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Sie bleibt für immer ungeschlagen

Nicole Reist verschob Grenzen im Ultracycling. Nun hört die Weisslingerin überraschend auf.

Nicole Reist in Polen unterwegs zu ihrem fünften Weltmeistertitel.

Foto: PD

Sie bleibt für immer ungeschlagen

Weisslinger Ultracyclerin tritt zurück

Rennen über mehr als 1000 Kilometer sind ihre Spezialität. Doch nun hat Nicole Reist genug: Nach dem fünften WM-Titel hört die Weisslingerin auf.

«Beste Ultracyclerin der Welt» steht auf ihrer Website. Darunter ihr Motto: #einfachMACHEN.

Die Beste der Welt – dass sie das ist, hat Nicole Reist soeben erneut bewiesen. Einfach gemacht hat sie danach aber etwas, das zu diesem Zeitpunkt niemand erwartete: Die 39-jährige Weisslingerin, die in Tann aufgewachsen ist, bricht die Saison ab – und beendet ihre Karriere per sofort.

Den Zeitpunkt wollte sie selber bestimmen

«Ich habe mir schon länger Gedanken über den Rücktritt gemacht», sagt Reist. Wichtig sei ihr gewesen, den Zeitpunkt selber zu bestimmen und sich ihn nicht etwa aufgrund körperlicher Beschwerden diktieren zu lassen. Das passt zu ihr. Schliesslich pflegte sie die Grenzen nicht nur auszuloten, sondern sie zu verschieben. Sie pflegte Rekorde zu brechen, Ziele zu erreichen.

Am Sonntag um 17.30 Uhr fährt Reist am Race Around Poland ins Ziel, ein letztes Mal. 3600 Kilometer und 33’100 Höhenmeter sind die Eckdaten des Rennens. 194 Stunden und 41 Minuten benötigt die 39-jährige Weisslingerin dafür – sie ist die schnellste Frau und gewinnt ihren fünften Weltmeistertitel. «Nach acht Tagen harter Strapazen, kaum Schlaf und unbändiger Willensanstrengung», steht in ihrem Communiqué. Das Rennen habe ihr körperlich und mental alles abverlangt. «Dass es kein Zuckerschleck werden würde, war mir vorher schon bewusst.»

Eigentlich wäre die Saison damit noch nicht beendet gewesen. Eigentlich hätte sie auch noch das Race Around Austria bestreiten wollen – nach dem Race Around Denmark und dem Race Around Poland. Für dieses Jahr hatte sie sich die Umrundung von drei Ländern zum Ziel gesetzt – und dabei selbstverständlich drei Siege angepeilt.

Auf ihrer Website formulierte sie plakativ: «Rekorde sind da, um gebrochen zu werden. Die Serie der Ungeschlagenheit ist da, um fortgesetzt zu werden. Die Geschichte soll weitergeschrieben werden.»
7400 Kilometer mit 77’000 Höhenmetern hätten es in dieser Saison total werden sollen. Davon lässt sie die letzten 2200 Kilometer mit 33’500 Höhenmetern in Österreich nun weg.

2023 hätte nur ein Zwischenjahr sein sollen

Und nicht nur das: Vor der Saison hatte Reist noch davon gesprochen, 2024 den Gesamtsieg am Race Across America anpeilen zu wollen. Letztes Jahr hatte sie dort zum dritten Mal bei den Frauen gewonnen, den ersten Gesamtsieg aber auf bittere Weise verpasst. Lange lag sie deutlich in Front, ehe sie nach einem Sturz in der Schlussphase noch von zwei Männern überholt wurde. Das hatte sie angestachelt. Die Saison 2023 hätte eigentlich nur ein Zwischenjahr sein sollen im Hinblick auf 2024, wie Reist vor der Saison schrieb: «Diese Geschichte will ich unbedingt noch fertig schreiben, und diesmal mit einem Happy End.»

Ich verlasse die internationale Rennbühne mit dem guten Gefühl, ungeschlagen geblieben zu sein.

Nicole Reist

Doch daraus wird nun nichts. Denn das Race Around Poland veränderte für sie offenbar alles. «Der jetzige Zeitpunkt fühlt sich für mich total stimmig und richtig an», sagt Reist über ihren Rücktritt. Sie könne ihre Karriere gewissermassen auf dem Höhepunkt beenden. «Ich verlasse die internationale Rennbühne mit dem guten Gefühl, ungeschlagen geblieben zu sein.»

Nun fallen die nächtlichen Trainings weg

Seit 2012 hat Reist bei den Frauen jedes Ultracycling-Rennen, zu dem sie gestartet ist, auch gewonnen. 23 Siege hat sie in dieser Zeitspanne gefeiert. Eine beeindruckende Bilanz. Vor allem, weil Reist währenddessen stets Vollzeit als Hochbautechnikerin in einem Architekturbüro arbeitete. Sie pflegte mitten in der Nacht aufzustehen und zu trainieren. Jetzt sagt sie: «Von nun an werde ich wohl eher gemütlich unterwegs sein, und die nächtlichen Trainingseinheiten, die ich jeweils neben der Arbeit absolvierte, werden mit Sicherheit auch wegfallen.»

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