Ein Dach für bessere Zeiten
Es herrscht Aufbruchstimmung
Mit dem Verein Basketball Züri Oberland bündeln die Klubs aus Wetzikon, Rüti und Greifensee die Kräfte. Das Projekt hat vielversprechend begonnen.
Der Aufstieg der Männer in die 3. Liga? Das wäre für Basketball Züri Oberland (BZO) in der ersten Saison der Vereinsgeschichte «extrem wichtig», wie David Forman sagt. Und es schaut gut aus: Die erste von zwei Aufstiegspartien gewannen die Oberländer in Mörschwil. Am 23. Mai findet das Rückspiel statt.
Forman, 29, ist nicht nur Trainer des Männerteams und Präsident des vor einem Jahr gegründeten Vereins. Der Wetziker ist auch eine der treibenden Kräfte hinter dem Projekt «BZO», das dem Basketball im Zürcher Oberland eine rosigere Zukunft verschaffen soll.
Basketball Züri Oberland fungiert als «Dachverein» der drei traditionellen Klubs BC Wetzikon, Rüti Basket und Greifensee Basket. Mit der Idee, die Kräfte zu bündeln, Synergien zu schaffen und Ressourcen gemeinsam zu nutzen.
Wir müssen es hinkriegen, dass unsere Mitglieder sich nicht nur mit den lokalen Klubs identifizieren, sondern sich als Teil vom BZO sehen.
Stephanie Willis, Präsidentin BC Wetzikon
Grob zusammengefasst sollen Spielerinnen und Spieler bis 16 in ihren lokalen Klubs bleiben. Der Überbau der Pyramide ist hingegen im BZO angesiedelt. Letzterer soll in Zukunft – so Formans Vision – aus Leistungs- sowie Entwicklungsmannschaften für Erwachsene und Heranwachsende bestehen. Die Idee zu dieser Pyramidenstruktur stammt von Greifensee-Präsident Benoît van Laethem, dem auffiel, dass mit zunehmendem Alter der Spielerinnen und Spieler auch die Kader kleiner wurden.
Er sagt: «Da wurde mir bewusst, dass eine Zusammenlegung der Mannschaften aus den drei Regionalklubs, beginnend mit der U18 bis zu den Aktiven, sinnvoll wäre. Zudem bleiben die jüngeren Spieler und ihre Eltern erfahrungsgemäss lieber in der näheren Region.»
Von Zuständen wie einst um die 1990er Jahre, als zwischenzeitlich die Männer und Frauen des BC Wetzikon gleichzeitig in der NLA spielten, träumt man beim BZO indes nicht. Forman spricht lediglich von der 1. Liga, in der die Aktivteams in absehbarer Zukunft spielen sollen.
Ab dieser Stufe, so ist er überzeugt, könnte Basketball Züri Oberland sportlich ambitionierte Junge aus dem eigenen Nachwuchs im Verein halten, statt sie an Klubs im Grossraum Zürich zu verlieren. Und wäre auch für auswärtige Spieler interessant.
Die Personaldecke ist dünn
Noch liegt ein weiter Weg vor den Oberländer Basketballerinnen und Basketballern. Bei den Aktiven kämpften die drei Vereine aus Rüti, Greifensee und Wetzikon in der jüngeren Vergangenheit mit Personalsorgen, Erfolgsmeldungen fehlten.
Das letzte Mal, als hier in der Gegend sportlich etwas grössere Basketball-Schlagzeilen geschrieben wurden, ist schon elf Jahre her. Die Greifenseer Frauen spielten ab 2008 in der NLB, ehe sie 2012 abstiegen.
Wir realisierten aber, dass es interessanter ist, ganzheitlicher zu denken.
David Forman, Präsident BZO
Wie dünn die Basis in der Region bei den Aktiven ist, sah Forman, als er in der vorletzten Saison im BC Wetzikon den Trainerposten bei den Männern übernahm. Kaum eine Handvoll Spieler, die nicht primär dem U22-Team angehörten, stand ihm zur Verfügung. Ambitionierte sportliche Ziele waren damit nicht zu verfolgen.
Forman sagt, man hätte nun einfach versuchen können, die Rütner und die Wetziker Männer zusammenzulegen, um mehr Schlagkraft zu generieren. «Wir realisierten aber, dass es interessanter ist, ganzheitlicher zu denken.»
Die positive Einstellung
Anfang 2022 führte Forman zusammen mit anderen Regionalklubvertretern erste konkrete Gespräche über eine Zusammenarbeit der Klubs, danach ging es schnell. Schon im Mai wurde der Verein Basketball Züri Oberland gegründet. In den drei beteiligten Klubs habe gegenüber dem Projekt von Anfang an eine positive Grundstimmung geherrscht, sagt Forman.
Schon vor Jahren hatte man im Oberland über eine Zusammenarbeit nachgedacht. «Damals waren die Vereine dazu noch nicht bereit», erinnert sich Kim Do, Vorstandsmitglied von Rüti Basket.
Es ist ein guter Schritt.
Kim Do, Vorstandsmitglied Rüti Basket
Do ist vom jetzigen Projekt überzeugt. Sie sagt: «Es ist ein guter Schritt.» Und Stephanie Willis, Präsidentin des BC Wetzikon, sagt: «Das Zürcher Oberland ist eine grosse Region, und wir sehen viel Potenzial, sofern wir unsere Kräfte bündeln.»
Natürlich gab es kritische Stimmen und Vorbehalte. Etwa die Befürchtung, dass die Gründung eines «Dachvereins» zu einem administrativen Mehraufwand führt – etwa bei den Lizenzen.
Auf nächste Saison zeichnet sich in diesem Bereich aber eine erfreuliche Veränderung ab. Der Verband hat grünes Licht gegeben, dass künftig alle Lizenzen unter dem BZO-Dach laufen können.
Knackpunkt Kommunikation
Vier BZO-Teams – ihre Heimspiele trugen sie in Rüti oder Wetzikon aus – bestritten heuer die Meisterschaft. Zwei im Nachwuchs, eines bei den Frauen in der 2. Liga, eines bei den Männern. Forman sagt, man habe bewusst darauf verzichtet, zu forsch vorzugehen und noch mehr Teams zu integrieren. «Jetzt, wo wir sehen, dass sich Synergien nutzen lassen, können wir weitermachen.»
Die Bilanz fällt positiv aus. Kim Do sieht viele Vorteile, und Wetzikons Präsidentin Willis findet: «Die erste Saison hat sich bereits gelohnt.» Auch David Forman ist zufrieden.
Was bei der Konstellation mit vier Partnern wenig überraschend ist: Als grösste Herausforderung hat sich im ersten BZO-Jahr die Kommunikation herausgestellt. Eine Ursache dafür sei auch die hohe Geschwindigkeit gewesen, mit der das Projekt vorangetrieben worden sei, findet Kim Do. Nicht alle in den lokalen Vereinen hätten bei diesem Tempo in vollem Umfang realisiert, welchen Zweck Basketball Züri Oberland genau verfolge.
Wetzikons Präsidentin Willis sagt zu diesem Punkt: «Wir müssen es hinkriegen, dass unsere Mitglieder sich nicht nur mit den lokalen Klubs identifizieren, sondern sich als Teil vom BZO sehen.»
Ab an die Quelle
Alle Vereinbarungen waren bisher nur mündlich getroffen worden. Nun aber arbeitet Forman an einer schriftlichen Kooperationsvereinbarung. Darin sollen beispielsweise die Aufgaben der Klubs definiert sein.
Der BZO-Präsident hat auch schon eine Idee, wie man den Informationsfluss verbessern könnte. Er möchte, dass künftig die Vereinsführungen von Wetzikon, Rüti und Greifensee im aktuell aus fünf Personen bestehenden Vorstand von Basketball Züri Oberland sitzen. «So ist jeder Klub direkt an der Quelle.»
Rund 70 Mitglieder hat Basketball Züri Oberland momentan. Alle vier Klubs zusammen kommen auf rund 450. Die Basis ist also vorhanden. Im Nachwuchs zeichnet Präsident Forman gar ein rosiges Bild.
Er sagt, in jedem der drei lokalen Vereine habe es um die 40 Spielerinnen und Spieler, die jünger als 14 seien. «Das war zu meiner Zeit im Nachwuchs anders.»
Die Spitze ist das Problem
Es zeigt, dass es im Oberland nicht am Unterbau mangelt, sondern an der Spitze der Pyramide. Forman schliesst daraus: «Es reicht nicht, Junge für Basketball zu begeistern. Man muss ihnen auch eine sportliche Perspektive bieten.»
Der Sprung in die nächsthöhere Männerliga würde dem Projekt weiteren Schub verleihen. Attraktiver macht den Verein BZO, dass dem HU22-Team künftig einmal pro Woche in Uster eine Halle zur Verfügung steht. Forman möchte die Stadt zum Klubstandort aufbauen. Der Bezirkshauptort liegt verkehrsgünstig – auch von Zürich aus. Das soll Basketball Züri Oberland helfen, wachsen zu können.
Nützen würde auch eine erhöhte Sichtbarkeit. Denn ausserhalb der Szene hat wohl kaum jemand mitbekommen, dass im Oberländer Basketball Aufbruchstimmung herrscht. Bis jetzt hat der Verein Basketball Züri Oberland nur einen Instagram-Kanal.
Nun haben die Macher eine Vereinswebsite geplant. Forman hat sogar eine klare Vorstellung, zu welchem Zeitpunkt sie online sein soll.
Der Präsident sagt: «Spätestens ab dem Moment, wo Spielerinnen und Spieler auf Klubsuche sind.»
