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Der Wetziker Erfolgshunger ist gross

Er hat Ambitionen und ein starkes Team: Der EHC Wetzikon peilt den Titelgewinn an.

Letzte Saison war für den EHC Wetzikon (Gilles Buff, rechts) im Halbfinal gegen Bellinzona Schluss.

Archivfoto: Christian Merz

Der Wetziker Erfolgshunger ist gross

Erstligist startet zur Saison

Der EHC Wetzikon hat ein schlagkräftiges Team. Und ein entsprechend hohes Ziel. Der Kollaps in der letzten Saison soll ihm dabei ein Lehrblätz sein.

An den Ansprüchen hat sich nichts geändert. Der EHC Wetzikon hat sich in der am Samstag beginnenden Erstliga-Saison den Titel zum Ziel gesetzt. Oder um es in den Worten von Sportchef Diego Piceci zu sagen: «Wir wollen den ‹Chübel›.»

Das muss aber auch die Erwartungshaltung der Oberländer Equipe sein, führt man sich ihre jüngere Vergangenheit vor Augen. In den letzten fünf Saisons, in denen die Qualifikation fertig gespielt werden konnte, war der EHCW nur einmal schlechter als auf Platz 2 klassiert – und da wurde er Dritter.

Kämpfen kann man immer, auch wenn es nicht gut läuft.

Christian Modes, Trainer EHC Wetzikon

Viermal standen die Wetziker danach im Final der Ostgruppe. Einziger Ausreisser: Das Halbfinal-Aus gegen den späteren Aufsteiger Bellinzona diesen Frühling.

Der EHCW verspielte im 4. Spiel die Chance auf eine «Belle», indem er in der Schlussphase innert 51 Sekunden drei Gegentore kassierte. Es war das bittere Ende einer Saison, in der die Mannschaft von Trainer Christian Modes nur wenig wirklich gute Partien zeigte. Und dank viel individueller Klasse eben doch wieder die Chance auf den Finaleinzug hatte.

Für Modes hat der Kollaps, so weh er tat, somit sein Gutes. «Es gab eins auf den Deckel. Jeder weiss nun: So geht es nicht.»

Der EHCW muss an seiner DNA schrauben, muss lernen, nicht nur auf sein Talent zu vertrauen. Oder salopp gesagt: Gefragt ist schon in der Qualifikation weniger Kunst, dafür mehr Feuer, Wucht und beherzte Arbeit.

«In die Schüsse liegen, die Checks fertig machen. Kämpfen kann man immer, auch wenn es nicht gut läuft», sagt Modes dazu. «Und genau da wollen wir hin.»

Von wegen «pläuschlen»

Die Wetziker verfügen über eine breit besetzte Mannschaft, in der zahlreiche neue Spieler stehen. Einerseits Junge wie beispielsweise die zwei Stürmer Sebastian Bratko (20) und Ari Hochheuser (18), die beide aus dem ZSC-Nachwuchs gekommen sind.

Andererseits Erfahrene wie Pascal Blaser (26), Thomas Büsser und Nils Berger (beide 32), die zusammengezählt auf die stolze Zahl von über 400 NLA- und 600 NLB-Spielen kommen.

Diese drei Zuzüge sind allein von ihrem Renommee her Leaderfiguren, die den Karren ziehen können. Und sie bringen die nötige Gelassenheit mit. Das Wichtigste aber: Die neu verpflichteten Routiniers sind bereit, die Verantwortung zu schultern.

Denn an Hunger fehlt es ihnen nicht, wie Modes sagt: «Die kommen nicht zu uns, um zu ‹pläuschlen›. Die wollen Erfolg.»

Alle Linien können skoren. Das macht uns stärker.

Christian Modes, Trainer EHC Wetzikon

Der Mix im Team aus lernbegierigen Jungen und etablierten Spielern gefällt dem Trainer. Das Team dürfte derweil homogener sein als letzte Saison. Da wackelte der EHCW in der Defensive für ein Spitzenteam zu häufig. Zugleich war er in der Offensive zu stark abhängig von der aus Brent Buchmüller, Nils Berni und Gian Andrea Thöny gebildeten ersten Linie. Das machte ihn für die Gegner leichter auszurechnen.

Topskorer Buchmüller ist ebenso weg wie Timon Vesely. Zwei Stürmer also, die viel Eiszeit beanspruchten. Die Karten in der Offensive wurden neu gemischt. Auch dank Berger und zwei Zuzügen aus der höchsten Amateurliga MHL (Leeroy Rüsi und Rubio Schir) ist Modes überzeugt, jetzt über vier ausgeglichen Sturmlinien zu vergnügen. «Alle Linien können skoren. Das macht uns stärker.»

Personell prominenter besetzt ist in jedem Fall die EHCW-Abwehr. Durch das Engagement von Büsser und Blaser hat Modes gleich sechs erfahrene Verteidiger zur Verfügung – neben drei Jungen. Neu setzen die Wetziker hinten nicht mehr auf Manndeckung, sondern auf eine Zonendeckung. Der Trainer sagt zum neuen System: «Es klappt schon ganz gut.»

Der feine Unterschied

Modes ist guter Dinge. Er lobt die Intensität in den Trainings, die Teamchemie und ist mit dem konditionellen Zustand der Mannschaft zufrieden. Der 50-jährige Winterthurer tritt trotzdem als Warner auf. Um allenfalls unrealistischen Vorstellungen im Umfeld und bei den Fans vorbeugend entgegenzuwirken.

Klar, der EHCW hat Ambitionen und ein starkes Team. «Aber andere Teams können auch Hockey spielen», sagt er mit Nachdruck. MHL-Absteiger EHC Dübendorf etwa. Oder Schweizer Meister Wil, Qualifikationssieger Luzern und auch das erneuerte und verstärkte Team aus Reinach.

Was derweil keine neue Erkenntnis ist: Der Weg zum «Chübel» ist in jedem Fall steinig. Beim EHCW spricht man dabei absichtlich vom Meistertitel als Ziel und nicht vom Aufstieg in die MHL. Um sich alle Optionen offenzuhalten.

Diese Differenzierung dürfte für die Mannschaft sowieso keine Rolle spielen. Sie will im Prinzip ja nur eines: möglichst erfolgreich sein.

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