Die Aufsteigerin der Saison hat noch nicht genug
Ustermerin nach EM-Silber
An der U23-EM holte sie mit der Staffel 400-m-Silber, nun will Catia Gubelmann auch an der SM in Bellinzona aufs Podest. Wer ist die Ustermerin?
Noch sind sie allgegenwärtig, diese Gefühle. Für die Ustermerin Catia Gubelmann waren die vier Tage an den U23-Europameisterschaften im finnischen Espoo aufwühlend und nachhaltig prägend. Hätte jemand der 20-Jährigen vor zwei Wochen die EM-Silbermedaille mit der 4x400-m-Staffel und die 52,51 Sekunden im Einzelrennen über die 400 m angeboten, sie hätte sofort angenommen. Jetzt aber, nachdem beides realisiert ist, schwingt auch Hader mit.
Als Schlussläuferin der 4x400-m-Staffel stürmte Catia Gubelmann eingangs der Zielgeraden an der führenden Polin vorbei an die Spitze. Doch diese Position geriet auf den letzten Metern in Gefahr. Am Schluss sprach der Zielfilm gegen Gubelmann und die Schweizerinnen: Zwei Hundertstel fehlten zu Gold. Der Schweizer U23-Rekord (3:30,62 Minuten) entschädigte bedingt.
Das Gefühlsgemisch aus Enttäuschung, Stolz und vielen Gedanken hat sich bei der Oberländerin nun aber definitiv eingependelt. Sie sagt: «Die Freude überwiegt jetzt ganz klar. Ich habe Silber gewonnen und nicht Gold verloren.» Und Catia Gubelmann richtet den Blick wieder konsequent vorwärts.
Wieder unter 53 Sekunden?
Für die Betriebsökonomie- und Sportmanagement-Studentin steht ein weiterer Höhepunkt an: die Elite-Schweizer-Meisterschaften von diesem Samstag und Sonntag in Bellinzona. Nach einer Regenerationswoche mit wenig Training will sie ihre Hochform nutzen – heisst: nochmals unter 53 Sekunden laufen, die 52,51 vom EM-Halbfinal angreifen.
Ich renne möglichst schnell und schaue dann, was herausschaut.
Catia Gubelmann
Bewusst ist sich Catia Gubelmann, dass mit einer erneuten Topleistung viel herausschauen könnte. Als aktuelle Nummer 2 der Schweizer Saison-Bestenliste zählt sie zu den Medaillenanwärterinnen. «Ich renne möglichst schnell und schaue dann, was herausschaut», sagt sie – und fügt an: «Unrealistisch scheint ein Podestplatz nicht.» Noch offen ist allerdings, zu welcher Reaktion die etablierten Läuferinnen fähig sind.
Catia Gubelmann ist die Aufsteigerin der Saison. Sechs Rennen über die ganze Bahnrunde hat sie in diesem Jahr bestritten. Eingestiegen war sie im Mai mit 54,69 Sekunden, ihre letztjährige Bestmarke (55,78) verbesserte sie sogleich markant. Und von Rennen zu Rennen steigerte sie sich weiter. Um eine erstaunliche Entwicklung handelt es sich. Nur elf Schweizerinnen sind die Bahnrunde je schneller gelaufen.
Für den Mehrkampf zu klein
Mit dem Sport begonnen hat Catia Gubelmann früh – im TV Uster. Schnell zeigte sich bei der Tochter des profilierten Sportpsychologen Hanspeter Gubelmann die Affinität zur Leichtathletik. Sie wechselte zum LC Uster. In der gemischtgeschlechtlichen und altersdurchmischten Technikergruppe fühlte sie sich wohl – bis sie eine gezieltere Förderung wünschte.
Vor fünf Jahren wechselte sie in die neu gebildete Mehrkämpferinnengruppe zu Manuel Evangelista beim TV Unterstrass. Auf lauter etwa gleich alte, junge, ambitionierte Athletinnen traf sie. Und das Setting passt bis heute. Aufgrund ihrer Leistungsentwicklung stellen sich mit Blick auf die Zukunft dennoch einige Fragen. Letztes Jahr war sie bei den U20 SM-Siebte im Siebenkampf. Nun trug das Schwerpunktsetzen auf die 200 m und 400 m Früchte.
Angesprochen auf ihre Zukunftsausrichtung, sagt sie: «Wir werden analysieren und den weiteren Weg diskutieren.» Nicht zuletzt tut dies die fröhliche, authentische Athletin auch aufgrund ihrer Grösse: Nur 1,59 Meter misst sie – für den Mehrkampf kaum die idealen Voraussetzungen.
