Die Überwachung gibt ihr Sicherheit
Wetziker Ultracyclerin
Isabelle Pulver will zum zweiten Mal das Race Across America gewinnen. Sie setzt dabei verstärkt auf Daten – nicht nur zur Leistungsoptimierung.
Es gilt als das Ultra-Radrennen schlechthin. Zweimal schon hat sich Isabelle Pulver den Herausforderungen am Race Across America (RAAM) erfolgreich gestellt. 2015 gewann die Wetzikerin die Frauenwertung, 2019 klassierte sie sich als Dritte erneut auf dem Podest.
Nun ist Pulver dem Reiz des wohl härtesten Langdistanzrennens erneut erlegen, in dem jeweils kaum die Hälfte der Solofahrerinnen und -fahrer das Ziel erreicht.
Ende nächster Woche fliegt die in Ittigen BE lebende Oberländerin in die USA, um sich in Kalifornien zu akklimatisieren. Elf Tage später, am 13. Juni, erfolgt dann der Start zum prestigeträchtigen Rennen, das von der West- zur Ostküste führt.

Pulver hat viel Erfahrung, sich auf die Extremsituationen in den Rennen vorzubereiten. Das hat sie jüngst auch getan: In den vergangenen Monaten stand bei der 52-Jährigen das RAAM ganz im Fokus.
«Dabei sind wir jedoch zielgerichteter und sensibler vorgegangen als in den vergangenen Jahren», sagt sie.
Auf die Hirnblutung reagiert
Der Grund dafür liegt etwas mehr als ein Jahr zurück. Anfang März 2022 erlitt Pulver eine Hirnblutung. Sie hatte aber Glück. Der medizinische Notfall, bei dem jede Minute zählt, blieb dank dem schnellen Eingreifen von Ehemann und Trainer Daniel Pulver und der medizinischen Betreuung danach ohne Folgen.
Nur wenige Wochen später bestritt die Extremfahrerin bereits wieder einen Wettkampf. Wichtig ist für die Ausdauerspezialistin: Die Ärzte versicherten ihr, dass zwischen der Hirnblutung und der hohen Belastung, der sie sich in ihrem Sport aussetzt, kein Zusammenhang besteht.
Daniel Pulver hat derweil im sportlichen Alltag auf den damaligen Vorfall reagiert und die Planung angepasst. Nach jeder Einheit werten er und seine Frau die Daten aus. «Und passen das Training sofort an», sagt Daniel Pulver.
Der Kampf mit sich selber
Die Ulracyclerin ist auch am RAAM quasi eine gläserne Athletin. Das neunköpfige Team, das Isabelle Pulver in den USA unterstützt, sammelt im körperlichen und neurologischen Bereich Daten und wertet sie aus.
Um mögliche Veränderungen rasch erkennen zu können und entsprechend zu handeln. Aber ebenfalls, um die Ernährung und den Schlafrhythmus zu optimieren. Die Erholung spielt eine zentrale Rolle. Bei ihrem Sieg 2015 schlief Pulver kaum zwei Stunden täglich.
Impressionen vom RAAM 2015: Damals gewann Isabelle Pulver als Neuling das Frauenrennen.
Vier Jahre später lag sie zur Hälfte in Führung, musste aufgrund von Problemen wegen des fehlenden Schlafs aber eine 24 Stunden lange Pause einlegen, in der sie von der Spitze verdrängt wurde.
Im Prinzip besteht das RAAM aus einer einzigen, gewaltig langen Etappe, in der jeder Startende selber bestimmt, wie viele Pausen er benötigt. Es ist weniger ein Rennen gegen die Konkurrenz, vielmehr gegen sich selber. Doch Pulver will auch heuer nicht einfach «nur» durchkommen. Sie tritt mit dem Vorhaben an, erneut zu gewinnen – in persönlicher Bestzeit.
Um Letzteres zu schaffen, muss sie schneller sein als bei ihrem Triumph vor acht Jahren. Und in weniger als zehn Tagen, 21 Stunden und sieben Minuten im Ziel eintreffen. Pulver wird zwölf Bundesstaaten in vier Zeitzonen durchqueren. Dabei warten 5000 Kilometer und 53’000 Höhenmeter auf sie – in brütender Hitze, klirrender Kälte, bei starkem Wind, heftigen Regen und in der Dunkelheit.
