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In den USA ist er ein No-Name … und will das nun ändern

Konny Looser hat plötzlich ein Loch in seinem Budget. Von seinen sportlichen Zielen rückt er trotzdem nicht ab.

In Namibia, Südafrika und Europa kennt man Konny Looser, nun hat der Oberländer den US-Markt im Visier.

Foto: PD

In den USA ist er ein No-Name … und will das nun ändern

Hinwiler Bike-Profi

Der Verlust seines Hauptsponsors hat Konny Looser durchgeschüttelt. Doch der 34-Jährige hält trotzdem an seinen ursprünglichen Plänen fest.

Am Freitag ist Konny Looser zum zweiten Mal in diesem Jahr in die USA aufgebrochen. Zu einem «Roadtrip», an dessen Ende am 3. Juni der Start am Unbound Gravel steht.

Der Hinwiler steht in seiner 13. Saison als Profi, hat also viel Erfahrung aufzuweisen. Sein Respekt vor dem Rennen durch die Flint Hills in Kansas ist gleichwohl gross. Etwa wegen der zurückzulegenden Distanz von 322 Kilometern. Und da er als Mountainbike-Spezialist bisher nur ein Gravel-Rennen bestritt. Vor allem kennt er die Konkurrenz nicht.

Looser hat keine Ahnung, was ihn erwartet, vermutet aber viele Ex-Strassenprofis am Start. «Die haben rechte Motoren.»

Das mit rund 4000 Fahrerinnen und Fahrern grösste Gravel-Rennen der Welt zählt zum Life Time Grand Prix – einer aus sieben Bike- und Gravel-Rennen bestehenden Serie.

Looser gehört dem exklusiven Kreis von lediglich 35 Fahrern an, der um die Gesamtwertung mitfahren darf. 25’000 US-Dollar holt der Gesamtsieger am Schluss des Jahres ab. Es ist ein attraktives Preisgeld, wenn man bedenkt, dass sich Marathonspezialisten wie Looser häufig mit minimalen Beträgen abspeisen lassen müssen.

Der Oberländer ist im dritten Jahr als Privatfahrer unterwegs. Trotz vielen Siegen an bekannten Rennen finanziert er sich aber fast zu 100 Prozent über Sponsorengelder.

Frust und ein grosses Loch

Die Suche nach Unterstützern ist etwas, das Looser überhaupt nicht behagt. Dennoch sagte er Anfang Jahr, er sei bei den Sponsoren nun leicht besser aufgestellt als zuletzt. Mittlerweile hat sich die Situation verändert. So stark gar, dass Looser seine Saison, die durch mehrere USA-Reisen kostenintensiver als sonst sein wird, infrage stellte.

Was ist passiert? Ihm fehlt das fest eingeplante Geld des Hauptsponsors. Etwa ein Drittel des Budgets hätte eine deutsche Steuerberatungsgesellschaft decken sollen, die den Marathonfahrer schon zuvor gesponsert hatte.

Looser erzählt, man habe sich mündlich auf eine weitere Zusammenarbeit verständigt. Er vertraute der Abmachung, liess den Namen des Unternehmens prominent auf seine Trikots drucken. Doch Geld floss nie, den neuen Vertrag hat die Firma nicht unterschrieben.

Es kann nicht sein, dass ich alles hinwerfe.

Konny Looser

Looser sagt: «Ich hätte das nie erwartet. Die Sache hat mich stark belastet.» Er erzählt von körperlichen Stresssymptomen in diesem Zusammenhang. Looser hat einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und sieht sein Vertrauen missbraucht. Dass er den Geschäftsführer – einen passionierten Velofahrer – persönlich kennt, dürfte die Enttäuschung verstärkt haben.

Looser insistierte bei ihm ein paarmal, hat die Angelegenheit jetzt aber zähneknirschend abgehakt. Obwohl er heuer kaum einen Ersatz für seinen Hauptsponsor finden wird, hat er sich entschieden: «Es kann nicht sein, dass ich alles hinwerfe.»

Der Marathonbiker versucht, auf andere Weise das Loch im Budget zu stopfen. Auf seiner Website hat er ein Crowdfunding eingerichtet. Firmen können jeweils das Patronat für wichtige Rennen übernehmen.

Die Saat fürs Netzwerk

Looser ist nach dem emotionalen Tief wieder voller Elan. Allfällige Rücktrittsgedanken hat der 34-Jährige beiseitegeschoben. Er blickt gar über das Saisonende hinaus und bezieht das Jahr 2024 in seine Überlegungen mit ein.

Eine zentrale Rolle spielt in diesen die USA. All das, was er heuer ennet dem grossen Teich leistet, sieht er als Investition für die Zukunft an. In Europa, Namibia und Südafrika kennt man ihn in der Mountainbike-Szene. Er hat sich ein Netzwerk geschaffen, das ihm gerade auch organisatorisch vieles erleichtert. «In den USA aber bin ich ein No-Name.»

Er hofft, dass sich das mit seiner Teilnahme am Life Time Grand Prix ändert. Sechs der sieben Rennen will er bestreiten, um ein Streichresultat für die Gesamtwertung zu haben. Der Auftakt im April ist dem einzigen Europäer in der Serie geglückt. Looser wurde in Kalifornien Sechster.

Am Unbound Gravel wird der gelernte Dachdecker von einem Filmteam begleitet. Er weiss: «Das ist Superwerbung für mich.» Einige der zahlreichen Videos auf Youtube übers Unbound Gravel 2022 haben über 100’000 Aufrufe.

Der Name Looser dürfte also bald einmal deutlich mehr Leuten in den USA ein Begriff sein. Umso mehr, sollte ihm auf Kansas Schotterpisten ein Spitzenresultat gelingen.

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