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Eine Neuerung aus der Not heraus

Das Format am 5-Tage-Berglauf-Cup ist wie immer. Bei der 39. Austragung sticht eine Änderung aber ins Auge.

Wahnsinnig schön und wahnsinnig streng zugleich: Läuferinnen und Läufer auf dem Weg zum Hörnli.

Archivfoto: Christian Merz

Eine Neuerung aus der Not heraus

Oberländer Traditionsanlass

Beim 5-Tage-Berglauf-Cup sind seit Jahren dieselben fünf Strecken in derselben Reihenfolge im Programm gewesen. Damit ist nun Schluss.

Umwälzungen? Nein, die hat es am 5-Tage-Berglauf-Cup in den letzten paar Jahren nicht gegeben. Warum auch? Seit 1985 hat sich das Konzept von fünf kurzen Bergläufen im Zürcher Oberland an fünf aufeinander folgenden Abenden bewährt.

Der Breitensportanlass ist gut etabliert. Das primär aus der Region und dem restlichen Kanton Zürich kommende «Stammpublikum» räumt der Beständigkeit des Anlasses eine hohe Bedeutung ein.

Zwei spezielle Ausgaben hat es in jüngerer Vergangenheit zwar gegeben – allerdings wegen der Pandemie. Nach den digitalen Varianten 2020 und 2021 kehrten die Veranstalter aus den Reihen des SC am Bachtel im Vorjahr zum üblichen Format zurück.

In diesem findet auch die 39. Austragung ab Montag statt. Für einmal aber haben die Macher eine augenfällige Änderung vorgenommen. Sie haben die Etappen 3 und 5 getauscht. Das heisst konkret: Am Mittwoch steht nun das Teilstück durchs Kemptner Tobel zum Türli an. Am Freitag ist dafür das Rennen von Steg aus aufs Hörnli.

Die fünf Etappen

1: Von Wald auf die Farneralp (Länge: 5,4 km/Höhendifferenz: 535 m)
2: Von Bauma auf den Sonnenhof (Länge: 4,3 km/Höhendifferenz: 310 m)
3: Von Kempten zum Türli (Länge: 3,9 km/Höhendifferenz: 241 m)
4: Von Wernetshausen auf den Bachtel (Länge: 3,6 km/Höhendifferenz: 375 m)
5: Von Steg aufs Hörnli (Länge: 5,1 km/Höhendifferenz: 430 m)

Weshalb aber der Wechsel? OK-Chef Martin Zisler sagt: «Im Prinzip ist es die Folge des Kostendrucks.» Praktisch jeder Ausgabeposten des Traditionsanlasses hat sich laut ihm verteuert – von den Sanitätern bis zu den Verbandsabgaben.

Die letzte Austragung wies lediglich eine schwarze Null auf – trotz leicht erhöhten Startgebühren. Was im Organisationskomitee zur Erkenntnis führte: «Wir müssen etwas ändern.»

Der Umzug ins Tösstal

Zisler sagt: «Fünf Pop-up-Läufe zu organisieren, ist eine ‹Büez›. Das braucht viele Leute, viel Herzblut. Wenn am Schluss für den Verein dabei nichts mehr herausschaut, kann man den Anlass den Mitgliedern nicht mehr verkaufen.»

Wie aber senkt man durch den Etappentausch überhaupt Kosten? Indem sich die Veranstalter für den Schlussabend mit der Siegerehrung nicht mehr wie zuletzt in der Bäretswiler Mehrzweckhalle einmieten müssen. Stattdessen können sie dafür den Gemeindesaal in Fischenthal zum Nulltarif nutzen.

Ob diese und weitere Massnahmen reichen, den Ertrag zu steigern? Zisler hofft darauf. Er kann eine gewisse Skepsis aber nicht verbergen und sagt: «Es wird eher knapp werden. Aber was soll ich jammern? Wir machen das Beste daraus.»

Für ambitionierte Läuferinnen und Läufer ist es schon wichtig, dass Zugpferde am Start stehen.

Martin Zisler, OK-Chef

Immerhin: Der Zuspruch ist im Rahmen der Vorjahre. Das ist ein Lichtblick. Mitte Woche waren etwas über 170 Läuferinnen und Läufer angemeldet. Die Titelverteidiger Nadja Kessler und Jens-Michael Gossauer sind von den Veranstaltern angeschrieben worden und haben ihr Kommen angekündigt.

Das freut Zisler, der sagt: «Für ambitionierte Läuferinnen und Läufer ist es schon wichtig, dass Zugpferde am Start stehen.» Diese werten die Rennserie gleich auch noch sportlich auf. In den vergangenen Jahren nutzten jedenfalls regelmässig Topathletinnen und Topathleten aus verschiedenen Sportarten einzelne Etappen als Trainings.

Die Vorjahressieger sind da

Der Gesamtsieg bei den Frauen und Männern dürfte derweil erneut über Kessler und Gossauer führen. Beide haben die Cup-Wertung schon zweimal für sich entschieden. Kessler 2018 und 2022, Gossauer setzte sich bei den Austragungen 2019 und 2022 durch.

Der zweifache Langdistanz-Vizeweltmeister im Duathlon hält vier der fünf Streckenrekorde. Im Klassiker von Wernetshausen auf den Bachtel steht dem Athleten des LC Uster aber noch jemand vor der Sonne. Im kürzesten Lauf der Woche – dafür weist keiner eine höhere Steigung auf – war nie jemand schneller als Stephan Wenk.

Der Bertschiker hält noch weitere Rekorde am 5-Tage-Berglauf-Cup. Er gewann die Gesamtwertung neunmal, 40 Einzelsiege hat der routinierte Trailläufer über die Jahre hinweg gesammelt.

Ob heuer ein weiterer dazukommt? Vielleicht. Der 40-Jährige, der im Juni an der Offroad-WM in Innsbruck als Elfter bester Schweizer wurde, plante, am Wochenende den Bergklassiker Sierre–Zinal zu bestreiten. Danach hätte er wohl Erholungszeit benötigt.

Kurzfristig aber gab Wenk für das Rennen im Wallis nun Forfait. Mit der Erklärung: «Die Teilnahme hätte nicht zu einem Ergebnis geführt, das mich befriedigt hätte.»

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