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So verlief sein Weg an die Weltspitze

Wie Nils Stump sich durchsetzte: Der Werdegang eines Ausnahmetalentes.

Er stellt seine Gegner regelmässig vor Probleme: Nils Stump – hier im WM-Final gegen den Italiener Manuel Lombardo.

Foto: Keystone

So verlief sein Weg an die Weltspitze

Judo-Weltmeister Nils Stump

Der erste Schweizer Judo-Weltmeister Nils Stump galt früh als Ausnahmetalent. Gerecht wurde der Ustermer diesem Ruf nicht erst mit dem Titelgewinn in Doha.

Sieben Namen stehen unter dem Titel «Hall of Fame» auf der Website des Schweizer Judoverbands. Der achte wird jener von Nils Stump sein. Einen Tag nach seinem historischen Weltmeistertitel in der Gewichtsklasse bis 73 Kilogramm ist die Seite zwar noch nicht aktualisiert – doch ihn selber dürfte das kaum kümmern.

Der Ustermer weilte schon am Mittwochmorgen nicht mehr am WM-Ort Doha, sondern auf den Seychellen. «Nicht, um den Erfolg zu feiern, die Ferien waren einfach schon vorher geplant», wie er gegenüber dem Schweizer Radio und Fernsehen sagte. «Ein bisschen Schlaf konnte ich im Flugzeug nachholen.»

Je näher ich dem Titel kam, desto mehr wollte ich ihn.

Nils Stump

«Es ist mir eine Ehre, dass ich das für den Schweizer Judo-Sport erreicht habe», sagt Stump auf die Frage, was es ihm bedeute, der erste Schweizer Judo-Weltmeister überhaupt zu sein. Er sei an das Turnier herangegangen wie an jedes andere.

«Wenn ich in einem Turnier bin, lässt die Nervosität jeweils schnell nach. Und je näher ich dem Titel kam, desto mehr wollte ich ihn.»

Nun hat er ihn also und hat damit die Kriterien für diese «Hall of Fame» des Verbands erfüllt, in der auch seine Klubkollegin Fabienne Kocher figuriert. Sein Name steht auf derselben Stufe mit anderen Schweizer Judo-Grössen.

Wie etwa Sergei Aschwanden, der als letzter Schweizer Judoka eine Olympia-Medaille gewann (Bronze in Peking 2008). Oder Jürg Röthlisberger, der 1980 in Moskau erster und bisher einziger Schweizer Judo-Olympia-Sieger wurde.

Vom Ausnahmetalent zum Ausnahmekönner

«Olympia-Sieger werden» – diese Aussage tätigte Stump auch schon, und zwar vor bald neun Jahren, als er gefragt wurde, was er in seinem Leben unbedingt noch möchte. 17 Jahre alt war er da und wurde als Ustermer Nachwuchssportler des Jahres geehrt.

Damals galt er als Ausnahmetalent mit Potenzial für Erfolge auf internationaler Ebene. Seinen ersten Auftritt mit olympischem Charakter hatte er da bereits hinter sich; das European Youth Olympic Festival (EYOF) in Utrecht endete für ihn im Sommer 2013 aber nach nur einem Kampf.

Dass man als Judoka bisweilen lange Reisen auf sich nimmt und dabei riskiert, im schlechtesten Fall schon nach wenigen Sekunden auszuscheiden, war für Stump nie ein Hinderungsgrund. Und: Seine Reisen lohnten sich früh in der Karriere.

Denn schon als Junior beendete er Europacup-Turniere regelmässig auf dem Podest. 2016 schaffte der damals 19-Jährige dann das Kunststück, innert nicht einmal zweier Monate sowohl an der Junioren-EM als auch an der U23-EM die Bronzemedaille zu gewinnen.

Der Wechsel in die Gewichtsklasse bis 73 Kilogramm folgte bald, der Übertritt zur Elite kam 2018. Im selben Jahr stieg er ins Grand-Slam-Kader auf, das die höchste Stufe beim nationalen Verband darstellt und finanzielle Vorteile mit sich bringt.

Seither ist Stump Profisportler – und die Resultate liessen auch auf Elite-Level nicht lange auf sich warten. Ohne Verzögerung stiess er in die erweiterte Weltspitze vor.

Nils Stump, EM-Bronze 2021
Im Jubeln hat er Routine – hier feiert Nils Stump seine EM-Bronzemedaille in Lissabon 2021.

Die angestrebte Qualifikation für die Olympischen Spiele in Tokio wurde greifbar – erst recht, nachdem diese wegen der Corona-Pandemie von 2020 auf 2021 verschoben wurden. Und spätestens als er im Frühling 2021 EM-Bronze gewann, wusste er: An einem guten Tag ist alles möglich.

Er lässt seine Taten auf der Matte sprechen

Es ist ein Satz, den er selber im Verlauf seiner Karriere immer wieder äusserte. Anderen Sportlern legt man solche Worte als Durchhalteparolen aus, bei Stump ist es ein Zeichen seines Selbstverständnisses.

Er, der sich selber schon als stiller Schaffer bezeichnete, ist nicht der Mann der grossen Worte oder der markigen Ankündigungen. Seine Sprache ist gewissermassen das, was er auf der Matte zeigt.

Sein Selbstverständnis erhielt auch dann keinen Dämpfer, als er an den Olympischen Spielen schon im ersten Kampf ausschied. «Nils wird seinen Weg machen; er saugt Wissen auf und verbessert sich jede Woche», sagte damals Robert Wakiyama, der Präsident des Judoclubs Uster.

Und Stumps Weg geht weiter, die Ziele sind abgesteckt. Die nächsten Medaillen an Grossanlässen scheinen für Stump bereitzuliegen – in Frankreich könnte er seine ohnehin schon beispiellose Karriere noch stärker veredeln.

In Montpellier an den Europameisterschaften im November – und in Paris an den Olympischen Spielen im Sommer 2024. Man ist versucht zu sagen: Macht er so weiter, müssen sie beim Judoverband für ihn in der «Hall of Fame» bald eine eigene Kategorie erfinden.

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