sie rund 8000 Franken sammelte, sonstige Sponsoren und die Unterstützung des SC am Bachtel.
Die zweithöchste Wettkampfstufe ist Kindlimanns sportliche Heimat. Wobei sie sich da nicht konkrete Ränge vorgenommen hat, sondern technische Ziele setzt. Neben den Springen im Intercontinental Cup hat sie zwei weitere Einsätze im Weltcup auf sicher. In Ljubno (SLO) und in Rasnov (ROU). Sie hofft, dann die Qualifikationen zu überstehen.
Und welche Kriterien muss sie erfüllen, um im nächsten Winter wieder im Swiss-Ski-Kader zu stehen? Das kümmert Kindlimann vorerst nicht. Für sie ist klar: «Ich werde weiter für mich Skispringen betreiben. Bei Swiss-Ski oder im Klub, das spielt keine Rolle.»