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Das sind die denkwürdigsten Sauber-Auftritte in Monaco

Peinlichkeiten, Tragödien und Triumphe: Sieben Sauber-Episoden aus Monaco.

Valtteri Bottas 2022 in der Hafenschikane: Diese Stelle wurde in Monaco schon zwei Sauber-Piloten zum Verhängnis.

Foto: Sauber Motorsport

Das sind die denkwürdigsten Sauber-Auftritte in Monaco

Hinwiler im Fürstentum

Der GP von Monaco vom Wochenende ist ein Highlight der Formel-1-Saison. Dem Sauber-Team bescherte das Rennen schon einige spezielle Episoden.

1993: Haarnadel-Harakiri

Schon der allererste Monaco-GP des Sauber-Teams ging nicht reibungslos über die Bühne. 1993, im sechsten Rennen der Formel-1-Debütsaison der Hinwiler, suchte sich JJ Lehto in der 24. Runde eine prominente, aber sehr unpraktische Stelle aus für ein Überholmanöver gegen Teamkollege Karl Wendlinger.

Die Haarnadelkurve, sie trug damals den Namen Loews und änderte seither mit dem unmittelbar daneben liegenden Hotel mehrfach ihren Namen, ist eine der langsamsten und engsten Stellen der Formel 1. Mit den damaligen Autos waren Überholmanöver dort zwar noch etwas realistischer als heutzutage – im Fall von Lehto gings aber gehörig schief.

Die beiden Teamkollegen kollidierten, Lehto musste mit kaputter Aufhängung aufgeben, und Wendlinger kam am Ende als Letzter ins Ziel. Ohne dieses Rencontre hätten die beiden womöglich Punkte geholt (damals gab es diese nur für die Top 6) und für das bis dahin beste Sauber-Resultat in der Formel 1 gesorgt. So aber wurde es die erste grosse Peinlichkeit.

1994: Der Schock

Die tragischen Ereignisse von Imola mit den tödlichen Unfällen von Ayrton Senna und Roland Ratzenberger waren noch keine zwei Wochen her, als der schlimme Crash von Karl Wendlinger die Formel 1 erneut erschütterte. Am 12. Mai 1994, im ersten Training vor dem GP von Monaco, verlor der Österreicher nach dem Tunnel beim Anbremsen auf die Hafenschikane die Kontrolle über seinen C13, kam ins Schleudern und prallte seitlich in die Mauer.

Wendlinger schwebte in Lebensgefahr, überlebte aber mit Hirnprellungen. 19 Tage lang lag er danach im Koma. Das Team zog sich vom Rennen zurück, der Fokus galt fortan der Gesundheit von Wendlinger, der 1995 tatsächlich noch einmal einige Rennen fuhr, bevor seine Karriere zu Ende war.

Über Peter Sauber sagte Wendlinger vor einigen Jahren: «Es gab und gibt nicht viele Teamchefs, die derart emotional dabei sind wie er. Als ich im Koma lag, besuchte er meine Eltern, kam ins Spital, hielt danach Kontakt zu mir und gab mir die Chance fürs Comeback. Viele andere hätten gesagt: ‹Gut, dass du überlebt hast – und alles Gute!›»

1996: Der verpasste Sieg I

Das von Regenfällen geprägte Rennen 1996 ist heute noch jenes mit der höchsten Ausfallquote in der Geschichte der Formel 1: 18 von 21 gestarteten Autos sahen damals die Zielflagge nicht – das sind 85,7 Prozent.

Die Ausfallorgie bescherte Sauber den zweiten Podestplatz überhaupt, weil Johnny Herbert einer der drei im Rennen verbliebenen Piloten war. Hinter Sensationssieger Olivier Panis und David Coulthard wurde der britische Fan-Liebling Dritter.

Monaco 1996 Podest, David Coulthard, Olivier Panis, Johnny Herbert
Johnny Herbert (rechts) bescherte Sauber 1996 einen Podestplatz – hinter Sieger Olivier Panis (Mitte) und David Coulthard.

Aber doch war der Jubel danach nicht grenzenlos – womöglich verpasste das Team nämlich damals den ersten Sieg. Mehrere Runden lang versuchte Heinz-Harald Frentzen, im ersten Rennviertel an Eddie Irvine im Ferrari vorbeizuziehen und auf den dritten Rang vorzustossen. Der Deutsche war aber zu ungestüm, demolierte bei einem seiner vielen Versuche den Frontflügel des C15 und fiel weit zurück.

Was er da noch nicht ahnen konnte: Keiner der drei vor ihm liegenden Fahrer sollte das Ziel am Ende erreichen. Historisch war das Ergebnis dennoch. Frentzen wurde als Vierter direkt hinter Teamkollege Herbert noch klassiert – es ist bis heute das beste Ergebnis von Sauber als Privatteam. Nicht nur in Monaco, sondern allgemein.

2008: Der verpasste Sieg II

3,064 Sekunden. So wenig fehlte Robert Kubica am 25. Mai 2008 zum Triumph. Es war die dritte Saison der Hinwiler als BMW-Werksteam, der erste Sieg das erklärte Ziel. Und es schien für Monaco schon fast angerichtet. Mit drei Podestplätzen, viel Konstanz und der Führung in der Konstrukteure-WM in der Tasche reiste BMW-Sauber ins Fürstentum, die Fahrer versprühten im Vorfeld Zuversicht, weil die Strecke dem Auto eigentlich liegen sollte.

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In der Qualifikation wurden die Hoffnungen dann gedämpft – nicht, weil Robert Kubica die zweite Startreihe als Fünfter nur um sechs Tausendstel verpasste, sondern vor allem, weil Nick Heidfeld als 13. erstmals seit langer Zeit ausserhalb der Top Ten startete. Doch wie so oft in Monaco: Wenn es regnet, gibt es Chaos. Und in diesem Chaos blieb Kubica fehlerfrei.

Der Pole blieb fehlerfrei, die Strategie des Teams ging auf – schneller war am Ende nur Lewis Hamilton, der in derselben Saison seinen ersten Weltmeistertitel feiern sollte. Lange warten bis zum ersten Sieg musste BMW-Sauber nicht mehr – zwei Wochen später in Kanada war es so weit.

2011: Déjà-vu zum Ersten

Es waren bange Minuten, und nicht wenige fühlten sich zurückversetzt ins Jahr 1994, als Karl Wendlinger seinen schweren Unfall hatte. Im dritten Teil des Qualifyings kam Sergio Pérez bei der Tunnelausfahrt ins Schleudern, prallte erst seitlich in die Leitplanken und flog schliesslich in dieselbe Begrenzungsmauer wie Wendlinger 17 Jahre zuvor. Der 21-jährige Mexikaner, für den es die Debütsaison in der Formel 1 war, blieb regungslos im Auto sitzen, setzte keinen Funkspruch ab.

https://youtu.be/xkJOkNfR8PM

Rasch aber löste Erleichterung die Beklommenheit ab: Pérez zog sich eine Gehirnerschütterung und eine Oberschenkelprellung zu – und sagte noch am selben Tag, er wolle zum Rennen antreten. Die Ärzte legten ihr Veto ein – und der Mexikaner musste auch zwei Wochen später in Kanada noch aussetzen. Mit Monaco versöhnte er sich ein Jahr später: Pérez fuhr die schnellste Rennrunde – das gelang Sauber als Privatteam bisher erst fünfmal.

2016: Déjà-vu zum Zweiten

Diesmal war es nicht in der Haarnadelkurve, sondern in der nicht minder berühmten Rascasse – und eigentlich noch peinlicher als 1993: Felipe Nasr wurde mehrfach angewiesen, seinen schnelleren Teamkollegen Marcus Ericsson vorbeizulassen. Der Brasilianer machte allerdings keine Anstalten – und der Schwede nahm die Dinge selber in die Hand. An einem Ort, wo es schlicht nicht funktionieren kann, wollte er sich an Nasr vorbeiwürgen.

Das Resultat: Viele Karbonsplitter auf der Strecke – und ein Doppelausfall für das Team, das wenig später an die aktuellen Besitzer verkauft wurde.

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