Für diese Premiere muss sie leiden
Hinwiler Bikerin Vera Looser
Vera Looser gewinnt erstmals ein Weltcup-Rennen. 4500 Höhenmeter bewältigt sie dafür, die Schlusssteigung ist aus ihrer Sicht nur eines: brutal.
Vera Looser trainierte in den letzten Wochen vor allem lange Aufstiege. «Ihre grösste Schwäche», wie sie selber findet. Und der Aufwand hat sich gelohnt.
Die in Hinwil lebende Namibierin entschied das Marathon-Weltcup-Rennen im französischen Morzine für sich. Die zweifache Olympiastarterin liess die bosnische Weltcup-Leaderin Lejla Njemcevic auf dem 2. Platz um über anderthalb Minuten hinter sich. Dritte wurde die Schweizerin Irina Lützelschwab.
«Was für ein Tag in den französischen Alpen», freute sich Looser auf ihrem Instagram-Kanal. Und machte kein Geheimnis daraus, dass sie für ihren Erfolg hatte leiden müssen. Was sie allerdings genau so erwartet hatte: «Ich wusste, gegen Ende wird das ein Überlebensrennen.»
Der Blick auf den Umfang lässt erahnen, was die Fahrerinnen in den mehr als sechs Stunden bis ins Ziel leisteten. 100 km lang war der Kurs, gespickt mit fast 4500 Höhenmetern.
«Die letzten sieben Kilometer des Aufstiegs waren schlicht brutal», beschreibt Looser. «Speziell die letzten 500 Meter», in denen sie nicht mehr fahren konnte, sondern zu Fuss unterwegs war. «Als ob meine Beine zu diesem Zeitpunkt nicht bereits genügend geschmerzt hätten», scherzte Looser.
Gut für die 29-Jährige, die eine starke Abfahrerin ist: Die letzten 15 km des Kurses führten vorwiegend abwärts, sodass sie nicht mehr Gefahr lief, noch eingeholt zu werden.
Der Triumph in Südafrika
Der Erfolg von Looser kommt nicht etwa aus dem Nichts. Beim Marathon-Weltcup-Rennen im Juni war sie bereits auf Rang 3 gefahren. Erst wenige Monate ist es zudem her, seit sie am prestigeträchtigsten Bike-Mehretappen-Rennen der Welt triumphierte.
Mit ihrer Partnerin Kim Le Court gewann sie im März das Cape Epic in Südafrika. In der 6. von 7 Etappen rissen sie die Führung in der Gesamtwertung an sich.
Im August gewann Looser dann mit Le Court auch noch das fünftägige Etappenrennen Swiss Epic. «Ich habe ein glückliches Herz», sagte Looser danach. Die Aussage dürfte auch auf die Gefühlslage nach dem Triumph in Frankreich passen.
