Erst brillierte er – und zerstörte dann alles
Hinwiler im GP Ungarn punktelos
Während Red Bull auf dem Hungaroring einen Rekord brach, setzte auch das Hinwiler Sauber-Team in Ungarn ein Ausrufezeichen. Allerdings am falschen Tag.
Und dann bleibt Zhou Guanyu einfach stehen. Dem chinesischen Sauber-Piloten sackt am Start zum GP von Ungarn im dümmsten Moment die Drehzahl zusammen. Für einen kurzen Augenblick.
Doch der reicht, um gleich zwei Rennen zu zerstören. Sein eigenes – und das von Valtteri Bottas. Der direkt hinter Zhou gestartete Finne muss ausweichen, verliert an Schwung. Auch Zhou kommt noch weg, geht aber schon in der ersten Kurve zu ungestüm zu Werke und löst eine Kollision aus.
Sein Auto kommt dabei nicht zu Schaden. Er kassiert eine Fünf-Sekunden-Strafe – doch auf die kommt es nun eigentlich auch nicht mehr an. Der Sonntag ist da schon im Eimer für sein Team. «Ich hatte keine Power», funkte der Chinese nach der Zieldurchfahrt noch einmal an die Box. Der Grund dafür wurde ihm nicht mitgeteilt, sein Renningenieur beschied ihm nur: «Das besprechen wir nicht via Funk.»
Seit elf Jahren nicht mehr so weit vorn gestartet
Dabei hätte es ein erfolgreicher Sonntag werden können für Alfa Romeo. Der von der Hinwiler Sauber Motorsport AG geführte Rennstall schien auf gutem Weg zum besten Saisonresultat. Verwundert rieben sie sich am Samstag nach dem Qualifying die Augen, als Zhou den 5. Startplatz herausfuhr und Bottas zwei Plätze dahinter landete.
Ein so gutes Resultat hatten sie selber nicht erwartet – es war das beste Sauber-Qualifying seit dem GP von Japan 2012. Und das ausgerechnet in Ungarn, wo Überholen schwierig ist und die Startplätze umso wichtiger sind.

War das Update am Auto, das vor zwei Wochen in Silverstone noch nicht das gewünschte Resultat brachte, also doch der erhoffte Schritt nach vorn? Würde nun tatsächlich der grosse Befreiungsschlag folgen mit beiden Autos in den Punkterängen?
Die Antwort lautet nein – zumindest auf die zweite Frage. Nach dem verunglückten Start fanden sich beide Autos mitten im Verkehr wieder. Mit frühen Boxenstopps versuchten die Sauber-Strategen den Fahrern einen Vorteil zu verschaffen. Das ging in der ersten Phase des Rennens noch gut, beide Piloten überraschten da mit schnellsten Rennrunden – ein Indiz dafür, dass das Auto vielleicht doch für deutlich mehr gut gewesen wäre.
Aber die grosse Aufholjagd blieb aus. Bottas schaffte es in der Schlussphase nicht einmal an Alex Albon im Williams vorbei, obschon er es immer und immer wieder probierte. Zwölfter wurde er, Zhou beendete das Rennen auf Rang 16. Alles wie (fast) immer also. Ausser Spesen nichts gewesen. Alfa Romeo bleibt auf dem zweitletzten WM-Rang.
Auch an der Spitze gab es am Samstag eine Überraschung: Lewis Hamilton schnappte Max Verstappen die Poleposition weg – und nährte damit die Hoffnung auf ein spannendes Rennen. Doch auch da war kurz nach dem Start die Luft praktisch draussen.
Verstappen macht für Red Bull das Dutzend voll
Hamilton kam im Mercedes viel schlechter weg als Verstappen im Red Bull. Der holländische WM-Leader fuhr auf und davon und siegte am Ende mit über einer halben Minute Vorsprung auf Lando Norris im McLaren und Sergio Perez im zweiten Red Bull.
Verstappen machte damit das Dutzend voll: Mit dem zwölften Red-Bull-Sieg in Serie brach der österreichische Rennstall einen Rekord aus der Saison 1988. Damals sorgten Ayrton Senna und Alain Prost für elf McLaren-Siege in Folge.
Verstappen selber ist auf Kurs zum dritten WM-Titel in Serie. Sein Punktepolster hat er auf 110 Zähler ausgebaut. Bei Saisonhälte ist damit schon klar: Der Holländer könnte es sich leisten, in den verbleibenden elf Rennen jeweils nur als Zweiter ins Ziel zu kommen, und würde den Titel doch verteidigen.
