«Ich will aufs Podest in diesem Jahr»
Trotz schwachem Saisonstart zuversichtlich
Valtteri Bottas und Sauber erlebten in den ersten vier Rennen der Saison mehrheitlich Enttäuschungen. Doch der Finne ist alles andere als beunruhigt.
8., 18., 11., 18. – die Ränge von Valtteri Bottas in den ersten vier Formel-1-Rennen der Saison sind nicht berauschend. «Es ging hoch und runter», sagt der Finne, «es ist nicht gelogen, wenn ich sage, dass wir noch viel Arbeit vor uns haben. Das Gute ist: Es gibt noch viele Rennen, und wir sehen, wo wir uns verbessern können.»
Diese Aussagen machte der 33-jährige Finne vor dem Rennen in Baku am letzten Wochenende – seine Einstellung dürfte sich seither nicht verändert haben. In Aserbaidschan war er ab der zweiten Kurve chancenlos, nachdem sein Auto bei einer von ihm unverschuldeten leichten Kollision beschädigt worden war.
Überhaupt scheint die Resultatbaisse dem Sauber-Teamleader, dessen Vertrag noch bis Ende 2024 läuft, nichts anzuhaben. Bottas strahlt Ruhe, Freude und Lockerheit aus wie noch nie in seiner Karriere. In einem am Mittwoch publizierten offiziellen Podcast der Formel 1 war das ein Thema – doch Bottas sprach natürlich auch über seinen Hinwiler Arbeitgeber.
Valtteri Bottas über …
… die Entwicklung im Team, seit er vor anderthalb Jahren nach Hinwil kam:
«Vieles ist professioneller geworden, jeder hat einen Schritt nach vorne gemacht – in allen Details, ob es nun um die Einstellung der Leute geht, um die Qualität des Autos, um die Zuverlässigkeit. Die Leute haben verstanden, dass es auf jedes kleine Detail ankommt, wenn man sich nach vorne arbeiten will. Es ist gut, diese Veränderung zu sehen. Es gibt aber auch noch viel zu tun.»
… die Stärken und Schwächen des Autos:
«Die Stärken sind ähnlich wie im letzten Jahr: Wir sind in langsamen Kurven ziemlich konkurrenzfähig, und die Balance des Autos ist sehr gut. Schwächen haben wir bei höheren Geschwindigkeiten, sei es in schnellen Kurven oder bezüglich des reinen Topspeed auf manchen Strecken. Uns fehlt insgesamt etwas Abtrieb, aber es ist nichts fundamental falsch mit diesem Auto. Es verhält sich ziemlich gut. Für die vorhandenen Probleme haben wir auch schon einige Lösungen in der Pipeline. Eine Stärke ist auch, dass wir mehr Teile produzieren können während der Saison als im letzten Jahr.»
… die Tatsache, dass heuer noch kein Sauber-Pilot in den dritten Teil des Qualifyings vorstiess:
«Die reine Pace des Autos reicht offenbar nicht für die Top Ten, das ist enttäuschend, daran müssen wir natürlich arbeiten. Aber es fehlt nicht viel. Gerade das Mittelfeld ist diese Saison sehr eng beisammen. Ich mache mir noch keine grossen Sorgen, die Saison ist noch jung.»
… Strecken, die dem Auto liegen:
«Ich denke, wir könnten in Mexiko stark sein, vielleicht auch in Monaco – wir haben auf langsameren Kursen sicher mehr Potenzial.»
… das Potenzial von Sauber im Vergleich zu den Topteams:
«Es ist alles vorhanden. Natürlich braucht es Zeit und noch einige Leute mehr im Vergleich mit den wirklich grossen Teams. Aber das ist es dann auch schon. Natürlich kann man gewisse Anlagen immer verbessern – aber eigentlich sind alle Elemente da. Es ist eine spannende Zeit, wenn man an die nächsten Jahre denkt.»
… den Wechsel von Sauber-Teamchef Frédéric Vasseur zu Ferrari:
«Er ist einer der Gründe, weshalb ich zum Team gestossen bin. Und dann geht er ein Jahr später (lacht). Aber ich verstehe es, er hat eine Gelegenheit erhalten, die er in seiner Funktion einfach nicht verpassen darf. Er rief mich einige Tage vorher an und sagte: ‹Vielleicht hast du Gerüchte gehört, nun kann ich es bestätigen. Aber mach dir keine Sorgen, es wird alles geregelt sein.› Es war ihm wichtig, dass alles funktioniert, wenn er geht. Der Wechsel ging auch sehr reibungslos vor sich, wir haben eine gute Struktur im Team, und es war gut zu sehen, wie Andreas Seidl und Alessandro Alunni Bravi übernehmen konnten. Ich glaube, wir sind mit diesen Führungspersonen in guten Händen.»
… den neuen CEO Andreas Seidl:
«Er ist ein supersmarter Typ, hat viel Erfahrung, weiss viel über den Sport und über die Technik. Und er hat einen guten Charakter. Er ist in gewisser Hinsicht sehr deutsch: Er ist sehr direkt, was es auch braucht. Er hat klare Ziele, er ist getrieben von Resultaten – und gleichzeitig geht er auch sehr gut mit den Leuten um. Bisher hat er in meinen Augen einen guten Job gemacht. Was er bewirken kann, wird die Zukunft zeigen. Man sieht nie sofort die Resultate, wenn man einen neuen Chef hat.»
… seine Ambitionen, auch 2026 noch in Hinwil zu sein, wenn Sauber Audi-Werksteam wird:
«Verglichen mit anderen Fahrern bin ich ja noch jung (lacht). Ich sehe meine Karriere nicht in der näheren Zukunft enden und spüre keine Leistungseinbussen, wenn es um das Fahren oder die Arbeit mit dem Team geht. Es ist für die ganze Firma spannend, was passiert. Teil eines Herstellers zu sein, ist fast unabdingbar, wenn man in der Formel 1 gewinnen will.»
… seinen Teamkollegen Zhou Guanyu:
«Er ist ein sehr guter Teamkollege und ein sehr netter Typ. Für sein Alter und seine Erfahrung ist er wirklich sehr reif. Er ist ein guter Mensch und ein wirklich sehr fähiger Fahrer. Er weiss, was seine Aufgabe ist, wie er mit dem Team arbeiten muss – und es ist toll zu sehen, wie er sich entwickelt. Wir verstehen uns sehr gut. Wenn er einen Rat braucht, bin ich immer da – und vielleicht ist es ja eines Tages umgekehrt (lacht).»
… Lewis Hamilton, der ihn unlängst als seinen Lieblingsteamkollegen bezeichnete:
«Wir sind noch immer gut befreundet. Er ist für mich noch immer der beste Fahrer im ganzen Feld. Er ist nicht nur äusserst talentiert, sondern arbeitet viel härter, als die Leute denken, auch neben der Strecke. Er ist oft der letzte Fahrer, der das Paddock verlässt. Er hat in sich diesen riesigen Drang, immer abzuliefern. Seine Basisperformance ist so gut, er ist so konstant – es ist wirklich sehr schwierig, ihn zu schlagen. Wenn mir das mal gelungen ist, hatte ich einen wirklich guten Tag. Aber an einem normalen Tag schaffte ich es nicht.»
… seine Ziele für den Rest der Saison:
«Besser zu sein als letztes Jahr und Fortschritte zu sehen. Ich will mehr Punkte, wir wollen als Team mehr Punkte. Wie gesagt, es liegt an Details. Das Potenzial ist da, die Unterschiede zwischen den Teams sind gering. Konstanz ist wichtig. Die Zuverlässigkeitsprobleme aus der letzten Saison haben wir nicht mehr – ich hoffe, dass wir uns daher auf die Performance und die Weiterentwicklung des Autos konzentrieren können. Und ich möchte aufs Podest in diesem Jahr – das ist eines meiner Ziele. Klar ist es schwierig, gegen grössere Teams wie Mercedes, Ferrari und in diesem Jahr auch Aston Martin zu kämpfen. Aber es ist nicht unmöglich.»
