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So stehen die Oberländer Olympia-Chancen

Gefragt sind Resultate: Für viele Oberländer Sportlerinnen und Sportler steht aktuell der Kampf ums Olympiaticket im Zentrum.

Eine attraktive Kombination: der beleuchtete Eiffelturm und die fünf olympischen Ringe.

Foto: Keystone

So stehen die Oberländer Olympia-Chancen

Paris 2024

In weniger als einem Jahr finden die Olympischen Spiele statt. Welche Oberländer Sportlerinnen und Sportler haben die Limiten bereits erfüllt? Und wer ist auf gutem Weg? Eine Rundschau.

In genau 335 Tagen beginnen die Olympischen Spiele 2024. 329 Wettbewerbe in 32 Sportarten stehen in Paris auf dem Programm. Zahlreiche Sportlerinnen und Sportler aus dem Oberland haben sich zum Ziel gesetzt, am Start zu sein.

So reichhaltig das olympische Buffet ist, so unterschiedlich sind die Wege in den einzelnen Sportarten, sich für den grössten Multisportanlass der Welt zu qualifizieren. An den Spielen 2021 in Tokio nahmen fünf Oberländerinnen und fünf Oberländer teil.

In Paris dürften es – auch nach den Rücktritten von Ruderin Jeannine Gmelin und Schwimmerin Maria Ugolkova – ähnlich viele sein.

Sie haben die Limite geknackt

So sieht Lockerheit aus: Beschwingt tanzt Marathonläufer Tadesse Abraham zur Musik von Bob Marley. Der Läufer des LC Uster lacht vergnügt – und streckt die Zunge kurz raus.

Die auf seinem Instagram-Kanal geteilten Aufnahmen stammen aus dem kenianischen Hochland. Da bereitet sich der beste Schweizer Langstreckenläufer auf den Berlin Marathon vom 24. September vor. Abraham kann das Rennen ohne Druck anpacken.

Im März unterbot er am Marathon in Barcelona mit 2:06:43 Stunden die geforderte Zeit für die Olympischen Spiele (2:08:10) deutlich. Für Abraham (41) wäre es die bereits dritte Olympia-Teilnahme. In Rio de Janeiro 2016 gelang ihm mit Platz 7 ein Topergebnis, in Tokio gab er auf. 38 war Abraham damals, sagte aber frühzeitig, dass er bis Paris weitermacht.

Ich habe für nächstes Jahr viel Selbstvertrauen aufbauen können.

Antonio Djakovic

Letzteres stand für Antonio Djakovic nach seiner Olympia-Premiere in Tokio ausser Frage. Der Ustermer Schwimmer ist 20 Jahre jünger als Abraham. Erst 21 wird der Athlet des SC Uster Wallisellen im Oktober. Seit der WM in Fukuoka Anfang August kann er sich ebenfalls gezielt auf seine nächsten Olympischen Spiele vorbereiten.

Djakovic knackte in Japan im Vorlauf die Limite über 400 m Crawl, wurde später WM-Sechster. Das Bemerkenswerte daran: Der EM-Zweite über 200 und 400 m Crawl war aufgrund von Verletzungen mit einem Trainingsrückstand und Zweifeln an die Titelkämpfe geflogen.

Asien verliess Djakovic mit der Gewissheit, auch ohne optimale Voraussetzungen liefern zu können. Sein Fazit: «Ich habe für nächstes Jahr viel Selbstvertrauen aufbauen können.»


Sie wären zum jetzigen Zeitpunkt dabei

Nadja Minder dürfte der Öffentlichkeit im Oberland kaum bekannt sein. Sie übt einen Sport aus, der keine grossen Schlagzeilen generiert: Eventing. Spätestens nächsten Sommer aber könnte ihr Name geläufiger werden.

Der aus Horben bei Illnau stammenden Vielseitigkeitsreiterin, die einst von den Spielen 2012 inspiriert wurde, winkt die Olympia-Premiere. Mit dem Schweizer Team hat sie sich in der aus den drei Teilen Dressur, Geländeritt und Springen bestehenden Disziplin letzten September einen Quotenplatz geholt.

Wie häufig denkt sie in ihrem Alltag jetzt schon an die Spiele 2024? «Sie sind total präsent», sagt Minder. «Der Druck steigt. Auch jener, den man sich selber macht.»

Ich habe recht gute Chancen.

Nadja Minder

Zwar kann ein Schweizer Quartett nach Paris reisen, jemand aber nur in der Reserverolle. An Olympia bilden jeweils drei statt vier Reiterinnen und Reiter das Team, dafür entfällt das Streichresultat. Der interne Konkurrenzkampf um die drei Startplätze ist gross. Minder glaubt dennoch: «Ich habe recht gute Chancen.»

Einer ihrer Trümpfe: Sie verfügt über gleich drei qualifizierte Pferde, mit denen sie teilnehmen dürfte. Das hat ihrer Meinung nach auf dem europäischen Festland kaum jemand anderes geschafft. Mit dieser Breite hat Minder die Möglichkeit, auf die Verletzung eines Pferdes reagieren zu können.

«Ich habe drei Eisen im Feuer. Damit bin ich auf einem besseren Weg», freut sie sich.

Drei Medaillenkandidaten

Ebenfalls auf Olympia-Kurs befinden sich die Judokas Nils Stump und Fabienne Kocher. Das Duo machte 2021 seine erste Olympia-Erfahrung. Für den Ustermer Stump liefen die Spiele in Japan nicht wie erhofft, danach schrieb der 26-Jährige in der Kategorie bis 73 kg aber mehrfach nationale Judogeschichte.

Der vorläufige Höhepunkt: Im Mai wurde Stump als erster Schweizer Weltmeister. Sein nächstes Ziel ist der Gewinn einer Olympia-Medaille.

Die jüngsten Erfolge haben ihn im Qualifikationsranking auf Platz 2 klettern lassen. Etwas weniger feudal, aber als Zwölfte in der Kategorie bis 52 kg immer noch gut ist die Lage von Fabienne Kocher. Die Riedikerin wäre aktuell ebenfalls qualifiziert. Die 30-Jährige peilt in Paris den Sprung aufs Podest an. Um nachzuholen, was sie in Tokio mit Rang 5 verpasste.

Zu den Oberländer Olympia-Medaillenhoffnungen 2024 zählt auch Simon Marquart. Seine Geschichte ähnelt jener von Stump. Der Mönchaltorfer schrieb in seiner Sportart BMX grosse Schlagzeilen, 2022 feierte er als erster Schweizer den Weltmeistertitel.

Vor Kurzem wurde Marquart zwar entthront. Und seit Monaten ist ihm kein Spitzenresultat mehr gelungen. Beunruhigen lässt sich der Oberländer, der an den Spielen 2021 nach einem Sturz in der Qualifikation scheiterte, dadurch nicht. Er besitzt das Selbstverständnis eines Siegfahrers.

Zudem stimmt der Kurs Richtung Olympia. Marquart liegt in der internen Wertung an zweiter Stelle. Im Nationenranking sind die Schweizer Männer Dritte – sie hätten derzeit also zwei Quotenplätze zur Verfügung.


Sie müssen liefern

Martin Fuchs, Fabienne Schlumpf und Estelle Wettstein waren in Tokio alle am Start. Nun stehen für sie wegweisende Wettkämpfe an.

Der Bietenholzer Springreiter Martin Fuchs ist mit dem Schweizer Team an der EM in Mailand (29. August bis 3. September) unter Druck. Noch hat sich die Schweiz keinen Mannschaftsquotenplatz für 2024 gesichert, mit dem man zugleich drei Quotenplätze im Einzel erhält.

Sieben Nationen kämpfen um die in Italien zu vergebenden drei Team-Tickets. Bleibt die Schweiz aussen vor, steht Fuchs immerhin noch der Weg über die Olympia-Rangliste offen. Aktuell liegt die Weltnummer 4, deren Medaillenträume in Tokio im Final an den letzten zwei Hindernissen platzten, aber ausserhalb der Quotenplätze.

Die Schweizer Dressur-Equipe mit der Wermatswilerin Estelle Wettstein befindet sich in einer vergleichbaren Situation wie die Springreiter. Sie muss sich an der EM in Deutschland (4. bis 10. September) eines der letzten drei Tickets sichern.

Wie Fuchs könnte sich Wettstein fürs Einzel ebenfalls über die Olympia-Rangliste qualifizieren, liegt in dieser aber etwas im Hintertreffen.

Derweil schlägt für Fabienne Schlumpf am 24. September der Tag der Wahrheit. Die Wetzikerin macht sich in Berlin im Marathon auf Limitenjagd. 2:26:50 Stunden muss die zweifache Olympia-Starterin unterbieten, ihre Bestzeit liegt bei 2:26:14. Scheitert Schlumpf in Berlin an der Hürde, könnte sie im Frühjahr 2024 noch einen weiteren Versuch unternehmen. Eine Qualifikation über die Weltrangliste ist ebenfalls möglich.

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