Dieses Erfolgsmodell ist zeitlos
Rennserie für den Nachwuchs
Um die 400 Fahrerinnen und Fahrer werden am Hittnauer Rennen vom Sonntag erwartet. Die Teilnehmerzahlen sind bemerkenswert konstant – wie im Bike-Cup, zu dem die Veranstaltung gehört.
Sechs Rennen in drei Kantonen: Das ist die Bike World Race Series 2023. Die Mehrheit der Veranstaltungen findet im Zürcher Oberland statt. Der Auftakt erfolgte Ende April in Schwändi GL, den Schlusspunkt setzt das Rennen in Egg im September.
Am Wochenende macht der Bike-Cup seinen traditionellen Halt in Hittnau. Seit 2004 ist das vom VC Hittnau organisierte Rennen Teil der Serie. Etwas über 300 Fahrerinnen und Fahrer haben sich für den Anlass bisher angemeldet. «Das ist im erwartbaren Rahmen», sagt OK-Chef Manuel Boog.
Am Renntag selber dürften zahlreiche Kurzentschlossene dazustossen, sodass in den neun Rennen um das Schützenhaus ähnlich viele Bikerinnen und Biker unterwegs sein dürften wie in den Vorjahren. «Bei rund 400 Personen hat es sich eingependelt», sagt Boog. «Es ist ein Rahmen, in dem alles gut funktioniert.»
«Wenn man als Einsteiger an eine Strecke kommt, die man nicht fahren kann, ist die Motivation doch schon weg.
Konny Looser, Hinwiler Bikeprofi
Die Konstanz bei den Teilnehmerzahlen ist bemerkenswert. Sie ist nicht etwa ein Alleinstellungsmerkmal des Hittnauer Rennens, sondern gilt für die gesamte Serie.
Mögliche Gründe dafür: Der Cup ist etabliert und geniesst einen guten Ruf, viele der Veranstalter sind schon lange an Bord. Attraktiv ist ebenfalls die Kleinräumigkeit – ohne grosse Anfahrtswege haben die Bikerinnen und Biker die Möglichkeit, sechs Rennen zu bestreiten.
Der Fokus auf zwei Punkte
Die Geschichte der Serie ist eng mit Heinrich Disch verknüpft. Der Rütner war von Anfang dabei, als vor rund 30 Jahren «ein paar Verrückte» die Idee hatten, mehrere Veranstaltungen unter einem Dach zu vereinen. Sie hofften darauf, einst 300 Startende pro Rennen zu haben.
«Zurzeit haben wir im Durchschnitt 400», sagt Disch, der noch immer die Fäden in der Hand hält. Was ist aus seiner Sicht das Erfolgsrezept der Serie, die 1995 als ZO-Cup startete und später mehr als ein Jahrzehnt lang als EKZ-Bike-Cup bekannt war?
Nach den Anfängen habe man auf zwei Punkte fokussiert, sagt Disch. «Regional bleiben und die Jugendförderung.»
Dass Letztere klappt, ist offensichtlich. Die Erwachsenenkategorien spielen im Bike-Cup eine untergeordnete Rolle. Am grössten sind die Felder von der U7 bis zur U15 – mit deutlich mehr Knaben als Mädchen.
Für die Kinder und Jugendlichen sind die Rennen ideal, um Wettkampfluft zu schnuppern und erste Erfahrungen zu sammeln. Es gibt mehr als ein Beispiel von heutigen Profis, die sich als Knirpse im Bike-Cup Stufe um Stufe nach oben kämpften.
Etwa der Joner Lars Forster, zweifacher Europameister im olympischen Cross-Country. Oder der Hinwiler Langstreckenspezialist Konny Looser. «Das war mein Karriereanfang», erinnert er sich, wie er als Zehnjähriger einst in der Bäretswiler Kiesgrube sein erstes Rennen im Bike-Cup fuhr.
Mittlerweile dürfte er in diesem gegen 100 Einsätze absolviert haben. Für ihn sind die regionalen Serien einer der Gründe, warum die Schweiz viele Spitzenmountainbiker hervorbringt. Den Bike-Cup bezeichnet er «als absolute Erfolgsgeschichte».
Einfach ist motivierend
Erstaunlich ist: Auch wenn es immer wieder Reglementänderungen gab, Veranstalter kamen und gingen, Grundsätzliches hat sich nicht verändert. Für Looser ist diese Beständigkeit neben der familiären Atmosphäre an den Rennen ein Trumpf.
Ebenfalls zentral für ihn: Die Kurse sind relativ einfach, sodass sie jeder fahren kann. «Wenn man als Einsteiger an eine Strecke kommt, die man nicht fahren kann, ist die Motivation doch schon weg.»
Weg ist allenfalls bald Heinrich Disch. Er hat mittlerweile diverse Aufgaben abgegeben und sagt: «Ich werde mich vermutlich nächstes Jahr zurückziehen.»
Die Bike-Serie scheint derweil übers Jahr hinaus weiter zu existieren. Disch verströmt Zuversicht. Er sagt: «Wir sind auf gutem Weg. Bis nach den Sommerferien sollte das Sponsoringpaket gesichert sein.»
