Ihre Vielfalt ist ein Vorteil
Egger Velotalent
Bike, Quer und Strasse: Muriel Furrer fährt dreigleisig. Jetzt startet sie an der Quer-EM in Frankreich. Und hofft auf schlechtes Wetter.
Muriel Furrer verbringt dieser Tage viele Stunden auf französischen Autobahnen. Am Wochenende bestritt die junge Eggerin zwei Rennen in der Normandie. Danach kehrte sie in die Schweiz zurück, drückte in der United School of Sports in Zürich die Schulbank, um am Mittwoch gemeinsam mit ihrem Vater Richtung Frankreichs Nordwesten aufzubrechen.
Am Samstag steht für Furrer im rund 50 Kilometer von Nantes entfernt gelegenen Pontchâteau das bisher wichtigste Querrennen der Saison an. Die 17-Jährige gehört neben dem Gibswiler Kevin Kuhn der 14-köpfigen EM-Auswahl von Swiss Cycling an.
Sie ist dabei eine von nur zwei Frauen im Aufgebot und die einzige in der U19. Ihre Vorfreude ist gross: «Eine EM ist speziell, weil man für die eigene Nation startet.»
Ihre Feuertaufe an kontinentalen Quermeisterschaften absolvierte Furrer im Vorjahr mit Bravour. Damals beendete sie das Rennen in der U19 auf Rang 14.
Mit Jahrgang 2006 gehört sie heuer zu den älteren Fahrerinnen bei den Juniorinnen. Einen Vorteil sieht sie darin allerdings nicht.
Kommt hinzu, dass ihr Startplatz nicht optimal ist. Für eine bessere Position würde sie mehr UCI-Punkte brauchen. In Schweizer Rennen sind solche für sie aber schwierig zu ergattern. Wegen fehlender U19-Kategorien muss sie da jeweils in der Elite starten.
Den jüngsten Abstecher in die Normandie unternahm Furrer darum auch in der Absicht, UCI-Punkte zu holen. Im Juniorinnen-Rennen fuhr sie als Dritte aufs Podest, in der Elite klassierte Furrer sich als Achte. Damit ist sie zufrieden. Sie ist überzeugt: «Das war eine gute Vorbereitung.»
Furrer fühlt sich in Form. Und zwei Punkte dürften ihr im Kampf um eine möglichst gute Platzierung in die Hände spielen.
Da ist einerseits die Wetterprognose, die Regen voraussagt. «Es wäre cool, wenn es schlammig und nass wird», sagt sie. Bei solchen Verhältnissen kann Furrer ihre technischen Fähigkeiten ausspielen.
Und die abwechslungsreiche, drei Kilometer lange Strecke enthält Steigungen. «Das kommt mir sicher entgegen. Aufstiege bin ich gewohnt», sagt Furrer und verweist dabei aufs Mountainbiken. Es ist ihre Kerndisziplin.
Noch muss sie die Kräfte nicht bündeln
Furrer ist ein Multitalent auf dem Velo. Sie steht in gleich drei Nachwuchskadern (Quer, Strasse, Bike) von Swiss Cycling. Die Athletin des VC Meilen schätzt die Abwechslung, mutmasst aber schon jetzt: Spätestens in der U23 muss sie ihre Kräfte wohl bündeln. Vorerst geniesst sie die Mehrspurigkeit. Und sieht darin zahlreiche Vorteile.
So kann sie beispielsweise in verregneten Bikerennen ihre Erfahrungen aus den häufig bei widrigen Bedingungen stattfindenden Quers nutzen. «Und im Bike und Quer muss man jeweils mit Köpfchen fahren.» Letzteres will sie nun auch an der EM tun. Den 14. Platz aus dem Jahr 2022 nimmt sie als Massstab, wenn sie sagt: «Ein Top-Ten-Resultat wäre cool.»
Furrer plant, nach der EM weitere internationale Wettkämpfe zu bestreiten. So auch jene Weltcups unweit der Schweiz, an denen U19-Rennen im Programm stehen.
Ihre Premiere in der wichtigsten Rennserie hat sie schon hinter sich. 2022 erreichte die aufstrebende Fahrerin in Tabor bei den Juniorinnen Platz 21, womit sie das Rennen im Mittelfeld beendete.
In der tschechischen Stadt findet Anfang Februar 2024 auch die Quer-WM statt. Ob Furrer auf eine Teilnahme hinarbeitet? Das ist noch offen. Der Grund dafür ist simpel: Zu diesem Zeitpunkt steckt sie schon in den Vorbereitungen auf die Bikesaison.