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Ist er reif für den ersten Weltcup-Sieg?

Kevin Kuhn hat sich in der Weltspitze etabliert. Er hat aber nicht das Gefühl, am Ende der Entwicklung angelangt zu sein.

Kevin Kuhn hat sich der Weltspitze so weit angenähert, dass für ihn der erste Weltcup-Sieg keine Utopie mehr ist.

Archivfoto: Christian Merz

Ist er reif für den ersten Weltcup-Sieg?

Gibswiler Querprofi Kevin Kuhn

Letzte Saison ist Kevin Kuhn im Weltcup regelmässig in die Top Ten gefahren und feierte seine Podestpremiere. Logisch daher: Die Ansprüche sind gestiegen.

Ein Sieg am Radcross Illnau, danach der Erfolg am Quer in Mettmenstetten – besser hätte die Quersaison für Kevin Kuhn nicht beginnen können.

Für den Gibswiler geht es an den Rennen in der Schweiz nicht nur um gute Resultate. Die sind schon fast selbstverständlich für die Nummer 8 der Welt an Wettkämpfen, in denen die internationale Konkurrenz überschaubar ist.

Kuhn will sich hierzulande vor allem ein möglichst gutes Gefühl verschaffen. Für all die Aufgaben ab Mitte Oktober auf der grossen Bühne, im Weltcup und in der belgischen Superprestige-Serie, die auf den besten Schweizer Querfahrer warten.

Es ist wichtig, mit Freude in die Saison zu gehen, keinen Megadruck zu erfinden.

Kevin Kuhn

Was versteht Kuhn unter einem guten Gefühl konkret? «Es heisst, dass ich mich frisch fühle, vor und im Rennen Spass habe und einen guten Rhythmus fahren kann.»

Warum diese Punkte zentral sind, erklärt er so: «Es ist wichtig, mit Freude in die Saison zu gehen, keinen Megadruck zu erfinden.» Der Tösstaler sagt tatsächlich «erfinden». Und zielt auf sich selber.

Denn sein belgischer Rennstall gibt ihm keine Resultatziele vor. Es ist ein Vertrauensbeweis für die Einstellung des erfolgreichen Oberländers, der alles dafür tut, um voranzukommen.

So lebt er etwa seit mehreren Jahren während der Saison in Belgien, weil da das Herz des Quersports schlägt. Fast die Hälfte der Weltcup-Rennen findet heuer in Belgien statt.

Kuhns Entwicklung ist schon fast unheimlich konstant. Egal, ob bei den Junioren, in der U23 oder nun in der Elite – es ist jedes Jahr aufwärtsgegangen.

Acht Top-Ten-Plätze fuhr das Schweizer Quer-Aushängeschild letzte Saison im Weltcup heraus. Im Gesamtweltcup wurde er Siebter. Dazu feierte er mit dem 3. Platz in Val di Sole die Podestpremiere in der wichtigsten Querserie.

Der Leader ohne Tamtam

In seinem Rennstall ist Kuhn als bestklassierter Fahrer der Weltrangliste neu Teamleader. Er ist sich der Rolle bewusst, ohne ein Tamtam daraus zu machen.

«Ich fühle mich nicht so, als müsste ich etwas anderes machen als die anderen», sagt er. Es ist eine Aussage, die zu ihm passt. Kuhn hat sich nach dem Aufstieg in die Weltspitze seine Leichtigkeit bewahrt. Er ist unkompliziert, nie um einen Spruch verlegen und will trotz aller Akribie nicht, dass sich Velofahren ständig wie Arbeit anfühlt.

Dass es so weitergeht wie in den letzten Jahren, sieht er nicht als selbstverständlich an. Aber Kuhn hat auch nicht das Gefühl, am Ende der Leiter angelangt zu sein. Er sagt: «Ich will unbedingt nochmals einen Schritt machen.»

Radquer Illnau 2023 mit Kevin Kuhn als Sieger, hellgelbes Dress, und Timon Rüegg, rotes Dress.
Seine Konstanz ist beeindruckend: Seit Jahren geht es für Kevin Kuhn (links) immer aufwärts.

Heisst das, er peilt den ersten Weltcup-Sieg seiner Karriere an? Der Querprofi lacht. «Das kommt nicht gut, wenn ich so denken würde.»

Der Gibswiler findet es legitim, davon zu träumen. Aber nur schon darüber zu sinnieren, auf welcher Strecke er wohl die besten Chancen auf einen Triumph hätte – das ist nicht sein Ding.

Kuhn sagt: «Ich ging auch vor meinem ersten Weltcup-Podestplatz nicht an den Start mit dem Gedanken: Heute ist mein Tag. Es muss aus der Entwicklung heraus passieren.»

Das gute Erlebnis als Helfer

Kuhn ist überzeugt: «Ich kann überall noch etwas dazulernen.» Was ihm hilft: Er hatte einen besseren Sommer auf der Strasse als 2022. Rund 3000 Rennkilometer sammelte er.

Die Mehrzahl der Einsätze absolvierte Kuhn gar mit dem World-Tour-Team Intermarché-Circus-Wanty, obwohl er bei dessen Nachwuchsteam unter Vertrag steht.

Dass die Resultate nicht berauschend sind, ist zu erklären. Kuhn musste Helferdienste verrichten. Und sagt: «Es war ein gutes Erlebnis.»

Im Gelände hat er eine dominante Rolle inne, hier zählen die Resultate. Um die 30 Rennen dürfte Kuhn bestreiten, der Fokus liegt auf dem Weltcup und der Superprestige-Serie.

Auch an der EM Anfang November in Frankreich startet er. Fünfter wurde Kuhn im Vorjahr an den kontinentalen Meisterschaften. Seine Ansprüche sind nach der letzten erfolgreichen Saison generell gestiegen.

Das zeigt sich auch am Beispiel der EM. Sie geniesst zwar keinen hohen Stellenwert für ihn. Kuhn sagt trotzdem: «Wenn man mal gross denkt, kann ich da vielleicht aufs Podest fahren.»

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