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Wenn die Strecke mehr als der heimliche Star ist

Am internationalen Quer in Hittnau fehlt der beste Schweizer Fahrer. Spannung herrscht trotzdem. Und beim Veranstalter auch Feierlaune.

Eine Herausforderung für alle Fahrerinnen und Fahrer: Der Kurs am Schlosshügel gilt als kräfteraubend und technisch anspruchsvoll.

Archivfoto: Roger Hofstetter

Wenn die Strecke mehr als der heimliche Star ist

Traditionsanlass in Hittnau

Am Sonntag steht die 40. Austragung des Radquers Hittnau an. Dabei gibt es das Rennen erst seit 1985. Wie geht das?

Der runde Geburtstag

Zum 40. Mal findet am Sonntag das Quer in Hittnau statt. Seit 1985 gibt es den Anlass. Zahlenakrobaten merken indes schnell: Da geht etwas nicht auf. Wenn 1985 das erste Quer stattfand, wie kann der veranstaltende VC Hittnau heuer die 40. Austragung feiern?

Ein Kniff ist dafür nicht nötig. Vielmehr ist die Lösung einfach: Im Jahr 2021 fanden am Schlosshügel gleich drei Rennen statt.

Die Hittnauer übernahmen damals im Januar kurzfristig das in Meilen ausgefallene Rennen. Eine Woche später richteten sie wie geplant die SM aus. Das dritte Rennen Ende Oktober zählte schon zur Saison 2021/2022. Auf die Zahl 40 kommt man hingegen erst, wenn man berücksichtigt, dass 2020 kein Quer stattfand.


Die Geschichte

Der VC Hittnau hat einst klein angefangen – mit der Organisation der Kantonalmeisterschaft. Im Jahr darauf, also 1986, wurde ein nationales Quer daraus. Mit Fahrern, die man heute noch kennt: Beat Breu, Thomas Frischknecht und Beat Wabel.

Der aus Wetzikon stammende und seit Langem in Hittnau wohnende Wabel triumphierte an seinem Heimrennen neunmal. Zum Jubiläum haben die Veranstalter den Rekordsieger ebenso eingeladen wie alle weiteren Schweizer Gewinner.

Zur Blütezeit des Radquersports zog das Rennen in Hittnau die Massen an. Rund 4500 Zuschauer sollen 2001 dabei gewesen sein, als die Schweizer Meisterschaften erstmals am Schlosshügel ausgetragen wurden. Es ist eines der Rennen, das Thomas Frei besonders geblieben ist.

Der heutige OK-Präsident ist seit Langem dabei, fuhr damals als Schüler. «Bei minus 14 Grad», sagt er und lacht. Sechs Jahre nach der SM richteten die Hittnauer gar die EM aus – es war der bisherige Höhepunkt.


Das Feld

«Ich bin mit dem Fahrerfeld zufrieden», sagt OK-Chef Thomas Frei. Auch wenn der beste Schweizer fehlt. Der Gibswiler Kevin Kuhn legt seinen Fokus auf die wichtigste Rennserie. Er ist darum statt am C2-Rennen in Hittnau gleichentags im belgischen Dendermonde im Weltcup im Einsatz.

Für den Sieg im vierteiligen Swiss Cyclocross Cup, dessen Final das Rennen im Oberland ist, fällt Kuhn also weg. Obwohl er in der Gesamtwertung Zweiter ist. Timon Rüegg führt die Wertung an.

«Ich setze alles daran, dass ich die Gesamtwertung gewinnen kann.» Der Zürcher Unterländer verzichtete gar auf die EM und investierte seine Zeit stattdessen in die Erholung und ins Training.

Neben Rüegg dürften auch der tschechische Vorjahressieger Jakub Riman, Gioele Bertolini und Loris Rouiller eine prominente Rolle spielen. Dem Italiener Bertolini scheint der Kurs besonders gut zu liegen, weshalb Frei sagt: «Der ist hier immer für eine Überraschung gut.»

Zweimal hintereinander wurde Bertolini zuletzt Zweiter, 2021 hinter Rouiller. Der 23-jährige Westschweizer, der an der EM drei Platten erlitt und danach vorzeitig die Reissleine zog, fehlt allerdings.

Die Verhältnisse bei den Frauen scheinen deutlich klarer. Sara Casasola steigt als Favoritin in den Wettkampf. Die 24-Jährige hat an der EM viel Selbstvertrauen getankt, indem sie sich hinter zwei Holländerinnen die Bronzemedaille schnappte. Die Gesamtführende im Swiss Cyclocross Cup weiss zudem, was sie im Oberland erwartet – Casasola setzte sich letztes Jahr souverän durch.

Mit einem Exploit in der Cup-Gesamtwertung noch nach vorne preschen könnte Lara Krähemann. Die Eggerin ist aktuell zwar Achte, aber nur 22 Punkte von Platz 2 entfernt, wobei ein Rennsieg 100 Punkte gibt.


Die Strecke

Die Strecke ist mehr als nur der heimliche Star in Hittnau. OK-Chef Thomas Frei schwärmt: «Sie ist seit 40 Jahren einzigartig attraktiv.»

In den Anfängen des Rennens war der Kurs länger, einst führte er gar mitten durchs Festzelt. Das war zwar ein Spektakel, wirklich viel vom Rennen bekamen diese Zuschauerinnen und Zuschauer allerdings nicht mit.

Deutlich besser dran sind jene, die vom Schlosshügel aus zuschauen – sie überblicken rund 80 Prozent des 2,5 km langen Parcours, der Asphalt-, Kies- und Wiesenpassagen beinhaltet. Die Strecke gilt als kräfteraubend und technisch anspruchsvoll. Wer vorne mitmischen will, muss ein guter Allrounder sein, ein möglichst kräftiger dazu.

Mehr als die Hälfte einer Runde sind die Fahrerinnen und Fahrer auf Wiesen unterwegs. «Um da zu bestehen, braucht man Kraft», sagt Frei. Ebenso beim ruppigen Laufaufstieg zum Schlosshügel hinauf, dem die spektakuläre Abfahrt folgt. Es ist fraglos die Schlüsselstelle.

Und was passiert, wenn es, wie aktuell prognostiziert, vor dem und während des Rennens regnet? Wie stark verändert sich dadurch der Kurs? Frei ist überzeugt: auch wegen des trockenen Herbsts nicht allzu sehr. «Es wird vielleicht etwas rutschiger, aber sicher nicht mega tief.»


Der Versuchsballon

Für einmal ist der Eintritt zum Rennen gratis. «Wir sagten uns: Das Jubiläum ist ein guter Zeitpunkt, um das auszuprobieren», begründet Thomas Frei den Entscheid des Organisationskomitees. Wie will man die wegfallenden Einnahmen auffangen? «Wir hoffen, es kommen mehr Leute und sie konsumieren etwas», sagt Frei.

Der ganz grosse Ansturm dürfte ausbleiben, Quer ist nur noch eine Randsportart in der Schweiz. Und nicht wenige dürften einen Besuch des Rennens vom Wetter abhängig machen. Wann wäre Frei mit dem Zuspruch zufrieden? «Cool wären 800 bis 1000 Zuschauer.»

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