Ein Arbeiter für die EM-Auswahl
Volleyballer aus Riedikon
Er gab den erlernten Beruf auf, um nur noch Volleyballer zu sein. Nun rückt Simon Maag im Nationalteam in die Startformation auf – wenige Tage vor der EM.
In seinem Stammklub hätte man ihn gerne behalten. «Er war in vielen Spielen unser bester Volleyballer», sagt Dalibor Polak, der Trainer des Nationalliga-A-Teams aus Jona, über Mitteangreifer Simon Maag. «Er hat seine Punkte am Block gemacht und war effizient im Angriff.»
Der bald 22-Jährige habe in den letzten zwei Jahren riesige Fortschritte gemacht, findet Polak. So grosse, dass er nun fortgeht – zu Chênois, einem der Topklubs der höchsten Spielklasse.
Ich will meinen Horizont erweitern.
Simon Maag
Im September wird Simon Maag deshalb ausziehen, das Elternhaus in Riedikon bei Uster verlassen und nach Genf in eine WG mit zwei künftigen Teamkollegen zügeln. Er tut dies, um ein noch besserer Volleyballer zu werden.
«Ich will meinen Horizont erweitern», erklärt er. «Ich glaube, das wird mich extrem viel weiterbringen. Ausserhalb der Komfortzone lernt man schneller. Man nimmt es dann nicht so locker.» Er müsse vor allem das Spiel besser verstehen und lesen lernen.
Begehrt von fast allen
Simon Maag ist eine der Entdeckungen der letzten Saison. Er habe von allen NLA-Klubs ein Angebot gehabt ausser von einem, verrät der begehrte 2,02-Meter-Sportler. Mit dem Wechsel in einen Topverein geht er denselben Weg wie sein Bruder Joel.
Über ihn war er zum Volleyball gekommen: An Joels 18. Geburtstag überreden ihn dessen Teamkollegen an der Party zu einem Probetraining. Simon war 15, hatte sechs Jahre Unihockey gespielt, «aber nur zum Bewegen», schmunzelt er.
Simon ist schnell und ein guter Angreifer.
Mario Motta, Schweizer Nationaltrainer
Joel war sein Vorbild, Nationalspieler, wechselte zum ambitionierten Amriswil, erhielt aber im Thurgau wenig Einsatzzeit. Inzwischen hat er mit Volleyball aufgehört. Hat Simon keine Angst, bei Chênois ebenfalls nur in der Ecke bei den Ersatzspielern zu stehen?
«Nein», antwortet er. «Die Chance besteht immer, dass man nicht spielt. Aber ich habe das Gefühl, es wäre möglich, ins Team zu kommen. Ich muss mich nur noch durchsetzen.»
Dabei bei etwas Grossem
Warum auch nicht? Vor einem Jahr wurde Simon Maag selbst ins Nationalteam berufen. In der Statistik des Verbands wird er mit neun Länderspielen geführt. «Ich kam aber noch nie zum Einsatz», präzisiert der Ustermer.
2022 war er vierter Mittespieler im Kader, ein Volleyballer für die Zukunft, der an höhere Aufgaben herangeführt wird. «International ist alles ein bisschen schneller und höher als in der Schweiz», hat er erkannt.
Auch dieses Jahr trainiert Simon Maag seit dem 30. Juni fast ohne Unterbruch mit dem Nationalteam. Die Stimmung am Stützpunkt in Schönenwerd ist locker, es wird gescherzt und gejasst.
«Man merkt aber, dass es ein Lager ist für eine Weiterentwicklung. Es wird uns immer wieder gesagt, dass wir auf etwas Grosses hinarbeiten, das vielleicht nicht mehr oft vorkommt.» Erstmals sicherten sich die Schweizer ein EM-Ticket, am 30. August startet das Team ins Turnier.
Es ist das nächste Schaufenster für Simon Maag: Nach der Verletzung von Mischa von Burg rückte er zuletzt in die Stammsechs auf. «Simon ist schnell und ein guter Angreifer», begründet Nationalcoach Mario Motta seine Wahl.
Auch die Ziele des bald 22-Jährigen werden gerne vernommen. Als gelernter Bäcker-Konditor steht Simon Maag seit eineinhalb Jahren nicht mehr in der Backstube, sondern setzt ganz auf Volleyball – um den Sport irgendwann zum Beruf zu machen.
Der Weg dahin führt über noch mehr Training. «Jeder Ballkontakt bringt dich weiter», sagt der Ustermer. Sein bisheriger Klubtrainer versichert, Simon Maag habe nie ein Training ausgelassen – auch nicht die freiwilligen in der Zwischensaison. Ja, meint auch Maag selber, er sei ein Arbeiter, weniger ein Talent.
«Am Anfang hatte ich nur das Ballgefühl und die Grösse. Ich musste mir alles erarbeiten.» Das sei kein Nachteil, findet Jona-Trainer Polak: «Von der Arbeit kommt manchmal das Talent.»
