Der Schweizer Instagram-König kommt aus dem Oberland
Ein Erstligist ist die Nummer 1
Der UHC Pfannenstiel trocknet alle anderen Schweizer Unihockeyvereine ab. Nicht auf dem Feld zwar, dafür aber auf der virtuellen Spielwiese.
Wer hätte das gedacht? Der UHC Pfannenstiel lässt sie alle hinter sich. Den NLA-Tabellenführer aus Winterthur beispielsweise, der gleich auch noch Publikumskrösus ist. Cup-Sieger Floorball Köniz. Und auch Rekordmeister Wiler-Ersigen, wobei die Emmentaler dem Oberländer Verein am nächsten kommen.
«Pfanni» trocknet sie alle ab. Der Dorfverein hat auf Instagram aktuell fast 8400 Follower. Und ist damit schweizweit die Nummer 1 unter den 384 Unihockeyklubs.
Sportlich begründen lässt sich die Beliebtheit nicht. Abgesehen von einem kurzen Gastspiel in der NLB hat der Oberländer Erstligist bisher auf nationaler Bühne keine Wellen geworfen. Und dennoch generiert er die grösste Beachtung. Macht «Pfanni» denn etwas komplett anders als die Konkurrenz?
Nein. Der UHC Pfannenstiel speist seinen Kanal mit Inhalten, die viele Vereine ebenfalls auf Lager haben. Man findet hauptsächlich kurze Spielszenen, Hinweise auf Partien oder Spielberichte und auch mal Transfernews – und das alles gut verschnürt mit feinem Humor und einer Prise Selbstironie.
Offensichtlich ist, dass der Kanal Grundlegendes erfüllt, um erfolgreich zu sein. Beispielsweise reisst der Strom an Posts niemals ab, es werden Emotionen geweckt und die Nutzerinnen und Nutzer mit einbezogen. Und das ist zentral: Alles wirkt authentisch und nahbar. Man könnte sagen: Die Inhalte passen perfekt zum Dorfverein, der sehr familiär funktioniert.
Der virtuose Freigeist
Womit die Frage, wie «Pfanni» zu Tausenden von Followern gekommen ist, weiterhin offenbleibt. Die Erklärung ist indes weniger spektakulär, als man annehmen könnte. Und sie ist eng mit dem Namen Florian Hafner verknüpft.
Der Stürmer ist Administrator des Profils und bespielt die virtuelle Spielwiese seines Vereins im Alleingang. Und zwar so virtuos, wie das eben nur ein Freigeist machen kann, wie Hafner mitunter bezeichnet wird.
Sein bisheriges Meisterstück ist ein sogenanntes Reel (Kurzvideo) unter dem Namen «what a move», das sich Anfang Oktober rasend schnell verbreitete. In der Hauptrolle ist er gleich selber.
Die Zahlen sind eindrücklich. Fast 43 Millionen Mal ist der kurze Clip bisher angeschaut worden. 26’700 Personen haben Hafners Werk kommentiert. «Die Idee des Videos ist zwar nicht neu, wir haben einfach einen Instagram-Trend aufs Unihockey übertragen», gibt sich der Macher bescheiden. Und sagt: «Vermutlich ist es das meistgeschaute Unihockeyvideo aller Zeiten.»
Das Video hatte zur Folge, dass die Follower-Zahlen von «Pfanni» explodierten. Seit der Clip viral gegangen ist, hat der Verein unzählige «Fans» aus Ländern, in denen Unihockey wenig bis gar nicht bekannt ist. Beispielsweise aus Indien.
Davon träumen andere
Eine Eintagsfliege ist das 43-Millionen-Video indes nicht. Fünf weitere «Pfanni»-Reels haben ebenfalls sehr hohe Zugriffszahlen erreicht. Sie erzielten zwischen 127’000 und 570’000 Views. Es sind Zahlen, von denen andere Vereine nur träumen können.
«Jetzt bin ich unter Druck», hat Florian Hafner, der einst den Instagram-Kanal des A-Ligisten UHC Uster betreute, darum spasseshalber auch schon mal gesagt. Beim UHC Pfannenstiel aber spielen die Zahlen im Prinzip keine Rolle. Weder hat sich der Verein zum Ziel gesetzt, bald einmal die 10’000er-Marke an Followern zu knacken, noch beginnt das grosse Jammern, wenn die Zahl wieder abnehmen würde.
Die Freude an ihr ist da, das schon. Und der Instagram-Kanal ist im Team ständig Thema. Schliesslich hat er dem Oberländer Erstligisten viel Aufmerksamkeit und zahlreiche positive Reaktionen beschert. Überhöhen will man das Ganze trotzdem nicht. Siege sind dann doch noch immer wichtiger als Kommentare und Likes in der virtuellen Welt.
Die Hälfte der Hockey-Schlusslichter
Rund 8400 Follower hat der UHC Pfannenstiel. Damit toppt der Oberländer Erstligist nicht nur alle Schweizer Unihockeyvereine, sondern auch solche aus der höchsten schwedischen Liga. Oder anders gesagt: der besten Liga der Welt. Auch den Vergleich mit den am wenigsten beliebten Schweizer Eishockeyklubs – zumindest auf Instagram – braucht «Pfanni» nicht zu scheuen. Der EHC Kloten und die SC Rapperswil-Jona Lakers weisen «nur» doppelt so viele Follower auf. Die Nummer 1 ist hier der SC Bern mit 51’000. Die Berner sind im Vergleich mit dem zugkräftigsten Schweizer Fussballklub allerdings nur ein kleiner Fisch. Knapp 242’000 Personen folgen dem Instagram-Profil des FC Basel. Die diese Saison arg gebeutelten Basler haben also zumindest in diesem Bereich etwas zu jubeln. (zo)
