Gmelin gibt überraschend ihr Comeback
Ustermerin peilt Olympia 2024 an
Anfang Januar und nach dem tragischen Tod ihres Partners und Trainers Robin Dowell zog Jeannine Gmelin einen Schlussstrich. Nun hat sie sich umentschieden.
Das kommt überraschend: Die im Januar abgetretene Ruderin Jeannine Gmelin kehrt in den Spitzensport zurück. Das Ziel der 33-jährigen Ustermerin ist die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2024 in Paris. Für die Skifferin wären es nach Rio und Tokio die dritten Sommerspiele.
Gmelin schreibt zu ihrem Schritt: «Ich sehe es nicht als Comeback, sondern als Weiterentwicklung mit einer neu entdeckten Tiefe und einem anderen Verständnis für meinen Sport und mich selbst.»
Gmelin hatte in ihrer ersten Karriere das Schweizer Frauenrudern auf eine neue Ebene gehoben. 2017 wurde sie Weltmeisterin, insgesamt holte sie vier EM- und zwei WM-Medaillen. 2018 wurde Gmelin Europameisterin.
Ab 2019 bildete sie zusammen mit Robin Dowell nach dem Bruch mit dem Verband ein Privatteam. Der Engländer war viel mehr als nur ihr Trainer. Er war Gmelins Lebenspartner, engster Vertrauter und eine Inspirationsquelle. Oder wie sich die Ruderin ausdrückte: «Wir waren ‹teammates for life›.»
Im Dezember 2022 kam Dowell während Gmelins Training auf dem Sarnersee ums Leben. Rund sechs Wochen nach diesem Schicksalsschlag erklärte die Ruderin ihren Rücktritt.
«Ich wäre nicht mehr mit ganzem Herzen dabei. Und ich weiss, dass 99 Prozent oder weniger nicht reichen würden», begründete sie damals.
Sie will ihre Energie kanalisieren
Jetzt ist Gmelin wieder da. Sie teilt in ihrem Schreiben mit, ihre Entscheidung sei über Monate gereift. «Ich steige also wieder ins Boot. Ich tue dies mit grossem Respekt vor der Aufgabe.» Zu dieser gehört, dass sich die Ruderin ihren Kaderstatus bei Swiss Rowing erkämpfen und leistungsinterne Tests bestehen muss.
Konsequenz, Wille und Hartnäckigkeit. Diese Eigenschaften waren einst ihre Trümpfe auf dem Weg an die Weltspitze. Und dürften ihr auch bei ihrem Schritt zurück in den Leistungssport helfen, bei dem sie sich allenfalls den Traum von der bisher verpassten Olympia-Medaille doch erfüllen kann.
Die Tests sowie die Ausscheidungsrennen im März werden entscheiden, ob Gmelins Form und Leistung für einen Platz in einem Verbandsboot ausreicht. Kommt hinzu, dass der Quotenplatz im Einer für Paris 2024 noch gar nicht gesichert ist. Das ist nun ihre Aufgabe.
«Es gibt also viel zu tun und die Zeit ist knapp», folgert Gmelin daraus. Was das für die Rückkehrerin bedingt? Absoluten Fokus, volle Konzentration und bedingungslosen Einsatz. Das erfordert aus ihrer Sicht, die Energie zu kanalisieren.
Eine Folge davon: Gegenüber Medien will sich Gmelin vorerst zu ihrem Schritt nicht weiter äussern.
