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Wenn das Finale wie eine Omelette ist

Spannend bis auf die Zielgeraden - das SM-Elite-Rennen der Männer in Wetzikon hatte es in sich.

Seinen Antritt vermochte keiner mehr zu parieren: Marc Hirschi (rechts) setzt sich an der SM durch.

Foto: Robert Pfiffner

Wenn das Finale wie eine Omelette ist

Späte Entscheidung im Titelrennen

Die Strassen-SM in Wetzikon wird erst auf den letzten Metern entschieden. Der Berner Marc Hirschi siegt.

Vier Kilometer fehlen den Spitzenfahrern am Sonntag kurz vor halb fünf noch bis ins Ziel. Rund 147 Kilometer haben sie zu diesem Zeitpunkt an der Strassen-SM auf der selektiven Strecke im Zürcher Oberland schon absolviert. Ganz vorne haben sich die zwei Teamkollegen Simon Pellaud und Sébastien Reichenbach einen kleinen Vorsprung erarbeitet. Ist das die Entscheidung?

Mit hohem Tempo brausen die Medaillenanwärter heran. An der Spitalstrasse in Wetzikon ist es darum Zeit, das Publikum auf deren Ankunft vorzubereiten. Jetzt schlägt die Stunde von Speaker Franco Marvulli. Der frühere Radprofi läuft in der Schlussphase der SM zu Hochform auf.

Jetzt ist das Rennen so richtig im Gange.

Franco Marvulli, Speaker

«Das gibt ne knappe Kiste», ist der mit seinem Speakerkollegen Michael Alborn auf einem offenen Lastwagenanhänger hockende Marvulli überzeugt. Um in der nächsten Sekunde dem Publikum den Puls zu fühlen. «Sind er bereit fürs Final, Wetzike?», ruft er ins Mikrofon.

Und erzielt die beabsichtigte Wirkung. Die dicht an den Absperrgittern stehenden Zuschauerinnen und Zuschauer hauen mit ihren flachen Händen auf die Werbebanner. Und machen in der brütenden Nachmittagshitze jetzt richtig Krach.

Aus der Entscheidung gefallen? Mitnichten!

Ein Begleittöff braust durchs Ziel, kurz dahinter tauchen die Fahrer auf. Doch zuvorderst ist nicht das erwartete Duo. Stattdessen schnappt sich Marc Hirschi im Spurt SM-Gold, nachdem es zu Beginn der siebten und letzten Runde noch den Anschein gemacht hatte, als sei er aus der Entscheidung gefallen.

Für den 24-jährigen Berner ist es die Titelpremiere in der Elite. Hinter ihm sichern sich die zwei Walliser Antoine Debons und Simon Pellaud die weiteren Medaillen. Marvulli ist von der Dramaturgie des Rennens begeistert. Und versucht, die späte Wende mit einem Vergleich zu erklären. «Wie eine Omelette, die man dreht.»

Knapp vier Stunden vorher am selben Ort: Alle Plätze an den Absperrgittern sind besetzt. Viele haben ihre Smartphones gezückt und fiebern dem Start des Elitefelds entgegen.

Der Wetziker Stadtpräsident Pascal Bassu hat sich im VIP-Zelt auf eine Festbank gesetzt, wenige Meter von ihm entfernt ist die Rütner Radquer-Legende Albert Zweifel als Streckenposten im Einsatz.

Zahlreiche Hobbyfahrer und -fahrerinnen sind mit ihren Rennvelos gekommen. Wie ein älterer Mann, der erzählt, er sei extra von Zürich-Albisrieden nach Wetzikon geradelt. «Über zwei Stunden hatte ich. Das ist zu viel», ist er mit seinem Tempo unzufrieden.

Unzufrieden mit dem Tempo

Vielleicht mag er darum seinen Namen nicht nennen. Hat er dafür einen Siegfavoriten? Der 76-Jährige winkt ab. Er kennt das Starterfeld nicht im Detail, ist nur sicher, dass Stefan Küng und Mauro Schmid dazugehören. «Aber ich weiss nicht einmal, wie Schmid aussieht.»

Das dürfte sich mittlerweile geändert haben. Mauro Schmid, der Profi des Worldtour-Rennstalls Soudal-Quickstep, ist an der SM einer der Aktivposten. Und kann lange auf einen Triumph hoffen. Wie der letztlich zehntplatzierte Roland Thalmann, der sich schon in der 2. Runde davonmacht und später auch Teil eines Spitzenquintetts mit fast drei Minuten Vorsprung ist.

In der fünften Runde aber kommt es wieder zum Zusammenschluss. «Jetzt ist das Rennen so richtig im Gange», freut sich Marvulli in diesem Moment. Um daraufhin bald einmal zu prophezeien: «Was jetzt passiert, ist entscheidend.»

Rüegg bester Oberländer

Wie erwartet spielen Oberländer Fahrer in dieser Phase keine Rolle mehr. Der Gibswiler Felix Stehli packt die Runde 3 zwar als Vierter an, er kann später aber ebenso wenig eine Rangierung vorweisen wie der Hinwiler Konny Looser, dessen Plan scheitert, in der Fluchtgruppe dabei zu sein.

Bester Oberländer ist schliesslich Lukas Rüegg. Der Madetswiler wird 18. Kevin Kuhn aus Gibswil belegt Platz 33. Knapp eine Viertelstunde nach Sieger Hirschi beendet Querspezialist Kuhn seinen Arbeitstag. Nur die wenigsten kriegen das allerdings noch mit – kaum sind die Spitzenfahrer im Ziel, hat sich der Grossteil des Publikums verabschiedet.

Marlen Reussers dritter Streich

Marlen Reusser hat sich an der Strassen-SM in Wetzikon im Frauenrennen über 108,5 Kilometer durchgesetzt. Die 31-jährige Bernerin, die vor fünf Tagen die Tour de Suisse der Frauen für sich entschieden hatte, gewann im Zürcher Oberland als Solistin. Für Reusser war es nach 2019 und 2021 der dritte Triumph an den nationalen Meisterschaften. Sie erreichte das Ziel nach den fünf Runden gut zwei Minuten vor Elena Hartmann, die sich den 2. Platz im Sprint einer Dreiergruppe holte. Den 3. Platz belegte Elise Chabbey. Keine der gestarteten Oberländerinnen wurde klassiert. Hingegen gewann Lara Liehner aus Ottikon bei Gossau in der U19 die Bronzemedaille.
Ebenfalls über Medaillen freuen durften sich die Oberländer Handbiker. In der Kategorie MH1 gewann Benjamin Früh aus dem Grüt, Felix Frohofer holte sich in der Kategorie MH4 Bronze. Beide sind unlängst für die EM und auch die WM selektioniert worden. (zo)

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