Wenn der grobe Plan aufgeht
Ustermer Judoka
Gioia Vetterli hat an der Universiade in China viel Selbstvertrauen getankt – sie gewann Bronze.
Am Dienstag sind im chinesischen Chengdu die Studenten-Weltspiele zu Ende gegangen. Am elften und letzten Wettkampftag standen einzig noch die Entscheidungen im Wasserball an. Und fand die Schlussfeier statt.
Gioia Vetterli erlebte die Abschlusszeremonie nicht mehr live vor Ort mit. Die Ustermerin ist längst wieder zurück im Trainingsalltag. Sie landete schon am Nationalfeiertag in der Heimat. Ihre Erinnerungen an den Multisportanlass in Asien, an dem rund 10’000 Athletinnen und Athleten teilnahmen, sind aber natürlich noch frisch. Und vor allem überaus positiv.
Vetterli gewann in der Gewichtsklasse bis 70 Kilogramm die Bronzemedaille. Die 24-Jährige liess sich dabei auch von der Niederlage im zweiten Kampf nicht aus der Ruhe bringen. Und packte ihre Chance via Hoffnungsrunde.
Ist die Universiade-Medaille ihr bisher grösster Erfolg? Die Nationalkader-Athletin überlegt kurz. «Sicher einer der grössten», sagt sie. Und findet, vom Gefühl her sei der Sieg am European Open in Warschau im Februar sicher vergleichbar.
Die gute Balance
In der polnischen Hauptstadt aber war der Rahmen ein ganz anderer als jetzt in Chengdu. Die Studenten-Weltspiele in China ähnelten durchaus Olympischen Spielen, wie Vetterli findet.
Mit den riesigen Wettkampfstätten, dem Athletendorf auf dem Unicampus, in dem viele Erlebniszonen eingerichtet waren. Aber auch dem Teamgedanken, der an einem solchen Multisportanlass vorhanden ist.
«Das war schon cool», schwärmt die Ustermerin, die nach 2019 zum zweiten Mal an einer Universiade teilnahm.
Eine Medaille zu gewinnen, ist immer positiv für den weiteren Weg.
Gioia Vetterli
Die bei der Premiere in Neapel gemachten Erfahrungen dürften ihr geholfen haben, in Chengdu eine gute Balance zu finden. Um die Atmosphäre aufsaugen, all die Erlebnisse geniessen zu können.
Wie etwa die Eröffnungsfeier, die Vetterli «mega» fand. Oder die Begegnungen mit anderen Athletinnen und Athleten. Und dennoch rechtzeitig auf den Wettkampf hin den Fokus wiederzufinden, ohne den Erfolge nicht möglich sind.
Paris 2024: Warum nicht?
Vetterli war ohne konkretes Ranglistenziel angetreten. Stattdessen setzte die Weltnummer 108 auf einen «Grobplan», wie sie ihre Strategie bezeichnet.
Diese sah vor, Kampf für Kampf zu nehmen. Und möglichst in jedem Einsatz das volle Potenzial abzurufen. «Das ist ziemlich gut aufgegangen», hält Vetterli fest, die in Chengdu die erste Schweizerin war, die den Sprung aufs Podest schaffte.
Es ist nicht unmöglich, aber ich muss mich sputen.
Gioia Vetterli über eine mögliche Olympia-Qualifikation
Was könnte der Erfolg bewirken? Er gibt Vetterli Selbstvertrauen. Sie sagt: «Eine Medaille zu gewinnen, ist immer positiv für den weiteren Weg.» Die Sportmanagement-Studentin hat ehrgeizige Ziele formuliert. Sie strebt auf nächste Saison hin beispielsweise den Sprung ins Schweizer Grand-Slam-Kader an. Und hat die Olympia-Premiere in Paris ebenfalls noch nicht abgeschrieben.
Im entsprechenden Ranking liegt Vetterli allerdings nur auf Rang 100, also klar ausserhalb der Quotenplätze. «Es gibt schon noch ein paar Etappen, die ich schaffen müsste», ist sie sich bewusst. Und fügt leichthin an: «Es ist nicht unmöglich, aber ich muss mich sputen.»
Chengdu weckte den Hunger auf mehr
An der Universiade im chinesischen Chengdu sind neben Judoka Gioia Vetterli weitere Athletinnen und Athleten aus der Region im Einsatz gewesen. Die wie Vetterli aus Uster stammende Badmintonspielerin Milena Schnider, der Hinteregger Tischtennisspieler Elias Hardmeier sowie Kunstturner Ian Raubal. Der Fällander war mit seinen Leistungen zufrieden. Der Nationalkaderathlet, der in den USA an der Pennsylvania State University studiert und da Teil der Turnmannschaft ist, wurde im Mehrkampf Zwölfter. Mit dem Team klassierte er sich auf Rang 8. Sein Fazit: «Ich habe Hunger auf mehr.»
Der in der 3. Tischtennis-Bundesliga engagierte Elias Hardmeier überstand in Chengdu die Qualifikation im Einzel souverän, in der 2. Runde scheiterte er trotz gutem Auftritt. Im Doppel war im Achtelfinal Schluss, mit dem Team im Viertelfinal. Badminton-Spielerin Milena Schnider unterlag derweil im Einzel nach einem Freilos zum Auftakt in der 2. Runde der späteren Bronzemedaillengewinnerin. Im Doppel verlor sie mit ihrer Partnerin in der Startrunde. Mit dem Schweizer Mixed-Team belegte Schnider den 13. Rang (zo)
