Sie greifen beide nach WM-Medaillen
Ustermer Judokas
Fabienne Kocher und Nils Stump gehören in ihren Kategorien zur Weltspitze. Das wollen sie an den Weltmeisterschaften in Doha unter Beweis stellen.
Es ist wahrlich keine Liebesbeziehung. Im Gegenteil: Nils Stump und Weltmeisterschaften? Das hat bisher ganz einfach nicht gepasst. Weder bei den Junioren, noch ab 2018 in der Elite konnte sich der Ustermer jemals in den Top 7 klassieren.
Im letzten Jahr in Taschkent war für den 26-Jährigen beispielsweise der zweite Kampf Endstation. Wobei er an der damaligen Weltnummer 1 der Kategorie bis 73 kg scheiterte. Nun nimmt Stump den nächsten Anlauf, an einer WM zu reüssieren – am Dienstag in der katarischen Hauptstadt Doha.
Die Vorzeichen könnten kaum besser sein. Der über ein breites Repertoire und viel Power verfügende Judoka hat sich seit der letzten WM nicht nur weiter entwickelt. Er ist vor allem auch seit Wochen in absoluter Topform. Neun von zehn Kämpfen hat Stump heuer gewonnen.
Das Grand-Slam-Turnier in der usbekischen Hauptstadt beendete er im März auf Rang 3, jenes von Tel Aviv im Februar entschied der Athlet des Judoclubs Uster für sich. Zu besseren Einschätzung dieser Resultate: Stump war im Oktober 2022 der erste Schweizer Grand-Slam-Sieger überhaupt gewesen.
In der Weltrangliste liegt die Schweizer WM-Medaillenhoffnung an 9. Stelle. Und ist in Doha trotzdem nicht gesetzt, da die Weltklasse geschlossen am Start steht.
Das mag Stumps Weg durchs stark besetzte Feld mit 57 Kämpfern etwas erschweren. Es dürfte mit seinem Selbstvertrauen derzeit aber trotzdem eine Randnotiz sein.
Feinschliff in Spanien
Ein Tag vor Stump gilt es für die Riedikerin Fabienne Kocher in Katar ernst. Die Olympia-Fünfte von Tokio in der Kategorie bis 52 kg fühlt sich für den Wettkampf bereit. Zusammen mit Stump und anderen Schweizern Topathletinnen und Athleten schliff sie in den letzten Wochen in Trainingslagern in der Türkei, Japan und zuletzt in Valencia an der Form.
Kocher sagt: «Wir hatten eine gute Vorbereitung, haben viel auch im technischen Bereich gearbeitet.» Ihr Plan für die WM ist derweil simpel: Sie will ihr bestes Judo zeigen. Der Anspruch ist klar: Kocher hat eine WM-Medaille im Visier.
Wie sich eine solche anfühlt, weiss die Klubkollegin von Stump. Vor zwei Jahren hat sie in Ungarn Bronze gewonnen.
Ein gutes WM-Ergebnis würde Kocher im Kampf ums Olympiaticket helfen. Aktuell liegt die 29-Jährige im Olympiaranking an 18. Stelle. Sie wäre damit 2024 in Paris zwar dabei. Übermässig viele Punkte hat Kocher in der ersten Qualifikationsphase, in denen die Ergebnisse nur zu 50 Prozent zählen, aber noch nicht gesammelt. Sie könnte ihre Bilanz mit einer erfolgreichen WM also merklich aufhübschen.
In einer komfortableren Situation befindet sich in dieser Hinsicht Nils Stump. Er liegt im Olympia-Ranking kurz vor Hälfte der zweijährigen Qualifikation an sechster Stelle. Jetzt muss er nur noch seine Beziehung zur WM kitten.
