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«Ein Sieg muss schon noch her»

Randy Krummenacher will in der zweiten Saisonhälfte angreifen – auch seinen Teamkollegen.

«Das Level ist extrem hoch»: Randy Krummenacher ist in der MotoE gefordert.

Foto: Alex Farinelli

«Ein Sieg muss schon noch her»

Oberländer MotoE-Pilot

Randy Krummenacher (33) liegt in seinem ersten MotoE-Jahr bei Saisonhälfte auf Rang 4. Der Grütner zieht Zwischenbilanz.

Drei Podestplätze, der vierte WM-Rang – sind Sie mit dieser Halbzeitbilanz zufrieden?

Randy Krummenacher: Ja, durchaus. Ich hatte mir zwar alles etwas einfacher vorgestellt nach den Tests, die ich ja auch dominiert hatte. Doch das Level ist extrem hoch. Wir machten Fehler und lernten daraus. Dass wir uns verbessert haben, war gerade in den letzten Rennen offensichtlich. Es braucht einfach Zeit.

In Assen waren Sie im Rennen 1 als Dritter erstmals in dieser Saison weniger als eine Sekunde hinter dem Sieger.

Ja, dieses Rennen von Assen war mein bestes bisher, ich war wirklich nah dran. Zwei Details fehlten, die wir fürs zweite Rennen korrigierten. Aber dann musste ich den Töff wechseln, und uns fehlte die Zeit, um den Ersatztöff richtig abzustimmen. Immerhin gab es noch Punkte. Aber ich bin doch etwas gefrustet, wenn ich die Pace des Siegers anschaue. Mir fehlten trotz allen Problemen nur vier Zehntel pro Runde.

In den ersten acht Rennen gab es fünf verschiedene Sieger. Ist das Feld so ausgeglichen?

Es sind alles Fahrer, die in den verschiedensten Klassen schon gewonnen haben oder aufs Podest gefahren sind. Und wir haben alle denselben Töff. Das macht es anspruchsvoll, und es muss jedes Detail stimmen.

Es ist anspruchsvoll – aber macht die MotoE auch Spass?

Ja, extrem, der Fahrspass ist wirklich hoch. Die 15 Minuten auf der Strecke geniesse ich extrem. Etwas Mühe habe ich damit, dass die Rennen so kurz sind. Das kann frustrierend sein, vor allem wenn wie am Sachsenring nach einer roten Flagge nicht wieder gestartet wird. Wir haben den gleichen Aufwand wie alle anderen, riskieren eher mehr, weil es ein Sprintformat ist. Doch nach etwas mehr als 30 Runden ist das Rennwochenende fertig. Das ist der Negativpunkt der Sache – neben ganz vielen positiven Dingen!

Sie hätten also gerne mehr Zeit auf der Strecke.

Ja, und ich überlege mir, was ich zusätzlich noch tun könnte. Die MotoE stösst auf grosses Interesse – und das ist für mich ja auch sehr gut. Aber vielleicht finde ich eine Gelegenheit, dieses Manko etwas auszugleichen.

Woran denken Sie konkret?

Wenn die MotoE-Saison vorbei ist (das letzte Rennen findet am 9. September statt – die Red.), stehen in anderen Meisterschaften noch Rennen an. Ich habe Kontakte, Interesse ist da. Aber es ist noch zu früh, um ins Detail zu gehen.

Vor einer Woche am Sachsenring hiess es, Ihre Crew habe «etwas gefunden» am Töff, was Sie nun schneller mache. Das klingt geheimnisvoll. Können Sie uns einweihen?

Es hat mit meiner Körpergrösse zu tun und mit der Gewichtsverteilung. Wir haben den Töff generell etwas höher und länger gemacht. Das funktioniert richtig gut – und es klingt ja eigentlich einfach. Aber eben: Dadurch, dass wir pro Wochenende nur etwas mehr als 30 Runden haben, ist es schwierig, solche Sachen zu erkennen und umzusetzen. Man will ja nicht zu viel riskieren – denn es geht schnell ums Qualifying und um die Startposition, die extrem wichtig ist. Es brauchte deshalb einfach Zeit. Mit einem «normalen» Töff hätten wir das in einem Wochenende erledigt. Nun brauchten wir drei.

Sie haben die wichtige Startposition angesprochen. In Assen starteten Sie als Vierter. Was fehlt noch für weiter nach vorne?

Vierter ist eigentlich nicht schlecht. Ich starte jeweils recht gut und war schon immer ein Racer, der sich im Rennen verbessert. Auch hier: Wir lernen dazu, machen Fehler – ich werde in der ersten Reihe stehen, sobald ich genug Erfahrung habe in dieser Klasse. In Assen fehlten mir ja nur 0,15 Sekunden auf die Poleposition. Ich jammere also auf hohem Niveau.

Was haben Sie sich für die zweite Saisonhälfte vorgenommen?

Ein Sieg muss schon noch her. Und ich will auch ein Doppelpodium. Es kommen nun Strecken, die mir gut liegen. In der WM will ich mindestens Dritter werden.

Randy Krummenacher, Saison 2023
Randy Krummenacher feiert seinen dritten Rang in Assen – nach der Sommerpause will er noch mehr.

Ihr Teamkollege Hector Garzo liegt in der WM gleichauf, Ihr liefert Euch Duelle auf der Strecke. Wie ist Ihr Verhältnis zum acht Jahre jüngeren Spanier?

Er ist ein extrem guter Typ, sehr menschlich und ähnlich wie ich. Wir haben es sehr gut miteinander. Ich gebe ihm auch Tipps und versuche ihm zu helfen. Aber am Ende macht jeder seinen Job auf der Strecke und muss auf sich selber schauen. Wir sind zwei gute Teamplayer – das sieht man auch am WM-Stand, wir führen in der Teamwertung ja deutlich.

Gönnten Sie ihm den Sieg auf dem Sachsenring?

Ja, klar. Er hat sich das verdient. Er würde mir einen Sieg auch gönnen. Natürlich, auf der Strecke geben wir es uns. Aber sauber. Die Fights mit ihm sind wirklich cool.

Der Teamkollege ist immer der erste Gegner – Ende Saison wollen Sie sicher vor ihm stehen.

Ja, sicher. Wir sind punktgleich, er ist Dritter – es ist also noch viel möglich. Ich will die Saison auf dem WM-Podest beenden. Weiter nach vorn wird es wohl schwierig, da beträgt der Abstand doch einige Punkte. Aber alle pushen, alle können Fehler machen, auch ich. Wer weiss, was noch passiert? Doch ich will nicht zu viel denken, sondern einfach Gas geben und so weitermachen. Wir haben gezeigt, dass wir es können.

Nun ist Sommerpause. Gibt es da die Möglichkeit, am Motorrad zu arbeiten, am Set-up zu tüfteln?

Nein. Die Motorräder kommen jeweils nicht zu den Teams, sondern zu Ducati. Wir können nichts machen – aber das ist ja für alle gleich. Wichtig ist, dass ich Töff fahre, und das werde ich auch tun. Für mich stehen Tests in Imola an, da hat mich ein Federhersteller engagiert. Das ist ein Job, der mir auch Spass macht und mich in Form hält. Und ich werde mich auch noch um junge Rennfahrer kümmern und mit ihnen trainieren. So bleibe ich im Schuss.

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